Archiv

DEFA 1965; 114 min

Solange Leben in mir ist

Gespräch mit Horst Schulze
Filmeinführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Episoden aus dem Leben Karl Liebknechts zwischen 1914 und 1916.
Als einziger SPD-Abgeordneter stimmt er im Reichstag gegen Kriegs­anleihen. Zum Kriegsdienst gezwungen, leistet er, ungeachtet der Repressalien, denen seine Familie in Berlin ausgesetzt ist, an der Front in Frankreich Aufklärungsarbeit. Illegal tritt er auf Großkundgebungen zum 1. Mai 1916 in Jena und Berlin auf, wird verhaftet und des Landesverrats angeklagt. Vor Gericht bleibt er seiner Überzeugung treu und klagt seine Ankläger als Feindes des Volkes an.

Regie: Günter Reisch
Drehbuch: Michael Tschesno-Hell, Günter Reisch, Hermann Herlinghaus

Filmszene, DEFA-Stiftung | Horst E. Brandt
DFF 1988

Die Weihnachtsgans Auguste

Filme wiederentdeckt | Gespräch mit Prof. Bodo Fürneisen | Regisseur
Filmeinführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Der Opernsänger Ludwig Löwenhaupt möchte zu Weihnachten einen richtigen Festbraten haben und kauft so vorab bereits eine Gans, die die Familie mästen soll. Was er aber nicht ahnt, ist, dass die Kinder Elli, Gerda und Peterle das Tier, welches auf den Namen Gustje getauft wird, fortan lieb gewinnen und sie nicht mehr verspeisen wollen. Aus „fünf Kilo Fleisch“, die zunächst im Keller eingesperrt waren, wird nach der „Befreiung“ ein Haustier, das die Kinder mit ins Bett nehmen und mit ihm kommunizieren. Doch kurz vor Weihnachten will Vater Löwenhaupt sie dennoch schlachten. Als seine Familie protestiert und sich sein Gewissen meldet, kann er die Gans nicht umbringen. So versucht er sie mit Schlafmitteln zu töten. Allerdings wacht Auguste nach dem Rupfen wieder auf. Sie erhält einen Pullover und darf nun endgültig als Haustier in der Familie bleiben.
(Teilnahme nur nach vorheriger Anmeldung möglich.)

Bild: Filmszene

Olaf Ihlau

Der Bollerwagen – Unsere Flucht aus dem Osten
Paul Werner Wagner im Gespräch mit Ohlaf Ihlau über die abenteuerliche Geschichte seiner Familie

Ein Bollerwagen – das war alles, was ihnen blieb, als der damals knapp dreijährige Olaf Ihlau mit seiner Familie aus dem brennenden Königsberg in den Westen floh. Dieses Gefährt, »schlicht, aber solide«, begleitet den Autor und seine Mutter auf der Flucht in den Westen, auf einem langen Elendsmarsch von Ostpreußen bis in den oberbayerischen Chiemgau. Auch dort leistet es der wiedervereinten Familie treue Dienste, als Transportmittel für Brennholz und als Gefährt für Hamstertouren. In Köln werden noch einmal Ziegelsteine für einen Hausbau damit transportiert, ehe der Bollerwagen in Garagen und Kellern verschwindet. Das Gefährt wurde dem Autor zum lebenslangen Begleiter. Nun, siebzig Jahre später, erzählt »Der Bollerwagen« die Geschichte dieser Flucht: eine abenteuerliche Reise durch die deutsche Vergangenheit.
Olaf Ihlau, 1942 in Königsberg geboren, promovierte in Sozialwissenschaften. Er war sechzehn Jahre lang Ressortleiter beim »Spiegel«, zuletzt als Auslandschef und ist Autor von Büchern über die politischen Schlüsselregionen Indien, Afghanistan und den Balkan. Heute lebt er in Berlin und mit dem Bollerwagen auf Ibiza.

Olaf Ihlau: Der Bollerwagen – Unsere Flucht aus dem Osten. Siedler Verlag, 2014

Olaf Ihlau: Der Bollerwagen – Unsere Flucht aus dem Osten. Siedler Verlag, 2014
DFF 1965/66; s/w

Columbus 64

3. und 4. Teil
Filmeinführung und Moderation: Paul Werner Wagner

18:00 Uhr | 3.Teil 
Nackenschläge, Zinsen und ein ganz kleiner Koch (69 min) 

19:30 Uhr | 4.Teil 
Guten Tag, Sonne, ich heiße Moritz (79 min)

Der Berliner Journalist Georg Brecher hat von der Zeitung die Nase voll. Aber der Weg als freischaffender Schriftsteller ist finanziell beschwerlich. Brecher übernimmt den Auftrag, eine Reportage über einen Bestarbeiter der Wismut zu schreiben. Hier trifft er den Arbeitsdirektor Sepp Wenig und fängt als Kipperfahrer bei der Wismut an, um das Arbeitsmilieu hautnah zu studieren. Eine folgenschwere Entscheidung... Die Wismut-Szenen des Films wurden 1965 monatelang überwiegend an Originalschauplätzen gedreht. Der zeitweise verbotene vierteilige Fernsehfilm Ulrich Theins hat in Armin Mueller-Stahl einen brillanten Hauptdarsteller und bietet bemerkenswerte schauspielerische Leistungen, auch durch die Wismut-Kumpel. Hervorzuheben ist auch die großartige Kameraführung von Hartwig Strobel. 

Regie: Ulrich Thein; Drehbuch: Ulrich Thein, Hartwig Strobel; Kamera: Hartwig Strobel; Darsteller: Armin Mueller-Stahl, Tery Tordai, Otmar Richter, Günter Grabbert, Lissy Tempelhof, Margitta Hellmann, Peter Dommisch, Erik S. Klein, Reimar J. Bauer, Lothar Bellag, Fred Delmare, Sepp Wenig, Erik Neutsch, Günter Meier, Uli Kahle und viele Wismut-Kumpel 

DEFA 1976, fa, 99 min

Hostess

Gespräch mit Annekatrin Bürger und Jürgen Heinrich | Filmeinführung und Moderation: Paul Werner Wagner

ette, die als Hostess Touristen durch Berlin führt, lebt mit Johannes, einem bodenständigen Automechaniker, zusammen. Er will die Beziehung durch eine Heirat „legalisieren“. Enttäuscht von seiner Gefühllosigkeit flüchtet Jette zu ihrem Bruder Robert. Aber auch Robert steckt in einer Ehekrise und Jettes Arbeitskollegin Conny, die ihr eine Bleibe anbietet, muss mit dem Verlust ihrer ersten Liebe fertig werden. Nach einem Flirt mit ihrem „Ex“ Peter stellt sie fest, dass Johannes der „Traummann“ ist. Und auch Johannes entdeckt neue Gefühle für sie, als er sie verloren glaubt. Schließlich versuchen sie einen Neuanfang. 

Der „film-dienst“ bezeichnete „Hostess“ als „thematisch interessanten Gegenwartsfilm über Probleme in den Partnerschaftsbeziehungen“. Einige offen erotische Szenen sorgten in der DDR für beträchtlichen Publikumszuspruch. Bekannte Musiker der DDR, wie Günther Fischer, die Stern-Combo Meißen und Veronika Fischer sind mit Kompositionen in dem Film zu hören. 

Buch und Regie: Rolf Römer, Kamera: Siegfried Mogel, Musik: Rainer Böhm, Darsteller: Annekatrin Bürger, Jürgen Heinrich, Manfred Karge, Roswitha Marks, Angela Brunner, Michael Gwisdek, Rolf Römer, Berndt Stichler, Wolfgang Dehler, Hertha Thiele, Gerhard Bienert, Fred Delmare

Foto: ©DEFA-Stiftung | Dieter Jaeger
Szenenfoto aus "Hostess"

Theater ohne Publikum

Maria Teresa Sciacca
Einführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Der jüdische Arzt, Kommunist und Autor Friedrich Wolf (1888–1953) wird in den 1920er Jahren mit seinen Zeitstücken zu brisanten Themen bekannt. Kurz nach Hitlers Machtübernahme muss er Deutschland verlassen. Mit dem Exil in der Sowjetunion verändern sich die Bedingungen der literarischen Arbeit: Die aus Deutschland geflüchteten Autoren verlieren in erster Linie ihr Publikum. In dieser Situation entsteht 1933 das Stück Professor Mamlock, das Wolf zum weltweit bekanntesten deutschsprachigen antifaschistischen Theaterautor macht. Durch das tragische Schicksal des Juden Mamlock möchte Wolf die Grundlagen und das Wesen des Faschismus aufzeigen. Aber an wen wendet sich der Dramatiker im Exil? Auf der Suche nach einer Antwort sieht sich Wolf gezwungen, das Drama schon zwischen 1933 und 1935 nach den Forderungen der Ensembles, den Wünschen der neuen Rezipientinnen und der KP mehrfach zu verändern. Steht in der ersten Version von Professor Mamlock noch die ‚Judenfrage‘ im Vordergrund, verändert sich das Drama nach den Wünschen der KP schließlich in eine Tragödie der westlichen Demokratie. Diese und andere Veränderungen im Werk Wolfs, etwa die Hinwendung zu Themen wie dem Mut zum Leben und die Schuldfrage stehen im Zentrum von Maria Teresa Sciaccas  Theater ohne Publikum

 

Foto: Privatarchiv Maria Teresa Sciacca
ISBN-13: 978-3943414615
Portrait von Maria Teresa Sciaccas
Zum 25jährigen Bestehen der Friedrich-Wolf-Gesellschaft

Nachruf auf Lebende. Die Flucht –von Christa Wolf

Jutta Hoffmann liest Christa Wolf | Moderation: Paul Werner Wagner

1971 schreibt Christa Wolf (1929-2011) erstmals sehr persönlich über ein Thema, das sie ihr Leben lang begleitet: Die dramatische Flucht ihrer Familie aus Landsberg an der Warthe im Januar 1945. Aus der Perspektive einer Fünfzehnjährigen beschreibt sie das Trauma und bietet auch ungeschönt Einblicke in das Leben ihrer Familie: Die dominante Mutter als Mittelpunkt der Familie, die das Offensichtliche ignoriert – die beunruhigenden Nachrichten von der Front und die Flüchtlingsströme aus dem Osten. Bis zu jenem Wintermorgen, an dem plötzlich vollgestopfte Säcke im Flur stehen und auch die Mutter begreift, dass ein Bleiben unmöglich ist. Diese Erzählung ist der Auftakt zum späteren Roman Kindheitsmuster, dem autobiografischen Meisterwerk, das zur Weltliteratur gehört.  

Jutta Hoffmann zählte ab Ende der 1960er Jahre zu den bekanntesten Schauspielerinnen der DDR. Grandios spielte sie die Hauptrollen in den Filmen Karla, Kleiner Mann, was nun?, Junge Frau von 1914, Der Dritte, Die Schlüssel, Das Versteck und Geschlossene Gesellschaft. Seit Beginn der 1980er Jahre gehört Jutta Hoffmann zu den bedeutendsten Darstellerinnen im deutschsprachigen Raum.

Buchvover
Eine junge Frau überlebt in Berlin 1940-1945

Untergetaucht

mit Dr. Hermann Simon | Direktor der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum
Moderation: Paul Werner Wagner

„Berlin 1942: Die Verhaftung durch die Gestapo steht unmittelbar bevor. Die junge Marie Jalowicz will leben und taucht unter. Offen und schonungslos schildert Marie Jalowicz, was es heißt, sich Tag für Tag im nationalsozialistischen Deutschland durch­zuschlagen: Sie braucht falsche Papiere, sichere Verstecke und sie braucht Menschen, die ihr helfen. ... Immer wieder retten sie ihr ungewöhnlicher Mut und ihre Schlagfertigkeit – der authentische Bericht einer außergewöhnlichen jungen Frau, deren unbedingter Lebenswille sich durch nichts brechen ließ.“
Der Historiker Dr. Hermann Simon stellt die Geschichte des Überlebens von Frau Prof. Dr. Marie Simon, geborene Jalowicz (1922-1998) – Professorin für Antike Literatur- und Kulturgeschichte an der Humboldt-Universität – vor. Hermann Simon befragte seine Mutter von Dezember 1997 bis kurz vor ihrem Tod im September 1998 zu ihrer Überlebensgeschichte in Berlin in der NS-Zeit. 77 Tonbänder entstanden – sie waren die Grundlage eines einzigartigen Zeitdokuments, das im März 2014 als Buch im S. Fischer Verlag erschien.

DEFA 1999; s/w + fa; 99 min

Die Mauer

Gespräch mit Jürgen Böttcher und Thomas Plenert
Filmeinführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Jürgen Böttcher erhielt für seinen Film „Die Mauer“ 1991 den Europäischen Filmpreis „Felix“ für den besten Dokumentarfilm Europas und 1992 das Filmband in Gold für sein Lebenswerk. Der Filmregisseur, auch als Maler „Strawalde“ bekannt, drehte 1989/1990 seine persönlichen Impressionen von den letzten Tagen der Berliner Mauer. Er zeigt geschichtsträchtige Schauplätze wie den Potsdamer Platz, den Reichstag und das Brandenburger Tor, aber auch stillgelegte unterirdische Bahnhöfe. Die Mauer nutzt er im Moment ihrer Zerstörung als Projektionsfläche für historische Filmzitate, vom Kaiserreich über die NS-Diktatur bis zur Zeit der deutschen Teilung.

Drehbuch und Regie: Jürgen Böttcher; Kamera: Thomas Plenert

Foto: Jürgen Böttcher / Strawalde DEFA-Stiftung | ICESTORM
DEFA 1965/90; 85 min

Berlin um die Ecke

Gespräch mit Dieter Mann und Wolfgang Kohlhaase
Filmeinführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Junge Arbeiter in einem Berliner Metallbetrieb Mitte der 1960er Jahre. Vieles im Betrieb stört sie, doch niemand nimmt ihre Kritik wahr. Auch der alte Meister will nur, dass ordentlich gearbeitet wird. Doch mit ihm können die jungen Kollegen offen reden. Und da gibt es noch die Liebesgeschichte zwischen Olaf und der verheirateten Karin, die sich gerade von ihrem Mann trennt. Der alte Paul Krautmann bricht eines Tages im Betrieb tödlich zusammen. Jetzt tritt ein fanatischer Altkommunist, Redakteur der Betriebszeitung, auf den Plan, der rigide an den Jungen herumkritisiert. Olaf fühlt sich von ihm so gekränkt, dass er ihm eines Abends im Hausflur auflauert und ihn verprügelt. Das wird der Beginn einer ersten Annäherung. Dieser dritte Berlin-Film von Gerhard Klein wurde nach dem 11. Plenum 1965 verboten.
„Mit ‚Berlin um die Ecke‘ wollten Gerhard Klein und Wolfgang Kohlhaase an ihre drei Berlin-Filme der fünfziger Jahre anknüpfen, waren aber der Ecke als Synonym für Treffpunkt der Jungen entwachsen. Zugleich ging es ihnen darum, nun, da das Berliner Alltagsleben nicht mehr von der alles überschattenden offenen Grenze bestimmt wurde, die Konflikte junger Leute zu beschreiben, ihre spezifischen Schwierigkeiten im Leben, in der Arbeit, in der Liebe.“ (Erika Richter)

Regie: Gerhard Klein, Drehbuch: Wolfgang Kohlhaase; Darsteller: Dieter Mann, Monika Gabriel, Erwin Geschonneck, Kaspar Eichel, Kurt Böwe, Harald Warnbrunn

Foto: ©DEFA-Stiftung/Heinz Wenzel
©DEFA-Stiftung/Heinz Wenzel
DFF 1965/66; s/w

Columbus 64

1. und 2. Teil
Filmeinführung und Moderation: Paul Werner Wagner

18.00 Uhr | 1.Teil 
Gestatten, Brecher, Berlin (78 min)
Gespräch mit Armin Mueller-Stahl (angefragt), Otmar Richter und
Dr. Rainer Karlsch  

20.45 Uhr | 2.Teil 
Sepp und all die anderen (71 min) 

Der Berliner Journalist Georg Brecher hat von der Zeitung die Nase voll. Aber der Weg als freischaffender Schriftsteller ist finanziell beschwerlich. Brecher übernimmt den Auftrag, eine Reportage über einen Bestarbeiter der Wismut zu schreiben. Hier trifft er den Arbeitsdirektor Sepp Wenig und fängt als Kipperfahrer bei der Wismut an, um das Arbeitsmilieu hautnah zu studieren. Eine folgenschwere Entscheidung... Die Wismut-Szenen des Films wurden 1965 monatelang überwiegend an Originalschauplätzen gedreht. Der zeitweise verbotene vierteilige Fernsehfilm Ulrich Theins hat in Armin Mueller-Stahl einen brillanten Hauptdarsteller und bietet bemerkenswerte schauspielerische Leistungen, auch durch die Wismut-Kumpel. Hervorzuheben ist auch die großartige Kameraführung von Hartwig Strobel. 

Regie: Ulrich Thein; Drehbuch: Ulrich Thein, Hartwig Strobel; Kamera: Hartwig Strobel; Darsteller: Armin Mueller-Stahl, Tery Tordai, Otmar Richter, Günter Grabbert, Lissy Tempelhof, Margitta Hellmann, Peter Dommisch, Erik S. Klein, Reimar J. Bauer, Lothar Bellag, Fred Delmare, Sepp Wenig, Erik Neutsch, Günter Meier, Uli Kahle und viele Wismut-Kumpel

Konrad Wolfs Kriegstagebuch

und Briefe 1942-1945
Eine Veranstaltung der Max-Lingner-Stiftung in Kooperation mit Helle Panke und Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Gast: Paul Werner Wagner (Herausgeber von Konrad Wolf „Aber ich sah ja selbst, das war der Krieg“ – Kriegstagebuch und Briefe 1942-1945)

Der Filmregisseur Konrad Wolf (1925 – 1982) hat ein außer­gewöhnliches Dokument hinterlassen: sein Kriegstagebuch in russischer Sprache. Die engbeschriebenen Notizbücher blieben unversehrt und vermitteln ungewöhnliche Einblicke in Erleben, Denken und Fühlen ihres Verfassers. Ihr Reiz liegt in der Unbekümmertheit des sehr jungen Schreibers und der Wahrhaftigkeit des Erlebten im harten Kriegsalltag zwischen Schlachtenlärm und Zeiten der Stille, in denen der Tod allgegenwärtig ist. Der Krieg beschleunigt den Prozess des Erwachsenwerdens des Jugendlichen, der sich auf die Suche nach sich selbst macht. 

 

Konrad Wolf – Aber ich sah ja selbst, das war der Krieg: Kriegstagebuch und Briefe 1942 - 1945. Edition „Die Möwe“. ISBN-13: 978-3000505478
Konrad Wolf

„Ich stelle mir die Frage nach dem Sinn“

Zum 10. Todestag von Markus Wolf
Texte von Markus Wolf aus Reden, Briefen, Tagebüchern, Gesprächen und seinen Büchern gelesen von Hans-Dieter Schütt und Paul Werner Wagner

Markus Wolf – langjähriger Chef des Auslandsgeheimdienstes der DDR, Sohn des Schriftstellers Friedrich Wolf und Bruder des Filmregisseurs Konrad Wolf. Er war an prominenter Stelle in die erbarmungslosen Kämpfe, hoffnungsvollen Aufbrüche und bitteren Niederlagen des 20. Jahrhunderts verwickelt. Sein 1989 erschienenes Buch Die Troika, ein Report über drei Emigrantenkinder im Moskau der  Stalin-Zeit, wurde zu einer der erfolgreichsten Publikationen in der späten DDR. 

Am 9. November jährt sich zum zehnten Mal der Todestag von Markus Wolf. Aus diesem Anlass lesen Paul Werner Wagner, Vorsitzender der Friedrich-Wolf-Gesellschaft, und Hans-Dieter Schütt, Autor des Buches  Markus Wolf – Letzte Gespräche, aus Reden, Briefen, Tagebüchern und Büchern von Markus Wolf sowie aus Interviews mit ihm. In einer literarischen Collage lassen sie Stationen seiner Biografie wie auch seine Vorbilder, Freundschaften und geistige Welt lebendig werden. Auch die kulinarische Seite des Abends ist eine Reminiszenz an Markus Wolf. Sein Buch  Geheimnisse der russischen Küche  ist ein Bekenntnis zur Russischen Kultur und Gastfreundschaft. 

Eine Veranstaltung von Friedrich-Wolf-Gesellschaft, Edition  Die Möwe und Café Sibylle.

Foto: Privatarchiv der Familie Wolf
Portrait von Markus Wolf
DEFA 1957, s/w, 81 min

Berlin – Ecke Schönhauser

Gespräch mit Wolfgang Kohlhaase | Einführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Unter dem U-Bahn-Bogen Schönhauser Allee treffen sich regelmäßig halbwüchsige Jungen und ein Mädchen. In groben Unfug ausartende Mutproben lassen sie ihren häuslichen Frust über einen betrunkenen Stiefvater, den störenden Liebhaber der Mutter oder erste kriminelle Entgleisungen vorübergehend vergessen. Karl-Heinz zieht Dieter und Kohle in seine dunklen Geschäfte hinein. Nach vermeintlichem Totschlag fliehen die drei Jungen nach Westberlin. Nur Dieter kehrt zurück und schafft einen ehrlichen Neuanfang ... Der Film zählt zu den erfolgreichsten DEFA-Filmen.

Regie: Gerhard Klein, Drehbuch: Wolfgang Kohlhaase, Kamera: Wolf Göthe, Musik: Günter Klück, Darsteller: Ekkehard Schall, Ilse Pagé, Ernst-Georg Schwill, Harry Engel, Erika Dunkelmann, Helga Göring, Raimund Schelcher, Manfred Borges, Hartmut Reck, Gerhard Rachold, Siegfried Weiß, Maximilian Larsen

Foto: ©DEFA-Stiftung / Siegmar Holstein
Szenenfoto aus dem Berlin – Ecke Schönhauser
Hörspiel 1930, Fassung des DDR-Rundfunks von 1963, 53 min

John D. erobert die Welt

Eine Veranstaltung der Friedrich-Wolf-Gesellschaft, der Stadt Neuwied und der Volkshochschule Neuwied in Kooperation mit dem Deutschen Rundfunkarchiv (DRA).
Einführung und Diskussion: Paul Werner Wagner

Friedrich Wolf (1888-1953) beschreibt den Aufstieg von John D. Rockefeller zum reichsten Mann der Welt und Begründer des weltumspannenden Trusts Standard Oil. Durch gigantische Investitionen ins Ölgeschäft, die effektive Verarbeitung von Nebenprodukten und den Aufbau eigener Transportsysteme verdrängt seine Standard Oil Company zahllose kleinere Firmen aus dem Geschäft und expandiert schließlich nach Europa und China. Zur Durchsetzung seiner Ziele bedient sich Rockefeller solcher Mittel, wie Konspiration, Korruption, Erpressung, Gesetzesumgehung und Manipulation. Wolf wollte in der Zeit der Weltwirtschaftskrise die ökonomischen Folgen des Aufstiegs von Rockefeller für Kleinunternehmer und Mittelschicht verdeutlichen.
Dass sich Friedrich Wolf intensiv mit John D. Rockefeller beschäftigte, mag auch daran gelegen haben, dass dessen Vorfahren ebenfalls aus Neuwied stammen. Im Jahre 1723 wanderte Johann Peter Roggenfeller aus Altwied in die USA aus und ließ sich in Germantown, Pennsylvania, nieder. John D. war direkter ein Nachfahre der Roggenfellers.

Regie: Hans Knötzsch; Sprecher des John D. ist Fred Düren

Geheimnisse der russischen Küche – eine kulinarische Lesung

Mitglieder und Freunde der Friedrich-Wolf-Gesellschaft sind eingeladen zu einer Weihnachtsfeier mit Biss

Tatsächlich war „Es muss nicht immer Kaviar sein“, ein Spionagethriller mit Rezepten, ein Buch, dass Markus Wolf früher großes Vergnügen bereitete. Er hat dann auf seine ganz spezielle Art russische Küche, das wirkliche Leben unter Russen, die kulinarische Meisterschaft seiner Freunde mit Spionagegeschichten gewürzt und die Zutaten in einem Topf als unterhaltsame Lektüre mit Nährwert vereint. Unvergessen die dreifache Ucha, eine von Altgläubigen erlernte Fischsuppe, von Markus Wolf mit Freunden zubereitet und verzehrt, oder der Wettbewerb mit Bruder Konrad Wolf um die besten und kleinsten Pelmeni, nur mit einem Hauch von Nudelteig umhüllt. Darauf einen sauberen Wodka mit knackigem Gürkchen und dem mit Knoblauch gespickten Speck vom Markt auf kräftigem Schwarzbrot.

Dies wird eine Weihnachtsfeier der besonderen Art, auf der Markus Wolf – der 2006 verstorbene Sohn von Friedrich Wolf – noch einmal im Originalton zu hören ist, während kleine, liebevoll zubereitete Kostproben aus der russischen Küche probiert werden können.

Bild: Buch-Cover Markus Wolf: Geheimnisse der russischen Küche
ISBN: 978-3867894685
Eine Veranstaltung der Wilhelm-Fraenger-Gesellschaft e. V., in Kooperation mit der Friedrich-Wolf-Gesellschaft e.V.

Kurt Rittig: SKARABÄUS oder Das Gold im Meer

Roman
Moderation: Paul Werner Wagner

Wie das Genre es verlangt: Am Anfang steht der Mord und am Ende der Mörder. Zwischen beiden aber liegt der Roman als Welt aus Wunsch und Hoffnung, Angst und Gefahr, liegt die Idee des Guten und die Wirklichkeit des Bösen.

Im Fall von „SKARABÄUS oder Das Gold im Meer“ spannt sich diese Welt  durch das Schicksalsjahrhundert der Deutschen bis weit ins Globale, träumt den Traum vom Gold aus dem Meer und entwickelt den Albtraum vom Ende der Humanität.

Dass Nachrichtendienste einander überwachen, macht vordergründig die Aktualität dieses Romans aus. Im Hintergrund aber und über den Tag hinaus gilt darin Kierkegaards  Prinzip der Wiederholung als Gesetz der Welt. Und als Gesetz dieses fein gesponnenen, lakonisch erzählten Romans. 

Eintritt: 5 Euro | ermäßigt 3 Euro

Zur Person Kurt Rittig:  
Jahrgang 1941, ehemaliger Fernsehdirektor im Sender Freies Berlin und im Südwestfunk.
Buchautor: „Der Spendensammler“ (Roman)
Drehbuchautor: „Eine blassblaue Frauenhandschrift“ nach einer Novelle von Franz Werfel, u.v.a.
Produzent: Verfilmung der Tagebücher von Victor Klemperer „Klemperer, ein Leben in Deutschland“ (ARD), "Bonhoeffer - Die letzte Stufe" (ARD), Kinofilm "Luther"  u.v.a.

Foto: Buchcover
Kurt Rittig: Skarabäus oder Das Gold im Meer. Schibri-Vlg, 2014 | ISBN-10: 3868631445
 „SKARABÄUS oder Das Gold im Meer“, Buchcover
DEFA-Dokfilm 1964; s/w; 26 min

Barfuß und ohne Hut

Gespräch mit Jürgen Böttcher und Monika Hildebrand | Moderation: Paul Werner Wagner

Prerow an der Ostsee, Sommer 1964. Jugendliche, im Urlaub, im Wasser und am Strand herumtollend, redend, sich abends um den Gitarristen und Sänger scharend, sich gegenseitig bewundernd, miteinander gehend, sich liebend – da sind Momente reinen Glücks, fast paradiesisch, versammelt. Regie: Jürgen Böttcher; Kamera: Christian Lehmann

 

Foto: DEFA Stiftung | Christian Lehmann
Szenenfoto Barfuß und ohne Hut

Frühlingsfest

Star-Gast: Carmen Maja Antoni

Wir sorgen für eine schöne Atmosphäre in Haus und Garten von Else und Friedrich Wolf und laden Mitglieder, Freunde und Gäste zum traditionellen Frühlingsfest der Friedrich-Wolf-Gesellschaft. Nutzen Sie die Gelegenheit für einen Pfingstausflug mit Ihrer Familie, Freunden und Bekannten.

Besonders freuen wir uns auf die wunderbare und unverwechselbare Carmen Maja Antoni als prominente Gesprächspartnerin von Paul Werner Wagner. Begleitet wird der Nachmittag mit Klezmermusik in der Tradition von Lin Jaldati der Gruppe „manifest“ um Harald Petzold, der unter anderem als Brandenburger im Kulturausschuss des Bundestages für die Linke aktiv ist. 

Programm
14:00 Uhr    
Eröffnung mit Kaffee und Kuchen, Bratwurst und Brätel, Bier und Wein und der Bewirtung durch das Team von Horst Niebel vom Lehnitzer Schweizerhaus.
14:30 Uhr    
Wir freuen uns auf den Leiter der Gruppe „cantaré“, Matthias Nitsche, der mit verschiedenen traditionellen Instrumenten und Gesang lateinamerikanische Musik präsentiert, inspiriert von den Gruppen der Exilchilenen in der DDR.*
15:00 Uhr    
Schauspielerin Carmen Maja Antoni im Gespräch mit Paul Werner Wagner
16:00 Uhr    
Klezmer-Musik mit der Gruppe „manifest“

Im Anschluss Führung durch die Gedenkstätte und Zeit für Gespräche und Freude am Frühling. 

*Die Musik kann leider nicht wie angekündigt Harald Petzold mit der Gruppe „manifest“ übernehmen, da ein Musiker ausgefallen ist. 

Frühlingsfest 2016 in Lehnitz | Gast: Carmen Maja Antoni
UdSSR 1957, fa, 105 min

Der stille Don Teil 1

Gespräch mit Siegfried Kühn (DEFA-Regisseur und Schüler von Sergej Gerassimow) und Prof. Dr. Oksana Bulgakowa (Filmhistorikerin) | Einführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Das berühmte Romanepos Der stille Don von Michail Scholochow gehört seit seinem Erscheinen zur Weltliteratur. Der Schriftsteller erhielt für sein Hauptwerk im Jahr 1965 den Nobelpreis für Literatur. Meister-Regisseur Sergej Gerassimow griff die Geschichte 1957 auf und schuf eines der Monumentalwerke des sowjetisch-russischen Kinos. Der dreiteilige Film schildert in eindrucksvollen Bildern die Geschichte der Don-Kosaken von 1912 bis 1922. Krieg und Bürgerkrieg bestimmen dieses blutige Jahrzehnt. Der Kosak Grigori Melechow aus Tatarsk liebt die verheiratete Bäuerin Axinja, muss aber auf Weisung seines Vaters Natalja ehelichen. Grigori sammelt widersprüchliche Erfahrungen in der Zarenarmee und während der russischen Revolution. Er kämpft sowohl auf der Seite der Rotgardisten als auch auf der Seite der Weißen Armee. Als er sich später für eine Gesinnung entscheidet und Offizier der Weißen wird, muss er das teuer bezahlen. Gesellschaftlich entwurzelt, wird er schließlich zum Spielball der geschichtlichen Kräfte und kehrt völlig desillusioniert in sein Dorf zurück. Dort hat die Sowjetmacht gesiegt.

Drehbuch und Regie: Sergej Gerassimow, Kamera: Wladimir Rappaport, Musik: Juri Lewitin, Darsteller: Pjotr Glebow, Sinaida Kirijenko, Elina Bystrizkaja, Alexander Blagowestow, Daniil Iltschenko, Nikolai Smirnow 

Eine Veranstaltung von Friedrich-Wolf-Gesellschaft und neues deutschland in Kooperation mit dem Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur und GoEast Generationen e.V.

Elmar Faber: Bilanz eines deutschen Verlegers

Gespräch mit Elmar Faber | Moderation: Paul Werner Wagner

Elmar Faber zählt zu den herausragenden deutschen Verlegern. Er wurde 1934 in Thüringen geboren. Faber studierte Germanistik in Leipzig, wo der damalige Dozent Hans Mayer es verstand, ihn für Literatur zu begeistern. Von 1959 bis 1968 war er Redakteur, später Chefredakteur einer wissenschaftlichen Zeitschrift. Seine Berufung sah und sieht er aber im Büchermachen. Als Verlagslektor begann er 1968, zwei Jahre später war er bereits Programmchef, dann folgte 1975 eine Anstellung als Verleger von Edition Leipzig, Verlag für Kunst und Wissenschaft. Von 1983 bis 1992 leitete er den Aufbau-Verlag. Ziel des Verlages war es, anspruchsvolle Literatur zu verlegen. Sein Engagement galt den Autoren der DDR, wie Christoph Hein, Christa Wolf, Erwin Strittmatter, Wolfgang Hilbig und Heiner Müller. Nach dem Ausscheiden aus dem Aufbau-Verlag gründete er den eigenen Verlag Faber & Faber. In seiner Autobiografie Verloren im Paradies zieht er Bilanz. Er wirft einen unverwechselbaren Blick auf fast ein dreiviertel Jahrhundert deutscher Geistesgeschichte.

Foto: © Gaby Waldek, 2013
Elmar Faber, 2013
DEFA 1961; s/w; 70 min

Der Fall Gleiwitz

Gespräch mit Wolfgang Kohlhaase
Filmeinführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Im oberschlesischen Gleiwitz nahe der polnischen Grenze wird von den Nazis in der Nacht vom 31. August zum 1. September 1939 der Überfall auf den deutschen Rundfunksender inszeniert, um vor der Weltöffentlichkeit den Überfall auf Polen zu rechtfertigen. Beauftragt damit ist SS-Hauptsturmführer Naujoks. Polnisch sprechende Volksdeutsche aus einer SSFechtschule spielen die polnischen Angreifer. Ein deutscher KZHäftling, in eine polnische Uniform gesteckt, wird erschossen am Sender zurückgelassen. „Die Schöpfer dieses eindrucksvollen Films knüpfen an den Stil Eisensteins und der attraktiven Bildmontage an. Seit Staudtes ‚Der Untertan‘ gelang ihnen damit der optisch stärkste, seit Konrad Wolfs ‚Sterne‘ geschlossenste und überzeugendste Film der DEFA.“ (H. Kersten)

Regie: Gerhard Klein; Drehbuch: Wolfgang Kohlhaase, Günther Rücker; Kamera: Jan Curik; Darsteller: Hanjo Hasse, Herwart Grosse, Hilmar Thate, Georg Leopold, Wolfgang Kalweit, Rolf Ludwig, Friedrich Richter u. a.

"Zu Kreuze kriechen kann ich nicht"

Walter Janka, die DDR und die Wende: im Gespräch mit Annekatrin Bürger, Dr. Friedrich Wolff, Thomas Grimm und Heike Schneider
Moderation: Paul Werner Wagner

Zwölf Tage vor dem Fall der Mauer, am 28. Oktober 1989, kommen Walter Jankas Memoiren «Schwierigkeiten mit der Wahrheit» im Deutschen Theater in Berlin auf die Bühne – gelesen von Ulrich Mühe. Die Schlange der Wartenden reicht bis zur Friedrichstraße, die Lesung wird mit Lautsprechern auf die Straße übertragen. 25 Jahre danach und aus Anlass eines Erinnerungsbandes zum 100. Geburtstag von Janka werden auch Filmausschnitte von der 1989er Lesung und dem Janka-Porträt von Thomas Grimm zu sehen sein. Außerdem wird aus dem von Heike Schneider herausgegebenen Buch «Walter Janka. Zu Kreuze kriechen kann ich nicht. Erinnerungen und Lebenszeugnisse» (Verlag Berlin-Brandenburg) gelesen.

Eine Veranstaltung von nd und Friedrich-Wolf-Gesellschaft in Kooperation mit dem Deutschen Rundfunkarchiv Babelsberg.

Professor Mamlock

Ensemble „Projektgruppe Ernst Toller"
Leitung: Literaturwissenschaftler Dr. Dirk Krüger

Am 15. April 1945 befreiten Britische Soldaten das Konzentrationslager Bergen-Belsen. Ihnen bot sich ein Bild unvorstellbaren Grauens. Sie treffen auf Berge von Leichen, die nicht mehr verbrannt wurden. Sie treffen auch auf ca. 60.000 überlebende, völlig ausgemergelte Häftlinge. Anne Frank und ihre Schwester Margot waren nicht unter ihnen. Die Befreiung des Todeslagers brachte damit die endgültige und erschütternde Gewissheit: Die Barbaren haben in diesem KZ auch die junge, 16-jährige jüdische Jugendliche, Anne Frank und ihre Schwester Margot, ermordet.

Am Tag der Befreiung des KZ Bergen-Belsen erreichen US-amerikanische Soldaten die Stadt Wuppertal. Damit begann auch die Befreiung unserer Stadt vom Faschismus. Wir gedenken dieser Ereignisse – 70 Jahre danach - mit einer szenischen Lesung des Dramas "Professor Mamlock" des jüdischen Arztes und Schriftstellers Friedrich Wolf

Wir laden dazu besonders Schüler und Studenten ein, denn das ist eine alternative, eine ganz andere Geschichts- und Deutschstunde! Es ist unser Beitrag zur geistigen Auseinandersetzung mit Rassismus, Antisemitismus und Neofaschismus, mit den Vorstellungen solcher Gruppen wie „Pegida“ und „Hogesa“.

Foto: Ausschnitt vom Plakat zur Szenischen Lesung
 Plakat zur Szenischen Lesung
DEFA 1966/1990; s/w; 94 min

Jahrgang 45

Alfred und Lisa – er Automechaniker, sie Krankenschwester – wohnen im Prenzlauer Berg. Nach zweijähriger Ehe ist die Scheidung eingeleitet. Alfred nimmt ein paar Tage Urlaub, lebt ziellos in den Tag hinein und ist doch auf der Suche nach etwas Außergewöhnlichem. Lisa kämpft auch nicht um den Erhalt der Ehe. Alfred wird auch der Urlaub zu eintönig. 
Der Film lässt offen, ob Alfred und Lisa wieder zueinander finden. Nach dem 11. Plenum des ZK wurde „Jahrgang 45“ inhaltlich und künstlerisch in eine Reihe mit den Verbotsfilmen gestellt und nach der Vorführung des Rohschnittes verboten. 
Erst auf der Berlinale 1990 konnte Jürgen Böttchers einziger Spielfilm seinen berechtigten Erfolg feiern.
Regie: Jürgen Böttcher; Drehbuch: Klaus Poche, Jürgen Böttcher; Kamera: Roland Gräf; 
Darsteller: Monika Hildebrand, Rolf Römer, Paul Eichbaum, Holger Mahlich, Gesine Rosenberg, Werner Kanitz

 

Foto: DEFA Stiftung | Waltraut Pathenheimer
Szenenfoto "Jahrgang 45"
DEFA 1980, fa

Alle meine Mädchen

Gespräch mit Iris Gusner und Madeleine Lierck | Filmeinführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Ralf ist Regiestudent und dreht einen Film über eine Frauenbrigade im Berliner NARVA-Werk. Ralf erkennt bald, dass hinter der perfekten Fassade verschiedene Konflikte schwelen. Die junge Kerstin wird von Gewerkschaftsvertrauensmann Anita unterdrückt. Kerstin hat im Gegensatz zu allen anderen ihr Abitur abgelegt, ist wegen Diebstahls vorbestraft und auf Bewährung in der Brigade. Anita wurde von ihrem Freund verlassen, Susi ist aufmüpfig und unpünktlich und Ella hat eine Affäre mit einem verheirateten Mann. Die Situation eskaliert, als Geld abhandenkommt und Kerstin beschuldigt wird. 
Günter Agde schrieb im „Filmspiegel“, dass „insgesamt ein erfreulich vergnüglicher, leise mahnender, sehr ansehenswerter Film“ gelungen sei, der vor allem von der gemeinsamen Schauspielerleistung profitiere. „Keine der Schauspielerinnen ist ein Star, aber keine wäre so gut, wenn nicht die anderen auch gut wären…“ 

Regie: Iris Gusner, Drehbuch: Iris Gusner und Günter Haubold, Szenarium: Gabriele Kotte, Kamera: Günter Haubold, Musik: Baldur Böhme, Darsteller: Lissy Tempelhof, Andrzej Pieczynski, Madeleine Lierck, Monica Bielenstein, Barbara Schnitzler, Viola Schweitzer, Klaus Piontek, Wolfgang Dehler, Fritz Marquardt, Heide Kipp, Jaecki Schwarz, Carmen-Maja Antoni

Foto: ©DEFA-Stiftung | Wolfgang Ebert
Szenenfoto aus "Alle meine Mädchen"

Die Benjamins – eine deutsche Familie

Uwe-Karsten Heye
Einführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Der Erste Weltkrieg, Nationalsozialismus, DDR-Geschichte – in den einzelnen Lebenssträngen der Familie Benjamin spiegelt sich die ganze Wucht des 20. Jahrhunderts wider. Einige von ihnen standen im Rampenlicht, ihr Schatten ließ die anderen Familienmitglieder fast unsichtbar werden. Walter war wohl der berühmteste unter den Benjamins. Jener brillante Philosoph, der mit seiner Sprachskepsis und seinen Abhandlungen über moderne Reproduktionstechniken wie Fotografie bis heute Diskurse prägt. Seine Schwägerin Hilde ist nicht wegzudenken von der politischen Bühne des Kalten Krieges. Sie war in den 50er und 60er Jahren Justizministerin der DDR. Uwe-Karsten Heye versucht hinter die ikonografischen Bilder zu blicken und jeden einzelnen Benjamin einzubetten in ein familiäres Gefüge und in einen historischen Kontext. 

Uwe-Karsten Heye, 1940 in Reichenberg im Sudetenland geboren, war Pressereferent und Redenschreiber von Willy Brandt und von 1998 – 2002 unter Gerhard Schröder Regierungssprecher und leitete als Staatssekretär das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung. Von 2003-2005 war er Generalkonsul in New York und von 2006 – 2010 Chefredakteur der SPD-Zeitung Vorwärts. Uwe-Karsten Heye ist Gründungsmitglied und Vorstandsvorsitzender des Vereins Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland

ISBN-13: 978-3746631776
Buchvover DIE BENJAMINS

Friedrich Wolf und der Antikriegsfilm

Gespräch mit Hans Müncheberg | Moderation: Paul Werner Wagner

Hans Müncheberg wurde 1929 in Templin / Uckermark geboren. Er kam als Zehnjähriger auf die Napola in Potsdam und wurde mit Fünfzehn in einem Kampfeinsatz schwer verwundet. Später Landarbeiter, daneben 1948 Abitur und nach einem Arbeitseinsatz im Formstahl- und Walzwerk Riesa Student der Pädagogik. 1951 Examen. Bis Ende 1952 Dramaturgieassistent im DEFA-Spielfilmstudio. Ab 1953 Dramaturg und Autor beim Deutschen Fernsehfunk / Fernsehen der DDR. Er war an rund 100 Stoffentwicklungen beteiligt und schrieb die Drehbücher für rund 30 Fernsehspiele und Filme. Hans Müncheberg lernte durch die Fernsehverfilmung von Der verschenkte Leutnant den Autor Friedrich Wolf persönlich kennen und schätzen. Auch für die Verfilmung von Lucie und der Angler von Paris schrieb er das Drehbuch. Lesenswert ist sein Erinnerungsbuch Blaues Wunder aus Adlershof.

ISBN: 978-3360009241
Buchcover "Blaues Wunder aus Adlershof"
Diese Veranstaltung muß aus organisatorischen Gründen leider ausfallen und wird für das Jahr 2015 vorbereitet.

Friedrich-Wolf-Tag 2014

Ein Projekt der Friedrich-Wolf-Gesellschaft, der Stadt Neuwied und der Volkshochschule Neuwied.

Es ist eine Lust zu leben

Drei Kapitel von Friedrich Wolf – Arzt und Dichter in Germanien Der Schauspieler Wilfried Wieland Pucher mit einem lebendigen Friedrich-Wolf-Programm

„Die Ärzte sagen, ich sei ein guter Schriftsteller. Die Schriftsteller behaupten, ich sei ein guter Arzt. 
Liebe Freunde, womit habe ich das verdient? ...
Und lernen wir endlich zu leben, wahrhaftig zu leben! Die Heiligkeit des Lebens richtig zu erfassen! Haben wir nicht wie bisher bloß den traurigen Mut zu sterben, sondern den viel größeren Mut zu leben! Das heißt zum wahrhaften menschlichen Leben! ...
Dann wird wie vor 400 Jahren wieder der alte Ruf Ulrich von Hutten an die deutsche Jugend durch die Lande schallen: Blühen mögen die Wissenschaften, blühen mögen die Künste - Es ist eine Lust zu leben! Das Einfache ist das Merkmal der Wahrheit.“ (Friedrich Wolf)

Wilfried Wieland Pucher war Schauspieler in Gera, von 1969 bis 1071 am Hans-Otto-Theater Potsdam und bis 1991 im Schauspielerensemble des Fernsehens der DDR. Mehr als hundert Rollen in Serien, Fernseh- und Spielfilmen, so in „Zur See“ als Dr. Federau und „Die Beunruhigung“ als der Schweigsame. Seit 1990 Gastspiele an verschiedenen Bühnen der Bundesrepublik, Gastrollen in Fernsehserien und -filmen.

Wilfried Wieland Pucher
Dokumentarfilm 1996; 214min

Lange nach der Schlacht

Gespräch mit Regine Kühn und Eduard Schreiber | Einführung und Moderation: Prof. Dr. Frank Hörnigk

Die Langzeitdokumentation „Lange nach der Schlacht“ drehten Regine Kühn und Eduard Schreiber zwischen 1991 und 1994. Ein vielschichtiges Porträt einer Zeit im Umbruch, ihrer Hoffnungen und Enttäuschungen. Über mehrere Jahre dokumentiert Eduard Schreiber zusammen mit Regine Kühn die Präsenz und den Abzug der Sowjetarmee am Militärstandort Altes Lager bei Jüterbog. Ihr langer, leiser, nachdenklicher Film zeigt die Veränderungen: Wo am Anfang noch Jagdflieger über das Gelände donnern und wo die russische Offiziere im deutschen Gasthaus fröhliche Lieder singen, herrscht am Ende Stille. Eine Gruppe russlanddeutscher Übersiedler zieht in die Kasernengebäude ein und legt kleine Gärten an. Parallel erzählt „Lange nach der Schlacht“ vom Wandel des Dorfes und seinen deutschen Bewohnern und von den Schicksalen der Armeeangehörigen, vor allem von denen, die in eine kalte, fremd gewordene Heimat zurückgehen, ihre soziale Stellung und ihren Beruf verlieren, in Lauben und auf verseuchtem Gelände leben. Ideale zerbrechen, Hoffnungen und Pläne schlagen um in Resignation. „Der Staat, der mich nach Deutschland schickte, hat mich betrogen“, sagt ein ehemaliger Offizier.

Regie: Eduard Schreiber, Drehbuch: Regine Kühn, Eduard Schreiber, Kamera: Christian Lehmann

Foto: © Eduard Schreiber
Plakat zum Film Lange nach der Schlacht

Weihnachtsgans-Auguste-Markt

Weihnachtsmarkt in Oranienburg

Bereits zum siebenten Mal ist die widerständige Auguste, Freundin Peterles im Weihnachtsmärchen von Friedrich Wolf, Namensgeberin des Oranienburger Weihnachtsmarktes. Bunt leuchtend strahlt sie vom Balkon des Schlosses und mit Halsband und Leine stolziert sie als Aufforderung für alternative Festmenüs im Strickpulli über den Platz. Auguste gibt es auch als Lese- und Hörvergnügen oder als DEFA-Verfilmung am Stand der Friedrich-Wolf-Gesellschaft. Bummi, der mutige Terrier Friedrich Wolfs, wird als Lehnitzer Draufgänger und treuer Freund im Buch „Bummi und Bolle“ dabei sein, illustriert und signiert von Mirko Wolf, einem Enkel des Autors.

Mitglieder der Friedrich-Wolf-Gesellschaft halten am Stand eine Reihe von Publikationen und Filmen von Friedrich Wolf und seinen Söhnen Markus und Konrad bereit und freuen sich auf jeden Besucher.

Zeichnung zur Weihnachtsgans Auguste

Zeit der Hoffnung – Zeit der Erinnerung

Das geteilte Leben des Dokumentarfilmers Gerhard Scheumann
Moderation: Paul Werner Wagner

Dr. Therese Hörnigk liest das Vorwort aus dem Scheumann-Buch unseres verstorbenen Vorstandsmitgliedes Prof. Dr. Frank Hörnigk.

Gerhard Scheumann (1930-1998) gehört zu den herausragenden Persönlichkeiten einer Medien­öffentlichkeit der DDR, deren Geschichte von Beginn an durch die besonderen Befehlslagen und Machtverhältnisse innerhalb der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) klar vorgegeben war. Als kontinuierlich ausgebautes Propaganda-Instrument war die Staatsnähe auch in den mehr als vier Jahrzehnten SED-Herrschaft immer Ausdruck des alleinigen Führungsanspruchs der Partei.  

Frank Hörnigk: Zeit der Hoffnung – Zeit der Erinnerung: Das geteilte Leben des Dokumentarfilmers Gerhard Scheumann (Forschungen zur DDR-Geschichte. Neue Folge). Verlag: BasisDruck (2016).  

ISBN-13: 978-3861631538

anschließend  Im Feuer bestanden  
(DEFA-Dokfilm, Studio H&S 1978, 75 min) 
Der Dokumentarfilm aus dem Studio H & S rekonstruiert den Militärputsch Pinochets in Santiago de Chile 1973 mit einzigartigem Material.

Gerhard Scheumann

Aufholen, ohne einzuholen!

Ostdeutschlands rastloser Wettlauf 1965 – 2015
Lesung und Gespräch mit Prof. Dr. Jörg Roesler | Einführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Kein Land in Europa ist in den letzten 50 Jahren so durch den Wettbewerb mit seinem Nachbarn geprägt worden wie Ostdeutschland. Immer wieder wurden Strategien entwickelt, die den Lebensstandard des Ostens an den des Westens angleichen oder gar übertrumpfen sollten. Jörg Roesler durchleuchtet, wie sich die ostdeutschen Wirtschaftsverhältnisse unter den jeweils politisch dominierenden Kräften in DDR und BRD entwickelten. Das gern gezeichnete Bild von der bis 1989 ständig gewachsenen Diskrepanz des planwirtschaftlich leistungsschwachen Ostens zum marktwirtschaftlich organisierten Westen, lässt sich nach Roeslers quellengestützter Analyse nicht aufrechterhalten. Er zeigt für das vergangene halbe Jahrhundert die Phasen der Annäherung ebenso wie die der Stagnation und der Auseinanderentwicklung. 

Der Wirtschaftshistoriker Prof. Dr. Jörg Roesler studierte von 1959 bis 1964 Wirtschaftsgeschichte an der Humboldt-Universität Berlin und lehrte dort später als Assistent bzw. Oberassistent am Institut für Wirtschaftsgeschichte. 1968 promovierte er. Von 1974 bis 1991 war Roesler Bereichs- bzw. Abteilungsleiter am Institut für Wirtschaftsgeschichte der Akademie der Wissenschaften der DDR. 1975 folgte die Promotion B zum Dr. sc. oec., 1983 die Berufung zum Professor. 1992 erhielt er eine Gastprofessur an der McGill University in Montreal, 1994/95 eine weitere Gastprofessur in Toronto, Kanada. Im Sommersemester 2006 lehrte er an der Portland State University in den USA. Bis 1995 forschte Roesler als Mitarbeiter am Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam. Jörg Roesler ist Mitglied der Leibniz-Sozietät sowie der Historischen Kommission der Partei Die Linke.

DEFA 1959, fa, 107 min

Verwirrung der Liebe

Zum 80. Geburtstag von Annekathrin Bürger
Gespräch mit Annekathrin Bürger | Einführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Erzählt wird die Liebesgeschichte zweier junger Paare. „Standesgemäß“ geht der Maurer Edy mit der Angestellten Siegi und der Medizinstudent Dieter mit der Kunststudentin Sonja. Auf einem Faschingsball gerät Dieter an Siegi. Ihre frisch-fröhliche, mädchenhafte Art gefällt Dieter. Sonja beobachtet dieses Spiel gelassen, sieht in diesem Intermezzo einen Prüfstein für ihre Beziehung. Während Siegi und Dieter zum Urlaub ans Meer fahren, verliebt sich Sonja in Edy. Die Würfel scheinen gefallen für diese neue Konstellation. Aber als beide Paare vor dem Standesamt stehen...

Es war der letzte Film, den Regisseur Dudow vollständig abdrehte, und der erste Film der DDR, in dem Nacktszenen enthalten waren.

Drehbuch und Regie: Slatan Dudow, Kamera: Helmut Bergmann,
Musik: Wolfgang Hohensee, Gerd Natschinski, Theo Schumann und Günter Hörig,
Darsteller: Annekathrin Bürger, Angelica Domröse, Stefan Lisewski, Willi Schrade, Martin Flörchinger, Friedrich Richter, Erik S. Klein, Hannes Fischer, Gerhard Bienert

Foto: ©DEFA-Stiftung
Szenenfoto mit Annekathrin Bürger und Stefan Lisewski

Peter Ruben

Die soziale Frage in philosophischer Sicht
Moderation: Paul Werner Wagner

Prof. Dr. Peter Ruben, Jahrgang 1933, studierte von 1955-58 (nach Zwangsexmatrikulation drei Jahre Hilfsarbeiter beim Bau des Flughafens Schönefeld) und 1961-63 Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Von 1964 - 1975 war er wissenschaftlicher Assistent, Aspirant und Oberassistent an der HUB mit Promotion und Habilitation. Arbeitete von 1975 - 1991 am Zentralinstitut für Philosophie der Akademie der Wissenschaften der DDR und war ab 1990 der erste und einzige von den Mitarbeitern freigewählte Direktor des Zentralinstituts für Philosophie. 1981 Ausschluss aus der SED, Verbot der Lehrtätigkeit und öffentlicher Auftritte sowie stark eingeschränkte Publikationsmöglichkeiten wegen des Vorwurfs des „Revisionismus“. 1992-93 im Wissenschaftler-Integrationsprogramm und 1994-96 Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fakultät für Kulturwissenschaften der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder. Der Philosoph Peter Ruben zählt zu den originärsten und schärfsten Denkern, die die DDR hervorgebracht hat.

Foto -Ch. Links Verlag
DEFA 1987

Kindheit

Gespräch mit Siegfried Kühn und Carmen Maja Antoni; Filmeinführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Der 9-jährige Alfons erlebt das letzte Kriegsjahr in einem schlesischen Dorf bei seiner phantasiereichen, liebevollen Großmutter und dem eher stillen Großvater. Dieser stirbt nach einem von Alfons verschuldeten Unfall. Als ein Wanderzirkus im Dorf auftaucht, scheint die Großmutter wie von einem Zauber verwandelt, während die Ortsgewaltigen den Zirkusdirektor Nardini fast wie einen Fremdrassigen mit Misstrauen betrachten, weil er sich aller Einordnung entzieht. Das erste nächtliche Gespräch der Großmutter mit dem Zirkusmann wird zur unausgesprochenen Liebeserklärung. Der Junge beobachtet heimlich die nächtlichen Abenteuer mit dem Zirkusmann, doch seine Solidarität siegt über die Eifersucht, als er von einem geplanten Anschlag der Ortsnazis gegen das Liebesnest der beiden hört. Nardini muss fort, aber Großmutter und Enkel verlassen ihr Heimatdorf und folgen ihm in ein neues Leben. Der Film erzählt die autobiografisch gefärbte Geschichte des Regisseurs Siegfried Kühn. Carmen Maja Antoni als Oma-Mutter besticht durch ihre grandiose schauspielerische Leistung. 

Buch und Regie: Siegfried Kühn 
Darsteller: Carmen Maja Antoni, Fritz Marquardt, Helmut Müller-Lankow

Foto: ©DEFA-Stiftung/Eckhardt Hartkopf, Waltraut Pathenheimer
©DEFA-Stiftung/Eckhardt Hartkopf, Waltraut Pathenheimer

Regina Scheer: Machandel  

Gespräch mit Regina Scheer | Einführung und Moderation: Prof. Dr. Frank Hörnigk

Regina Scheer spannt in ihrem beeindruckenden Debütroman den Bogen von den 30er Jahren über den Zweiten Weltkrieg bis zum Fall der Mauer und in die Gegenwart. Sie erzählt von den Anfängen der DDR, als die von Faschismus und Stalinismus geschwächten linken Kräfte hier das bessere Deutschland schaffen wollten, von Erstarrung und Enttäuschung, von dem hoffnungsvollen Aufbruch Ende der 80er Jahre und von zerplatzten Lebensträumen. Ein großer Familien- und Generationen-Roman über die DDR und wie sie unterging. „Machandel“ ist wohl vor allem ein Buch über geplatzte Träume und vergebliche Hoffnungen. Es ist ein sehr wahrhaftiges, ein wunderschönes Buch. 

Regina Scheer studierte von 1968 bis 1973 Theater- und Kulturwissenschaft an der Humboldt Universität in Berlin. Sie war Texterin beim Oktoberklub. Von 1972 bis 1976 arbeitete sie als Redakteurin der FDJ-Studentenzeitung Forum, von 1980 bis 1990 bei der Literaturzeitschrift Temperamente. Seit der Wende arbeitet sie freiberuflich als Publizistin, Historikerin und Herausgeberin. Scheer veröffentlichte mehrere Bücher zur deutsch-jüdischen Geschichte und hat 2014 ihren ersten Roman Machandel vorgelegt, für den sie den Mara-Cassens-Preis erhielt.     

 

Regina Scheer: Machandel. Albrecht Knaus Verlag. 2014

Foto: © Marta Mlejnek
Portrait von Regina Scheer
Lesung und Gespräch mit Hans-Dieter Schütt

Und die Menschen verändern sich

Briefe an Markus Wolf | herausgegeben von A. Wolf und H.-D. Schütt
Begrüßung und Moderation: Paul Werner Wagner

Markus Wolf - sein Name ist Legende und Lektion. Die Legende betrifft einen der erfolgreichsten Akteure der Auslandsaufklärung in Zeiten des Kalten Krieges, und die Lektion, die sein Leben bietet, erzählt von der Härte und Heftigkeit, mit der das 20. Jahrhundert Biografien formte und auf unerwartete Wege lenkte. Markus Wolf (1923 – 2006) erhielt zahllose Briefe. Aus aller Welt. Von Verwandten, Freunden, Mitstreitern, Lesern, Gegnern, respektvollen wie kritischen Beobachtern aller Generationen. Der Sammelband „Und die Menschen verändern sich“ gibt einen spannenden Einblick in die Vielfalt dieser Korrespondenz.

Und die Menschen verändern sich – Briefe an Markus Wolf. Edition „Die Möwe“. ISBN:978-3-00-051782-2
Buchcover Markus Wolf

Sommertagung 2016

Eine Tagung vom Mindener Kreis in Kooperation mit der Friedrich-Wolf-Gesellschaft

Im Juni 1988 trafen sich in Minden ehemalige Angehörige einiger Gruppen der Bündischen Jugend der Nachkriegszeit in den westlichen Besatzungszonen und der späteren Bundesrepublik Deutschland und beschlossen, einen offenen bündischen Älterenkreis zu gründen, den Mindener Kreis. Seitdem lädt der Mindener Kreis jedes Jahr zu einem offenen Treffen an unterschiedlichen Orten ein, auf dem ein jugendhistorisches bzw. zeithistorisches Thema behandelt wird. Die Initiatoren des MINDENER KREISES sahen sich nach 1945 in der Tradition des von Eberhard Koebel (genannt tusk) 1929 gegründeten Jungenbundes dj.1.11 (deutsche jungenschaft vom 1.11.1929). 1995 beschäftigte sich der Mindener Kreis im ehemaligen Pionierlager am Werbellinsee mit dem Thema „Jugend in der SBZ und der DDR“, 1999 in der Moses Mendelssohn Akademie Halberstadt mit dem Thema „Jugendbewegte in der DDR – Friedrich Wolf, Alfred Kurella, Rudi Pallas, Eberhard Koebel“. 

Bis 19:00 Uhr     Anreise anschließend Abendessen 

20:00 Uhr     Eröffnung durch den Vorsitzenden Prof. Dr. Jürgen Reulecke 

20:15 Uhr     Das Zustandekommen des Buchs über das Leben der Lotte Rayß | Vortrag von Prof. Dr.med. Hans-Joachim Seidel 

Hans-Joachim Seidel: Lotte Rayss (1912 - 2008): Eine Stuttgarterin im Gefolge von Friedrich Wolf, Opfer von Verfolgung und Unrecht in zwei Regimen und kurze Zeit die Freundin meines Vaters. Edition Schwarzdruck (2015). ISBN-13: 978-3935194754
Benediktinerkloster Huysburg
DEFA 1986, fa, 85 min

So viele Träume

Gespräch mit Jutte Wachowiak (Hauptdarstellerin) und Peter Ziesche (Kameramann) | Einführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Christine Klüver, leitende Hebamme einer Universitätsklinik, hat einen hohen Orden erhalten. Auf der Heimfahrt im Zug erinnert sie sich an eine bedrückende Kindheit und eine gescheiterte Ehe. Sie begegnet im Speisewagen Claudia, einer jungen Frau, die sich später als ihre vor fast 30 Jahren beim ungeliebten Mann zurückgelassene Tochter zu erkennen gibt und sie anklagt. Die Spannung zwischen Mutter und Tochter eskaliert, als sich Claudia in Christines jungen Freund Ludwig verliebt. Die Auseinandersetzung mündet bei Christine in eine Selbstanalyse – ohne Verklärung und Schutzlügen –, aus der sie mit neuen Träumen hervorgeht.

Heiner Carows Film fragt danach, wie sich Frauen im Alltag emanzipieren könneny in welchem Verhältnis dabei Gewinn und Verlust stehen, was erreichbar ist, was nicht und welche Träume Illusionen bleiben. 

Drehbuch und Regie: Heiner Carow, Szenarium: Wolfram Witt, Kamera: Peter Ziesche, Musik: Stefan Carow, Darsteller: Jutta Wachowiak, Dagmar Manzel, Peter René Lüdicke, Heiko Hehlmann, Gudrun Okras, Christian Grashof, Gerry Wolff, Martin Seifert, Christine Harbort, Jaecki Schwarz

Szenenfoto

Immer sind die Weiber weg ... und Immer sind die Männer schuld

Jörg Gudzuhn liest Stefan Heym
Moderation: Paul Werner Wagner

Stefan Heym hat  Immer sind die Weiber weg und  Immer sind die Männer schuld als Geburtstagsgeschenk für seine Ehefrau Inge geschrieben. Vergnügte, humorvolle und weise Geschichten geben ein ganz neues Bild von Stefan Heym. Es geht um die misslungene Tanzstunde, um ein verlorengegangenes Gebiss und vieles mehr, gewürzt mit Selbstironie und Altersweisheit. Stefan Heym wurde 1913 in Chemnitz geboren, emigrierte, als Hitler an die Macht kam, nach New York und schrieb dort seine ersten Romane. Nach dem Krieg kehrte er nach Europa zurück und fand in der DDR seine neue Heimat. Aber es gab auch dort neue Schwierigkeiten. Er zählt zu den erfolgreichsten Autoren der Deutschen Gegenwartsliteratur.

Jörg Gudzuhn wurde 1945 in Seilershof, Landkreis Ruppin, geboren. Er besuchte die Schauspielschule Ernst Busch in Berlin und war dann in Karl-Marx-Stadt und Potsdam engagiert, später trat er im Maxim-Gorki-Theater in Berlin auf. Ab 1987 war Jörg Gudzuhn festes Ensemble-Mitglied am Deutschen Theater Berlin. Bereits Ende der 1960er war Jörg Gudzuhn im Fernsehen zu sehen. Bekannt ist sein Kommissar Hoffer in der ZDF-Krimiserie Der letzte Zeuge.

Foto: Privatarchiv Jörg Gudzuhn
Jörg Gudzuhn
DEFA 1957; s/w; 74 min

Betrogen bis zum jüngsten Tag

mit Prof. Dr. Frank Hörnigk, Hans-Joachim Martens und Renate Küster
Filmeinführung und Moderation: Paul Werner Wagner

1941 kurz vor dem Überfall auf die Sowjetunion. Die drei deutschen Soldaten Wagner, Lick und Paulun erhalten für gute Schießleistungen Sonderurlaub. An einem See schießen sie auf einen Reiher. Als sie den vermeintlich getroffenen Vogel aufheben wollen, bemerken sie, dass sie die Tochter ihres Hauptmanns tödlich getroffen haben. Lick, Sohn eines SSGenerals, informiert seinen Vater über den Vorfall. Skrupellos trifft dieser Vorkehrungen, seinen Sohn vor Strafe zu bewahren und dabei noch politisches Kapital aus dem Verbrechen zu schlagen. Am Tage des Überfalls auf die Sowjetunion präsentiert SS-General Lick die Leiche des Mädchens vor der gesamten Truppe als Opfer russischer Partisanen. Als Vergeltungsmaßnahme sollen Geiseln erschossen werden. Paulun gesteht dem Hauptmann die Wahrheit. Ein Film nach der Novelle „Kameraden“ von Franz Fühmann.

Regie: Kurt Jung-Alsen; Drehbuch: Kurt Bortfeldt; Kamera: Walter Fehdmer; Darsteller: Rudolf Ulrich, Wolfgang Kieling, Hans-Joachim Martens, Walther Süssenguth, Renate Küster, Peter Kiwitt, Hannes Fischer, Helga Raumer, Erich Brauer

Filmszene DEFA-Stiftung | Max Teschner
Programmänderung! Leider musste Ekkehart Krippendorff als Gast unser Reihe Lehnitzer Lesung und Gespräch aus Krankheitsgründen absagen.

Georg Trakl

Lesung von Gunnar Decker
Paul Werner Wagner im Gespräch mit Gunnar Decker

Wer in der DDR sozialisiert wurde, könnte über Franz Fühmann zu Trakl gekommen sein. Fühmann näherte sich im Essay „Vor Feuerschlünden – Erfahrung mit Georg Trakls Gedicht“ dem Werk des Österreichers autobiografisch und machte den fast vergessenen Dichter seinen Lesern in der DDR bekannt.

Zum 100. Todestag des expressionistischen Dichters Georg Trakl lieferte Gunnar Decker die Biographie eines »unlebbaren Lebens«, erschienen im Deutschen Kunstverlag. Georg Trakl ist unter den deutschsprachigen Schriftstellern des vergangenen Jahrhunderts sicherlich eine der rätselhaftesten Gestalten. Mit gerade einmal 27 Jahren starb der österreichische Dichter, geschwächt von jahrelangem Alkohol- und Drogenkonsum und gebrochen von den Schrecken des Ersten Weltkrieges am 3. November 1914 an den Folgen einer Überdosis Kokain. Gunnar Decker gelingt es geschickt, Trakls Gedichte in dessen Lebensgeschichte einzuflechten und auf diese Weise jene auf den ersten Blick so schwer verständliche Bilder- und Symbolwelt für den Leser greifbar und verständlich zu machen.

Gunnar Decker, promovierter Philosoph, bekannt von Theater- und Kunstkritiken, als Essayist und Autor zahlreicher biografischer Annäherungen, die über ein bloßes Abbild des Porträtierten sensibel, kenntnisreich und kunstvoll und hinausgehen.

Foto: Buchcover
ISBN-10: 3422071776
Gunnar Decker: Georg Trakl
DEFA 1965/90; s/w; 121 min

Das Kaninchen bin ich

Gespräch mit Angelika Waller und Wolfgang Winkler | Einführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Maria Morzeck arbeitet nach dem Abitur als Kellnerin in einem Berliner Tanzcafé. Weil ihr Bruder wegen „staatsgefährdender Hetze“ zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt wird, darf sie nicht studieren. Sie verliebt sich ausgerechnet in den Richter, der ihren Bruder in einem dubiosen Prozess verurteilt hat. Nach und nach entpuppt sich der Richter als skrupelloser Karrierist. Am Ende verlässt ihn Maria. Nach der Haftentlassung des Bruders distanziert sie sich von ihm und will studieren. 

Regie: Kurt Maetzig; Drehbuch: Manfred Bieler, Kurt Maetzig; Kamera: Erich Gusko; Darsteller: Angelika Waller, Alfred Müller,Wolfgang Winkler, Ilse Voigt, Irma Münch, Rudolf Ulrich

Foto: ©DEFA-Stiftung | Jörg Erkens
Szenenfoto aus dem Film "Das Kaninchen bin ich"
DEFA 1971, fa, 90 min

Zeit der Störch
Gespräch mit Heidemarie Wenzel und Regine Kühn Einführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Die junge Lehrerin Susanne will demnächst den Biologen Wolfgang heiraten. Da trifft sie während einer wundervollen Sommerwoche, kurz bevor die Störche in den Süden fliegen, den Bohrarbeiter Christian. Der plumpen Anmache des Draufgängers begegnet sie zunächst abweisend. Doch Christian wird sich durch die Liebe zu Susanne stärker als bisher seiner menschlichen Verantwortung bewusst. So verändern sich die beiden Liebenden und gewinnen auch zu sich selbst ein anderes Verhältnis. Dennoch gehen sie im Streit auseinander. Aber ihre Begegnung hat Spuren hinterlassen. Zurückgekehrt zu Wolfgang, beginnt Susanne, ihre Beziehung in Frage zu stellen und entscheidet sich für Christian. 

Der 1970 gedrehte Farbfilm der DEFA-Gruppe KAG „Roter Kreis“ hatte am 3. September 1971 im Leipziger Kino „Capitol“ Premiere. Der in seinem Grundtenor heitere Film vermittelt in poetischer Weise Grundzüge des damaligen Lebensgefühls. 

Regie: Siegfried Kühn, Drehbuch: Regine Kühn und Siegfried Kühn, Kamera: Erich Gusko, Musik: Hans-Jürgen Wenzel, Darsteller: Heidemarie Wenzel, Winfried Glatzeder, Jürgen Hentsch, Hilmar Baumann, Petra Hintze, Volkmar Kleinert

Foto: Deutsches Rundfunkarchiv Babelsberg/Volker Hedemann
Szenenfoto aus dem Film "Zeit der Störche"

Sommertagung 2016

09:00 Uhr     Frühstück

10:00 Uhr     Die Wolfs: Friedrich Wolf – Markus Wolf – Konrad Wolf 
Einführung von Prof. Dr. Thomas Naumann (Vorstand Friedrich-Wolf-Gesellschaft und jüngster Sohn von Friedrich Wolf)
Verzeiht, dass ich ein Mensch bin. Friedrich Wolf. Fragen an seine Kinder. Erinnerungen von Zeitgenossen (DDR-Dokumentarfilm 1988, 92 min)

11:45     Kaffeepause

12:00     „Die ganze Welt muss neugeboren wern“
Friedrich Wolf und seine Träume vom Messias-Reich     
Vortrag von Prof. Dr. Thomas Naumann

12:45Uhr     Mittagessen
 
14:15 Uhr     Markus Wolf und „Die Troika“
Vortrag von Dr. Christian Ostermann (Woodrow-Wilson-Center Washington)

15:45 Uhr     Kaffeepause 

16:15 Uhr     Konrad Wolf – sein Leben und seine Filme
Vortrag von Regine Sylvester (Autorin)
Fragen an die Referenten

18:30 Uhr     Abendessen
 
20:00 Uhr     Ich war Neunzehn  (DEFA 1968, Regie: Konrad Wolf)

 

Foto: Friedrich Wolf mit seinen Söhnen Markus und Konrad im ersten Emigrationssommer 1933 auf der Île de Bréhat in Frankreich
Friedrich Wolf mit seinen Söhnen Markus und Konrad im ersten Emigrationssommer 1933 auf der Île de Bréhat in Frankreich

Vorweihnachtliche Lesung mit Jennipher Antoni

Adventstimmung im Hause Wolf

Mit Kaffee, Stolle und Glühwein treffen sich Mitglieder und Freunde der Friedrich-Wolf-Gesellschaft im Haus, in dem Friedrich Wolf die Weihnachtsgans Auguste erdachte. Schauspielerin Jennipher Antoni lässt tierische Helden der Literatur lebendig werden, die uns über Generationen begleiten. Gerade die Weihnachtszeit lädt ein, sich um gut erzählte Geschichten zu versammeln.

Jennipher (Jenny) Antoni ist die Tochter von Malte Antoni und der Schauspielerin Carmen-Maja Antoni. Sie kam über das Studium der Japanologie und Russistik zum Schauspielberuf, nachdem sie Frank Beyer entdeckte. Bekannt wurde sie mit der Serie Unser Lehrer Dr. Specht und zahlreichen Rollen in Film- und Fernsehproduktionen sowie ihrer Arbeit im Ensemble des Hans-Otto-Theaters Potsdam. Sie stand auch schon mit ihrer Mutter auf der Bühne, die sie als wunderbaren Gast des Frühlingsfestes der Friedrich-Wolf-Gesellschaft begleitete. 

Foto: Privatarchiv der Familie Wolf
Das Wohnhaus Wolfs in Lehnitz im Winter
UdSSR 1962, s /w, 95 min

Iwans Kindheit

Gespräch mit Prof. Dr. Oksana Bulgakowa | Einführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Am Ufer des Dnjepr wird mitten im Krieg der zwölfjährige Iwan von sowjetischen Truppen aufgegriffen und zu Oberleutnant Galzew gebracht. Iwans Vater ist gefallen, seine Mutter und Schwester wurden von Faschisten ermordet. Der Junge verlangt, den Chef der Aufklärung zu sprechen. Galzew willigt ein und Hauptmann Cholin bestätigt, dass Iwan, der einem deutschen Vernichtungslager entkommen ist, als Kundschafter arbeitet. Cholin will Iwan auf eine Schule schicken, doch Iwan möchte zurück hinter die feindlichen Linien und setzt seinen Willen durch. Aber diesmal kommt Iwan nicht von der Front zurück. Erst zum Kriegsende, nach der Eroberung Berlins, entdecken Cholin und Galzew in einer Gestapo-Dienststelle ein Dokument, aus dem hervorgeht, dass Iwan von den Deutschen gefangengenommen und erschossen worden ist.

Tarkowski lässt die Handlung des Films häufig von Traumszenen unterbrechen. Stimmungen und formale Elemente spielen eine stärkere Rolle als die Entwicklung der Handlung, ein poetisches Element bei Tarkowski. Der Film führte zu einer Kontroverse, in der Jean-Paul Sartre den Film gegen eine Kritik im italienischen kommunistischen Parteiorgan L’Unità verteidigte, in dem Tarkowski eine kleinbürgerliche symbolistische Ästhetik vorgeworfen worden war.

Regie: Alexander Tarkowski, Buch: Michail Papawa, Kamera: Wadim Jussow, Darsteller: Nikolai Burljajew, Walentin Subkow, Jewgeni Scharikow, Stepan Krylow, Nikolai Grinko, Walentina Maljawina

Eine Veranstaltung der Friedrich-Wolf-Gesellschaft in Kooperation mit RUSSISCHES HAUS der Wissenschaft und Kultur, neues deutschland sowie dem Go East Generationen e. V. zum Tag der Befreiung.

Mitgliederversammlung

11:30 Uhr Mitgliederversammlung
13:30 Uhr Imbiss
14:30 Uhr Gespräch mit Klaus Höpcke

Klaus Höpcke

Leseland DDR – ein Mythos?
Moderation: Paul Werner Wagner
Klaus Höpcke, Jahrgang 1933, studierte an der Fakultät für Journalistik der Universität Leipzig. Nach den Stationen als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Karl- Marx-Universität, 1. Sekretär der FDJ-Bezirksleitung Leipzig (1962-64) und Redakteur für Kultur, Kunst und Literatur bei Neues Deutschland (1964-73) war Klaus Höpcke von 1973 bis 1989 stellvertretender Kulturminister und Leiter der Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel. Als „Bücherminister“ setzte er sich immer wieder für die Veröffentlichung von Texten kritischer Autoren wie Erwin Strittmatter, Christa Wolf, Brigitte Reimann, Irmtraut Morgner und Peter Hacks ein. So erhielt er 1985 ein Disziplinarverfahren, weil er die Druckerlaubnis für Volker Brauns „Hinze-Kunze-Roman“ erteilt hatte, Anfang 1989 wurde er wegen seiner Zustimmung zur PEN-Resolution für die Freilassung von Václav Havel erneut gemaßregelt. Von März bis Oktober 1990 war er für die PDS Abgeordneter der Volkskammer, danach bis 1999 Landtagsabgeordneter in Thüringen. Klaus Höpcke war zeitlebens ein politischer Journalist, der sich bis heute als kritischer Zeitgenosse und linker Denker zu Wort meldet.

Foto: Klaus Höpcke Privatfoto
DEFA 19865

Die Abenteuer des Werner Holt

Gespräch mit Manfred Karge und Peter Reusse
Filmeinführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Der Soldat Werner Holt kämpft im Frühjahr 1945 an der zusammenbrechenden Ostfront und hält Rückschau auf sein junges Leben – vor allem auf die Freundschaft mit seinem ehemaligen Klassenkameraden Gilbert Wolzow, der inzwischen zum befehlshabenden Unteroffizier aufgestiegen ist. Einst waren sie fanatische NS-Anhänger, doch Holt, der Zeuge eines SS-Massakers und der Ermordung eines Schulfreundes wurde, zweifelt. Er rettet eine slowakische Frau vor der Hinrichtung, kann sich jedoch noch nicht zum offenen Widerstand entschließen. Zuletzt löst er sich aus seiner Erstarrung und wendet sich gegen seinen Freund. Während Wolzow von der SS an einer Laterne aufgeknüpft wird, erschießt Holt die SS-Männer mit dem Maschinengewehr. 
Der bekannteste Antikriegsfilm der DDR mit Sicht auf die deutsche Seite zeigt als spannende Entwicklungsgeschichte die Konflikte mit der faschistischen Ideologie zwischen Idealen, Gehorsam, Anpassung und Verbrechen. Später werden die Väter von den 68ern mit den Fragen nach Verantwortung und Schuld konfrontiert. Der Film wurde auch in der Bundesrepublik ein Publikumserfolg. 

Regie: Joachim Kunert; Buch: Claus Küchenmeister, Joachim Kunert nach dem Roman von Dieter Noll; Darsteller: Klaus-Peter Thiele, Manfred Karge, Arno Wyzniewski, Peter Reusse, Günter Junghans

Foto: ©DEFA-Stiftung/Waltraut Patenheimer
©DEFA-Stiftung/Waltraut Patenheimer
zum 90. Geburtstag von Konrad Wolf

Der kleine Prinz (DFF 1966/72; 77 min)

nach einer märchenhaften Erzählung von Antoine de Saint-Exupéry Gespräch mit Christel Bodenstein und Angel Wagenstein
Filmeinführung und Moderation: Paul Werner Wagner

zum 90. Geburtstag von Konrad Wolf

Der kleine Prinz erzählt einem Piloten, der mitten in der Wüste abgestürzt ist, von seinen Erlebnissen auf anderen Planeten und von seiner Einsamkeit. Streng stilisierter, in Kulissenlandschaften inszenierter Film, mit dem sich Konrad Wolf auf die Spuren eines existentialistischen Klassikers begibt und zu einer dichten, von ausgezeichneten Darstellern getragenen Annäherung findet. Der Film ist ein Plädoyer für Freundschaft und Menschlichkeit mit feinen politischen Anspielungen. 

Regie: Konrad Wolf; Drehbuch: Angel Wagenstein, Konrad Wolf; Kamera: Günter Marczinkowsky; Darsteller: Christel Bodenstein, Eberhard Esche, Klaus Piontek, Inge Keller, Wolfgang Heinz, Horst Schulze, Fred Düren, Jürgen Holtz

Günter Reisch ... will Regisseur werden

Gespräch mit Dr. Beate Reisch | Moderation: Paul Werner Wagner

Auf dem Abiturzeugnis von 1947 vermerkte der Direktor: „Günter R. will Regisseur werden“. Reisch gehörte zu jener Generation, die blutjung in Hitlers Krieg geschickt wurde und nun mit Lebens- und Schaffenshunger antrat, die Welt zu begreifen und zu gestalten. Sein Weg führte in die Babelsberger Filmstudios. Und dann drehte er Filme: „Ein Lord vom Alexanderplatz“, „Wolz“, „Nelken in Aspik“, „Anton der Zauberer“, „Die Verlobte“ … Filme, die zum Lachen reizten oder zu Tränen rührten, die das Komische nie im luftleeren Raum ansiedelten, die so behutsam wie entschieden einen geschichtlichen Stoff anpackten. Bis zu seinem Tod arbeitete er an seiner Autobiografie, die nicht nur seinen Lebensweg, sondern auch eine Geschichte der DEFA erzählt und nun von seiner Frau Beate Reisch und dem Filmwissenschaftler Peter Warnecke zum Druck befördert wurde. 

Günter Reisch: ... will Regisseur werden: Eine DEFA-Filmkarriere. Verlag: Neues Leben (2015). ISBN-13: 978-3355018333
Buchcover Günter Reisch

Sommertagung 2016

09:00 Uhr     Frühstück
 
10:00 Uhr     Mitgliederbesprechung 

11:00 Uhr     Eröffnung der Ausstellung „Jugendkonzentrationslager“ 

12:30 Uhr     Mittagessen anschließend Abreise

Nach allen Vorträgen ist Gelegenheit zur Aussprache vorgesehen.

Foto: Friedrich Wolf mit seinen Söhnen Markus und Konrad im ersten Emigrationssommer 1933 auf der Île de Bréhat in Frankreich
Friedrich Wolf mit seinen Söhnen Markus und Konrad im ersten Emigrationssommer 1933 auf der Île de Bréhat in Frankreich
DEFA 1987, fa, 90 min

Die Alleinseglerin

Gespräch mit Christina Powileit (Hauptdarstellerin) und Regine Sylvester (Autorin) | Einführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Christine, eine berufstätige alleinerziehende Mutter, muss sich mit der Last eines geerbten alten Segelbootes herumschlagen. Ihr Beruf in einem Forschungsinstitut füllt sie voll aus, so dass für das Boot eigentlich keine Zeit ist. Um im Frühjahr einen Käufer zu finden, investiert sie verbissen im Winter alle freie Zeit, um das alte Boot auf Hochglanz zu bringen, was auf Kosten des beruflichen und des privaten Lebens geht. Als mit Hilfe eines Kumpels alles geschafft ist, kann sie sich von dem Boot nicht mehr trennen.

Es ging uns im Film „um eine vielleicht höhere Form der Emanzipation der Geschlechter, um deren souveränen, gleichberechtigten Umgang miteinander, der so schwer zu leben ist und dessen erstrebenswerten Zustand Marx hat so wunderbar formuliert: ‚Setze den Menschen als Menschen und sein Verhältnis zur Welt als ein menschliches voraus, so kannst du Liebe nur gegen Liebe austauschen, Vertrauen nur gegen Vertrauen …‘“ (Christel Gräf)

Drehbuch und Regie: Herrmann Zschoche, Szenarium: Regine Sylvester nach dem gleichnamigen Roman von Christine Wolter, Dramaturgie: Christel Gräf, Kamera: Günther Jaeuthe und Lothar Marten, 
Musik: Günther Fischer, Darsteller: Christina Powileit, Johanna Schall, Manfred Gorr, Götz Schubert, Monika Lennartz, Gunter Schoß, Achim Wolf, Mathis Schrader, Fred Delmare, Barbara Dittus 

Foto: ©DEFA-Stiftung / Christa Köfer
Szenenfoto

Frühlingsfest

Stargast: Hans-Eckardt Wenzel
Moderation: Paul Werner Wagner

In Haus und Garten von Else und Friedrich Wolf erwarten wir Mitglieder, Freunde und Gäste zum traditionellen Frühlingsfest der Friedrich-Wolf-Gesellschaft. Nutzen Sie die Gelegenheit für einen Ausflug zum Lehnitzsee mit Ihrer Familie, Freunden und Bekannten.

Besonders freuen wir uns auf Hans-Eckardt Wenzel als prominenten Gesprächspartner von Paul Werner Wagner. Wer seine Lieder und Konzerte noch nicht kennt, sollte sich einen Auftrittstermin sichern. Aber Vorsicht – Fans des musikalischen Temperaments, der Poesie und des streitbaren Geistes sind schon immer auf seinen Spuren unterwegs. Bei uns gibt es die Kostprobe zum Genuss.
Begleitet wird der Nachmittag mit Klezmermusik in der Tradition von Lin Jaldati der Gruppe manifest um Harald Petzold, der unter anderem als Brandenburger im Kulturausschuss des Bundestages für die Linke aktiv ist.

Programm
14:00 Uhr  | Eröffnung mit Kaffee und Kuchen, Bratwurst und Brätel, Bier und Wein – Bewirtung durch das Team von Horst Niebel vom Lehnitzer Schweizer Haus  
14:30 Uhr  | Gespräch mit Hans Eckardt Wenzel
15:30 Uhr  | Klezmer-Musik mit der Gruppe manifest Potsdam
Im Anschluss Führung durch die Gedenkstätte und Zeit für Gespräche und Freude am Frühling

Foto: Privatarchiv der Familie Wolf
Haus Lehnitz
Hörspiel; 64 min

S.O.S.... rao rao... Foyn – ‚Krassin‘ rettet ‚Italia‘

Präsentation des Hörspiels von Friedrich Wolf durch Prof. Dr. Thomas Naumann
Kulturbund Dahme-Spreewald e.V. in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Funkerberg und der Friedrich-Wolf-Gesellschaft, in Kooperation mit der Stiftung Deutsches Rundfunkarchiv (DRA)

Mit „S.O.S. … rao rao … Foyn – ‚Krassin‘ rettet ‚Italia‘ “ über die Rettung der verunglückten Nordpolexpedition des italienischen Generals Nobile mit dem Luftschiff Italia gelang Wolf einer der größten Hörspielerfolge der Weimarer Republik. Das Hörspiel wurde am 5.11.1929 vom Deutschlandsender Königs Wusterhausen ausgestrahlt und gilt heute als das älteste vollständig überlieferte Hörspiel in deutscher Sprache. Zum 125. Geburtstag des Dichters wurde vom Deutschen Rundfunkarchiv die Doppel-CD „Friedrich Wolf – der Rundfunkpionier“ mit dem Hörspiel herausgegeben. Der jüngste Sohn von Friedrich Wolf, Prof. Dr. Thomas Naumann, präsentiert eine Wiederaufführung am historischen Sendeort.

Regie: Alfred Braun; Musik: Walter Goehr; Sprecher: Ernst Busch, Karl-Heinz Stroux, Gustav von Wangenheim, Bruno Fritz, Alfred Braun

Zeitungsausschnitt aus dem CD Booklet

70. Jahrestag der Bombardierung von Oranienburg

Eine Veranstaltung der Stadt Oranienburg und der Friedrich-Wolf-Gesellschaft
in Kooperation mit dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) (angefragt) und mit Unterstützung der Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung (angefragt)

Begrüßung durch Hans Joachim Laesicke, Bürgermeister der Stadt Oranienburg 
Kleines Konzert der Kreismusikschule Oberhavel Oranienburg
Filmvorführung:
 Geheimsache Nazi-Uran (RBB 2013, 45 min)
Atomjagd in Brandenburg
Ein Film von Thomas Claus und Maren Schibilsky
Filmeinführung: Thomas Claus

Der Wettlauf um die Atombombe zwischen Amerikanern und Russen hatte seinen Ausgangspunkt in Berlin und Brandenburg. Hier wurde die Kernspaltung entdeckt und bis Kriegsende intensiv an ihrer Nutzung gearbeitet. In Oranienburg wurde dafür Uranmetall aufbereitet, in Berlin-Dahlem und in Gottow bei Kummersdorf mit einfachen Reaktoren experimentiert. Der ungewöhnlich schwere Luftangriff der 8. US-Air-Force am 15.3.1945 auf Oranienburg mit über 4000 Langzeitzünder-Bomben galt dem Zentrum der deutschen Uranaufbereitung in den Auerwerken. Damit hoffte der militärische Leiter des amerikanischen Atombomben-Programms General Leslie Groves, den Russen einen Großteil der deutschen Uranbeute zu entziehen. Da im Frühjahr 1945 bereits feststand, dass die Stadt zur sowjetischen Besatzungszone gehören wird, richtete sich der Bombenangriff in erster Hinsicht gegen die Russen. Im Blick der Amerikaner war bereits der neue Rüstungswettlauf um die Atombombe, bei dem den Russen auf keinen Fall das Uran in die Hände fallen sollte.

Die Bombardierung von Oranienburg und die Folgen bis heute    
Eine Gesprächsrunde mit Dr. Rainer Karlsch (Historiker), Thomas Claus (Dokumentarfilmer) und Hans-Joachim Laesicke (Bürgermeister von Oranienburg)
Moderation: Paul Werner Wagner (Kulturhistoriker) 

Die Stadt Oranienburg leidet bis heute an ihrer Geschichte und hat bis jetzt und in Zukunft mit den Blindgänger-Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg zu kämpfen. Das ist belastend für die Oranienburger Bürger und für die Stadt, die aus ihrem Haushalt erhebliche Mittel für die Entschärfung der Bomben aufbringen muss. Aber nur wer die Geschichte kennt, kann damit umgehen. Und nur wer aus der Geschichte lernt, hat eine Zukunft.

Foto: Bombenetschärfung vom 09.11.2014
Bombenkrater
zum 90. Geburtstag von Konrad Wolf

Aber ich sah ja selbst, das war der Krieg.

Konrad Wolf: Kriegstagebuch und Briefe von der Front 1943 –1945
Eine Veranstaltung des Archivs der Akademie der Künste in Kooperation mit der Friedrich-Wolf-Gesellschaft und der Edition DIE MÖWE

Dr. Torsten Musial und Paul Werner Wagner im Gespräch

Lesung aus Konrad Wolf: Aber ich sah ja selbst, das war der Krieg. 
Kriegstagebuch und Briefe von der Front 1943 – 1945

Konrad Wolf und der Krieg
Podiumsdiskussion mit Wolfgang Kohlhaase, Prof. Dr. Moritz Mebel und Angel Wagenstein

Fremd

Lesung und Gespräch mit Dr. Tatjana Ansbach

Menschen in Not kommen zu uns, sind geflohen, verzweifelt und voller Hoffnung. Wir sind für sie Fremde, sie sind uns fremd. Doch Ängste können durch die Erfahrung von Nähe überwunden werden. Eine Einladung zur Begegnung sind die berührenden und erschütternden Geschichten von Tatjana Ansbach, die von Fremden in diesem Land erzählen, ihren Beweggründen, sich einem überaus schmerzhaften Prozess auszusetzen und den Hürden, die sie auf einem sehr steinigen Behördenweg nehmen müssen, vom Straucheln, vom Fallen, von der Resignation und vom Aufbegehren. Immer wieder ist die menschliche Würde infrage gestellt. 

Dr. Tatjana Ansbach hat viele Jahre als Juristin Erfahrungen im Migrationsrecht und verdichtet reale Schicksale von Menschen, die in die deutsche Fremde aufgebrochen waren, in der Hoffnung bei uns heimisch zu werden und eine lebenswerte Perspektive zu finden. Die kundige Anwältin ist bereit, Fragen zum Asylrecht und zu politischen Hintergründen zu beantworten und zu den Möglichkeiten der Überwindung von Fremdheit ins Gespräch zu kommen.

Dr. Tatjana Ansbach: Fremd. Edition Märkische LebensArt. ISBN-13: 978-3-943614-09-1
Buchcover FREMD

Sieh was ist, frag wie es kam

Vor 50 Jahren starb die Schriftstellerin Inge Müller
An die Dichterin erinnern Dr. Therese Hörnigk und Günther Wolfram

Sie hat Abzählreime, Kinderrevuen, Kurzgeschichten geschrieben und Hörspiele verfasst. An der Seite von Heiner Müller schrieb sie mit an dem Drama „Der Lohndrücker“ und an der Komödie „Die Umsiedlerin“, Stücke, die kulturpolitische Skandale auslösten, verboten wurden, die Autoren bedroht, ausgestoßen…

Mit ihrer umfangreichen, naturverbundenen, bildstarken Lyrik hat sie uns einen bleibenden Wert hinterlassen. 

Fast 10 Jahre lebte Inge Müller in Lehnitz, beteiligte sich am kulturellen Leben in Schule und Kulturhaus, pflegte als Nachbarin in der Waldsiedlung enge Beziehungen zu Else Wolf.

Weihnachtsgans-Auguste-Markt

in Oranienburg | 16.-18.12.

Wieder ist Auguste als Namensgeberin des Oranienburger Weihnachtsmarktes präsent. Immerhin hat sie der Schriftsteller Friedrich Wolf erdacht und am Schreibtisch in seinem Lehnitzer Wohnhaus in einer Geschichte lebendig werden lassen, die heute noch anrührend und anregend in den Familien zu Hause ist. In Oranienburg leuchtet Auguste vom Balkon des Barockschlosses und wird sicher wieder auf der Bühne zwischen den Ständen der Händler und Gastronomen der Region zu finden sein. 

Die Friedrich-Wolf-Gesellschaft bietet Auguste in der schönen Ausgabe des Aufbau-Verlages, als DVD des bekannten DEFA-Filmes oder in verschiedenen Hörvarianten an. Besuchen Sie uns am Stand und schauen Sie nach Buch- und Film-Angeboten, und kommen Sie mit uns ins Gespräch. 

Foto: Privatarchiv der Familie Wolf
Stand auf dem Weihnachtsmarkt Oranienburg

Frühlingsfest

Stargast: Hans-Eckardt Wenzel

Der 1955 in Kropstädt bei Wittenberg geborene Hans-Eckardt Wenzel ist vielen Musikfreunden als Sänger bekannt. Darüber hinaus ist der Musiker auch Regisseur, Schriftsteller, Schauspieler, ein Teil des Duos WENZEL & MENSCHING und Mitbegründer des Liedertheaters Karls ENKEL. Nach dem Abitur studierte Wenzel von 1976 bis 1981 Kulturwissenschaften und Ästhetik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Nach seinem Studium arbeitete er als freischaffender Künstler. Zu diesen freischaffenden Tätigkeiten gehörte auch das Mitwirken am Liedertheater KARLS ENKEL. Außerdem trat er ab 1979 (bis 1999) gemeinsam mit dem Schauspieler, Sänger und Autor Steffen Mensching als Kabarett-Clowns-Duo WENZEL & MENSCHING auf. Am Theater ist Hans-Eckardt Wenzel seit 1987 als Autor und Regisseur tätig. Im DEFA-Film Letztes aus der Da Da eR (1990) spielen Mensching und er die Clowns Weh und Meh. Hans-Eckardt Wenzel ist ein politisch denkender und engagierter Künstler, dessen Herz links schlägt. Die Abende mit Wenzel und seiner Band sind immer wieder ein Erlebnis besonderer Art. Inzwischen ist das vierzigste Album von Wenzel erschienen bei Matrosenblau, im Vertrieb von INDIGO.

Foto: ©Salvadore Brandt
Hans-Eckardt Wenzel

Bastienne Voss

Drei Irre unterm Flachdach
Moderation: Paul Werner Wagner

Bastienne Voss, Jahrgang 1968, die bereits als Fernsehschauspielerin („Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, „Verbotene Liebe“) und am Berliner Kabarett „Distel“ gearbeitet hat, schildert ihre Kindheit und Jugendzeit, die sie mit ihren schrulligen Großeltern in einem Flachdach-Bungalow in der DDR verbringt. Bastienne Voss’ Debütroman bietet einen guten Einblick in den DDR-Alltag der 70er und 80 Jahre. „Zuerst hatte ich einen Großvater, dann eine Großmutter und dann Eltern und alles andere, was so zum Leben gehört. Großvater hatte ein Ding zu laufen. Dass er sich das im KZ weggeholt hatte, wusste ich damals noch nicht. Jedenfalls ließ er an dem Ding, das er zu laufen hatte, alle teilhaben, und so hatte auch Großmutter bald ein Ding zu laufen. Bei mir wuchs das Ding von Jahr zu Jahr, bis es hier und da mein so genanntes Normalverhalten überschattete. In unserer Familie hatten also mindestens drei Leute eine Macke: Opa, Oma und ich. 13 Jahre lang polterte Großvater durch mein Leben. 13 Jahre lang fürchtete ich mich vor dem Tyrannen und Wundertäter, den ich abgöttisch liebte.“

Bastienne Voss: Drei Irre unterm Flachdach. Hoffmann und Campe, 2007

Foto: © Anne Schönharting | Ostkreuz
DEFA 1978

Ich zwing dich zu leben

Gespräch mit Peter Welz und Doris Borkmann
Filmeinführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Deutschland, kurz vor dem Ende des 2. Weltkriegs. In einem kleinen Dorf im Erzgebirge lebt der Lehrer Grübler mit seinem 15 Jahre alten Sohn Wolfgang. In der Schule erzieht der pflichtbewusste Grübler, selbst NSDAP-Mitglied, seine Schüler dazu, sich freiwillig als Soldaten zu melden – doch als sich sein eigener Sohn zur Waffen-SS meldet, ist er schockiert. Durch seine Zweifel zieht er sich den Hass des Sohnes zu: Er hält den Vater für einen Schwächling. In seiner Verzweiflung fesselt und entführt Grübler seinen eigenen Sohn, um sich bis Kriegsende mit ihm in einem Erdloch im Wald zu verstecken. Im Versteck kommt es zwischen Vater und Sohn zu erbitterten Konflikten. Als sie von Nazis entdeckt werden, opfert Grübler sein Leben, um Wolfgang zu retten.
Das Lexikon des Internationalen Films bezeichnete den Film als kammerspielhaften, dichten und schauspielerisch bemerkenswerten Film, der am Beispiel einer zugespitzten Situation zur Auseinandersetzung mit dem Faschismus und falschen Heldenbildern anregen will.

Buch und Regie: Ralf Kirsten; Regieassistenz: Doris Borkmann; Musik: Siegfried Matthus; 
Darsteller: Peter Welz, Rolf Ludwig, Anne-Else Petzold, Robert Pfeiffer, Eberhard Kirchberg, Horst Kotterba

Foto: ©DEFA-Stiftung/Waltraut Patenheimer
©DEFA-Stiftung/Waltraut Patenheimer
zum 90. Geburtstag von Konrad Wolf

Eröffnung der Konrad-Wolf-Tage

im Russichen Haus der Wissenschaft und Kultur - mit Filmen, Lesungen und Gesprächen
Wladimir M. Grinin (Botschafter der Russischen Föderation, angefragt) | Paul Werner Wagner (Vorsitzender der Friedrich-Wolf-Gesellschaft)

Lesung 
Kriegstagebuch und Briefe von Konrad Wolf
Konrad Wolf: Aber ich sah ja selbst, das war der Krieg.
Kriegstagebuch und Briefe von der Front 1943 - 1945 

mit dem Treatment „Heimkehr 45“ und der DVD „Ich war neunzehn“
Herausgeber: Paul Werner Wagner (Broschur 360 Seiten, 19,00 €)
erscheint Oktober 2015 in der Edition »Die Möwe« 

 


Mit freundlicher Unterstützung der GAZPROM Germania GmbH

Foto: © privat
Konrad Wolf bei Dreharbeiten an der Kamera
DFF 1973, fa, 80 min

Rotfuchs

Mit freundlicher Genehmigigung der Stiftung Deutsches Rundfunkarchiv.
Gespräch mit Angelika Waller und Jürgen Zartmann | Einführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Die rothaarige Eva ist Ende Zwanzig, hat einen 12jährigen Sohn und arbeitet als Briefträgerin. Sie hat ein überschäumendes Temperament und ist alles andere als prüde. Aber ihre Männer sucht sie sich selbst aus. Nur leider immer die falschen … Doch dann hat sie sich in den feschen Schiffer Jon verguckt, den auch ihr aufgeweckter kleiner Sohn mag. Evas Träume platzen auch nicht, als sie erfährt, dass ihr Liebster seit Jahren eine andere hat, eine angehende Tierärztin. Sie selbst, einst Sitzenbleiberin, hat nur acht Klassen. Um Jons Ansprüchen zu genügen, nimmt Eva Nachhilfeunterricht, steigt auf die Karriereleiter, nimmt den Kampf gegen die Widersacherin auf. Und hat einen Trumpf: Sie ist von Jon schwanger! 

Der Fernsehfilm kam beim Publikum unglaublich gut an. Und die Eva, verkörpert von der fabel­haften Angelika Waller, gehört zu den stärksten Frauenfiguren in der DDR-Filmgeschichte.

Drehbuch und Regie: Manfred Mosblech, Szenarium: Peter Abraham, Kamera: Günter Eisinger, Musik: Hartmut Behrsing, Darsteller: Angelika Waller, Jürgen Zartmann, Günter Naumann, Norbert Christian, Karin Schröder, Manfred Borges, Ruth Kommerell, Evelyn Opoczynski, Heinz Behrens

Foto: Rundfunkarchiv Babelsberg/Volker Hedemann
Szenenfoto aus dem Film "Rotfuchs"
In Gedenken an Cox Habbema

Wie heiratet man einen König

Abschied von Cox Habbema
Die Schauspielerin, Regisseurin und Intendantin Cox Habbema ist am 18. April 2016 in Amsterdam im Alter von 72 Jahren gestorben. Von 1968 bis Mitte der 1980er Jahre lebte die Niederländerin in der DDR und war 15 Jahre lang am Deutschen Theater engagiert. Bekannt wurde die attraktive Schauspielerin einem breiten Publikum durch zahlreiche DEFA-Spielfilme und TV-Rollen, wie etwa die Märchenfilme „Wie heiratet man einen König?“ (1969) und „Die Regentrude“ (1976), die Filme von Lothar Warneke „Leben mit Uwe“ und „Die unverbesserliche Barbara“. Mit dem bekannten DDR-Schauspieler Eberhard Esche war Habbema zwischenzeitlich verheiratet. Aus Protest gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann kehrte Habbema dann in den 80er-Jahren wieder in ihre Heimat zurück. Auch in den Niederlanden spielte sie zahlreiche Rollen in Film und Fernsehen. Von 1986 bis 1996 war Cox Habbema Direktorin des Amsterdamer Stadttheaters Stadschouwburg.

Wie heiratet man einen König (DEFA 1969, fa, 80 min)
Regie: Rainer Simon; Buch: Günter Kaltofen/Rainer Simon; Kamera: Claus Neumann; Musik: Peter Rabenalt; Darsteller: Cox Habbema, Eberhard Esche, Sigurd Schulz, Hannes Fischer, Peter Dommisch, Jürgen Holtz, Käthe Reichel, Gerd E. Schäfer, Dieter Mann, Lilo Grahn, Gudrun Ritter, Johannes Maus 

Verfilmung des Märchens „Die kluge Bauerntochter“ der Gebrüder Grimm: Ein Bauer und seine Tochter, die vom König ein Stück Land bekommen haben, finden dort eine kostbare Schatulle ohne Deckel. Obwohl die Tochter Bedenken hat, bringt der Bauer sie zum König – und wird in den Kerker geworfen, denn der König wirft ihm vor, den Deckel versteckt zu haben. Um ihren Vater zu befreien, muss die Tochter drei Rätsel lösen. Das meistert sie mit Bravour, und da sie nicht nur klug, sondern auch schön ist, gewinnt sie das Herz des Königs und wird seine Gemahlin. Nun redet sie ein Wörtchen mit, wenn es um Recht und Unrecht gegenüber den Untertanen geht. Doch der in seiner Eitelkeit gekränkte König verweist seine Gemahlin des Schlosses. Er lässt ihr nur noch einen Wunsch: Sie darf vom Schloss mitnehmen, was ihr das Liebste ist. – Am nächsten Morgen erwacht der König in der Stube des Bauern und seiner Tochter. Nun gibt er sich gern geschlagen, und die beiden kehren zurück auf das königliche Schloss.

Erinnern an Cox Habbema
mit Rainer Simon, Prof. Herman van Gunsteren (Amsterdam), Hans-Dieter Schütt und Otto Mellies (angefragt)
Einführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Foto: „Wie heiratet man einen König“, © DEFA-Stiftung/Hans Rudolf Hattop, Wolfgang Reinke
Foto aus dem Film "Wie heiratet man einen König"
DEFA 1973, fa, 105 min

Die Legende von Paul und Paula

Gespräch mit Angelica Domröse und Jürgen Brauer | Einführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Paula, allein erziehende Mutter zweier Kinder, lernt in einem Ostberliner Musiklokal Paul kennen. Paul ist verheiratet, wird aber von seiner Frau betrogen. Die beiden verlieben sich ineinander. Während Paula bereit ist, für das gemeinsame Glück mit allen bürgerlichen Konventionen zu brechen, zögert Paul zunächst seiner Karriere wegen. Bis auch er erkennt, dass er in Paula seine große Liebe gefunden hat ... Die Verfilmung von Heiner Carow war mit etwa drei Millionen Zuschauern ein Kassenschlager. Dem Film drohte ursprünglich ein Aufführungsverbot, bis Erich Honecker persönlich entschied, den Film freizugeben. Gedreht wurde zum großen Teil in der Singerstraße in Berlin-Friedrichshain. Bildlich festgehalten sind die Ausmaße des Stadtumbaus, für den ganze Straßenzüge nach und nach weggesprengt wurden. Regie: Heiner Carow, Drehbuch: Ulrich Plenzdorf, Kamera: Jürgen Brauer, Musik: Peter Gotthardt, Darsteller: Angelica Domröse, Winfried Glatzeder, Heidemarie Wenzel, Fred Delmare, Christian Steyer, Rolf Ludwig, Käthe Reichel

Foto: ©DEFA-Stiftung / Herbert Kroiss, Manfred Damm
Szenenfoto aus dem Film PAUL UND PAULA
DEFA 1983, fa, 89 min

Insel der Schwäne

Gespräch mit Hermann Zschoche | Einführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Der vierzehnjährige Stefan kommt aus einem beschaulichen Dorf in das Neubaugebiet Berlin-Marzahn, wo sein Vater als Bauarbeiter tätig ist. Es wird gezeigt, wie sich dadurch Stefans Spektrum an sozialen Erfahrungen und Regeln erweitert. Er lernt den ängstlichen Hubert kennen und stößt auf „Windjacke“, der hinter seiner Jovialität gegenüber Erwachsenen seine schikanöse „Politik der Stärke und Erpressung“ Jüngeren gegenüber versteckt. Und er gerät zwischen zwei Mädchen, für die der „Kampf um den Jungen“ eine Frage des Sozialprestiges ist ... In der DDR-Presse hagelte es nach der Filmpremiere heftigste politisch motivierte Kritik.

Regie: Hermann Zschoche, Drehbuch: Ulrich Plenzdorf nach dem gleichnamigen Roman von Benno Pludra, Kamera: Günter Jaeuthe, Musik: Peter Gotthardt, Darsteller: Axel Bunke, Sven Martinek, Britt Baumann, Kerstin Reiseck, Ursula Werner, Christian Grashof, Monika Lennartz, Dietrich Körner, Heidemarie Wenzel

Foto: ©DEFA-Stiftung / Waltraut Pathenheimer
Szenenfoto aus "Insel der Schwäne"
DEFA 1950; 88 min

Bürgermeister Anna

Nach einem Drehbuch von Friedrich Wolf
Filmeinführung und Diskussion: Paul Werner Wagner

Erstmalig nach dem Zweiten Weltkrieg wird eine junge Frau im Dorf Bürgermeisterin. Anna macht ihre Arbeit gut, hat aber ihren Vorgänger, den Großbauern Lehmkuhl, zum Feind. Auch ihr Freund Jupp, der sie heiraten will, erweist sich nicht gerade als Unterstützer. Er will nicht akzeptieren, dass seine künftige Frau ein solches Amt ausübt. Lehmkuhl intrigiert immer offener gegen Anna, die unbedingt einen noch ungenehmigten Schulbau durchsetzen will. Als Lehmkuhl damit scheitert, setzt er vor Wut die Schule in Brand. Jupp erkennt die Intrige und beginnt Anna zu akzeptieren. Friedrichs Wolfs Komödie beschreibt mit der Emanzipation des Mädchens Anna den Aufbau der neuen Gesellschaft im Osten Deutschlands. Pralle und manchmal skurrile Volksfi guren beherrschen die Szene; der Dialog ist ebenso handgreifl ich wie witzig und substantiell.

Regie: Hans Müller; Drehbuch: Richard Nicolas nach Friedrich Wolf; Kamera: Robert Baberske; Darsteller: Eva Rimkus, Reinhard Kolldehoff, Arno Paulsen, Lutz Moik, Steffi e Spira, Edith Hancke

Bild: Filmplakat (1950)

Wenn Du jetzt bei mir wärst

Eine Annäherung an Anne Frank
Schriftstellerin Waltraut Lewin im Gespräch mit Christel Berger

Die bewegendsten Gestalten der Geschichten können durch ihre Symbolkraft zu Ikonen erstarren, die kaum noch Nähe erlauben. Waltraut Lewin gelingt es in ihren Romanen, Figuren der Geschichte den Atem des Menschlichen einzuhauchen, sie in einen intimen Dialog mit dem Leser einzubringen. Im vergangenen Jahr erschien ihr großer Luther-Roman „Feuer“, der den anderen Luther hinter der Lichtgestalt kräftig hervorscheinen lässt. In diesem Jahr erscheint ein spannendes Experiment, mit der sie das im KZ Bergen Belsen ermordete jüdische Mädchen Anne Frank aus dem Lesestoff der Schulen in unsere heutige Welt holt – von Israel bis in das heutige Deutschland mit Rechtsradikalen auf den Straßen und Menschen, die sich ihnen entgegenstellen.

Christel Berger wählte für ihrer Geschichte der Sektion Literatur „Als Magd im Dichterolymp“ Waltraud Lewin, die dieser imposanten Instanz in der Wendezeit vorstand, für eine Porträtzeichnung der Autorin und Freundin. Ein Gespräch über die Geschichten in der Geschichte, das Menschengemachte und über … was wäre wenn …

Waltrau Lewin: Wenn Du jetzt bei mir wärst; cbj Verlag, 2015

Wenn Du jetzt bei mir wärst
zum 90. Geburtstag von Konrad Wolf

Ich war neunzehn (DEFA 1968; s/w; 115 min)

Begrüßung durch den Direktor des Russischen Hauses für Wissenschaft und Kultur, Botschaftsrat Oleg Ksenofontov
Gespräch mit Jaecki Schwarz und Galina Polskich | Filmeinführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Gregor Hecker war als Kind mit seinen Eltern in die Sowjetunion emigriert. Im April 1945 kehrt er als 19-Jähriger mit der Roten Armee nach Deutschland zurück. Es fällt ihm schwer, die Deutschen als seine Landsleute zu betrachten. Nur langsam reift die Erkenntnis, dass nicht alle Deutschen schuldig waren und dass man nur mit ihnen gemeinsam ein friedliches Deutschland aufbauen kann. Konrad Wolfs persönlichster Film. „Es ist in erster Linie ein Film über menschliches Verhalten, Denken in jener Zeit, sehr subtil, genau beobachtet, sich über viele Details vermittelnd und atmosphärisch dicht sowie emotional eindringlich – so entsteht ein plastisches Mosaik jener letzten Kriegstage.“

Regie: Konrad Wolf; Drehbuch: Wolfgang Kohlhaase; Konrad Wolf; Kamera: Werner Bergmann; Darsteller: Jaecki Schwarz, Jenny Gröllmann, Wassili Liwanow, Alexej Ejboshenko, Galina Polskich, Rolf Hoppe, Dieter Mann, Jürgen Hentsch

 

 
Mit freundlicher Unterstützung der GAZPROM Germania GmbH

Foto: ©DEFA-Stiftung | Werner Bergmann
Szenenfoto aus dem Film "Ich war neunzehn"

Gefangen im Kinderland

Lesung mit Lina Ahrend
Einführung und Moderation: Paul Werner Wagner

„Es gibt Situationen im Leben, Erlebnisse, die so gravierend sind, als habe man einen Stromschlag bekommen.“ Cora wächst mit einem alkoholkranken Vater und einer überfürsorglichen Mutter auf. Selbst jung Mutter geworden, findet sich Cora auf der Suche nach Zuwendung in einer Ehe mit einem jähzornigen und gewalttätigen Partner wieder. Auch die zweite Ehe wird von einem dunklen Geheimnis überschattet. Eine Therapie soll ihr nach diesen Erlebnissen helfen, wieder Vertrauen aufzubauen. Dann lernt sie in einer Silvesternacht Georg kennen … Emotional, vielschichtig und mitreißend wird der Lebensweg Coras erzählt, die sich trotz aller Widerstände immer wieder zurück ins Leben kämpft.

Lina Ahrend ist ein Pseudonym. Die gelernte Sozialarbeiterin war über Jahre als systemische Familientherapeutin tätig. Die Autorin lebt heute mit ihrem Mann im Berliner Umland. Bereits seit ihrer Jugend verfasst Lina Ahrend Lyrik und kurze Prosatexte, von denen bereits mehrere in Zeitschriften und Online-Publikationen veröffentlicht wurden. „Gefangen im Kinderland“ ist ihr erster Roman.

Lina Ahrend: Gefangen im Kinderland. MEDU VERLAG (2015). ISBN-13: 978-3944948492
Buchvover KINDERLAND
nd-Filmclub special

Die Kraniche ziehen

In Gedenken an den 75. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion
Einführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Die Kraniche ziehen (UdSSR 1957, s/w, 91 min)
Der Film beginnt 1941 in Moskau, kurz vor dem Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion. Boris und Weronika sind ein Liebespaar, sie lässt sich von ihm „Eichhörnchen“ nennen und die beiden beobachten den Zug der Kraniche über der Stadt. Nach dem Ausbruch des Krieges meldet sich Boris freiwillig zur Front und wird am Tag vor Weronikas Geburtstag eingezogen. Ihr gelingt es nicht, sich von ihm zu verabschieden, und Boris kann ihr nur sein Geburtstagsgeschenk, ein Spielzeug-Eichhörnchen, hinterlassen. Bei einem Bombenangriff werden Weronikas Eltern getötet, und an der Stelle ihrer Wohnung klafft nur noch ein Loch. Weronika wird von Boris’ Familie aufgenommen. Boris’ Vater Fjodor Iwanowitsch ist Arzt, außerdem leben noch Boris’ Schwester Irina, sein Cousin, der Pianist Mark, und die Großmutter in der Wohnung. Mark war schon immer in Weronika verliebt und nutzt die Abwesenheit von Boris, um Weronika während eines Bombenangriffs zu vergewaltigen. Sie willigt ein, ihn zu heiraten. Währenddessen fällt Boris an der Front, nachdem er seinen verwundeten Kameraden Wolodja gerettet hat. Weronika erfährt aber nichts von seinem Tod und hält ihn weiterhin für vermisst. Die Familie wird nach Sibirien evakuiert; Fjodor Iwanowitsch leitet dort ein Lazarett, in dem auch Irina und Weronika arbeiten. Weronika spricht mit der Geschichtslehrerin Anna Michailowna über ihren verlorenen Lebensmut. Als sie im Lazarett den Schmerz eines Verwundeten über seine Verlobte miterlebt, die in seiner Abwesenheit einen anderen geheiratet hat, will Weronika sich umbringen, rettet aber stattdessen zufällig einen kleinen Jungen vor einem Verkehrsunfall. Er heißt Boris („Borja“) und sie nimmt ihn bei sich auf. Als Tschernow, der Leiter der Philharmonie, Fjodor Iwanowitsch um einen Gefallen bitten will, stellt sich heraus, dass Mark nur aufgrund einer Schmiergeldzahlung an Tschernow vom Fronteinsatz freigestellt worden war. Sein Onkel wirft ihn daraufhin aus dem Haus, bittet aber Weronika zu bleiben. Der von Boris gerettete Wolodja taucht auf, doch Weronika ist nicht überzeugt, dass Boris wirklich tot ist. Erst als Weronika bei der Siegesparade nach dem Krieg Boris’ Freund und Frontkameraden Stepan wiedertrifft, kann sie Boris’ Tod akzeptieren. Die für Boris mitgebrachten Blumen verteilt sie an zurückgekehrte Soldaten. 

Regie: Michail Kalatosow; Drehbuch: Viktor Rosow; Kamera: Sergei Urussewski; Musik: Moissei Wainberg; Darsteller: Tatjana Samoilowa, Alexej Batalow, Wassili Merkurjew, Alexander Schworin, Swetlana Charitonowa, Walentin Subkow
Der sowjetische Spielfilm „Die Kraniche ziehen“ gewann 1958 bei den Filmfestspielen in Cannes die GOLDENE PALME.

Gespräch mit Prof. Dr. Oksana Bulgakowa (Professorin für Filmgeschichte und Filmanalyse an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz) und Andrej B. Sivov (Militärattaché der Botschaft der Russischen Föderation) 

Eintritt: 5 Euro, ermäßigt 4 Euro

Foto: Andreas Köckeritz / pixelio

Ich habe nie aufgegeben!

Gespräch mit Prof. Dr. Moritz Mebel |  Moderation: Paul Werner Wagner

Prof. Dr. Moritz Mebel, Jahrgang 1923, gehörte zu den international anerkanntesten Medizinern der DDR. Der Name des Urologen ist wesentlich mit der Entwicklung der Nierentransplantation in den Berliner Krankenhäusern Friedrichshain und Charité verbunden. Seine Biografie widerspiegelt in exemplarischer Weise Aufbrüche und Brüche des 20. Jahrhunderts. Der jüdische Junge floh Anfang der dreißiger Jahre mit seiner Familie nach Moskau. Dort besuchte er die Karl-Liebknecht-Schule, begann ein Medizinstudium und meldete sich nach dem Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion im Oktober 1941 freiwillig in ein Arbeiterbataillon zur Verteidigung Moskaus. Als Angehöriger der Roten Armee kämpfte er bis zum Ende des Krieges gegen Deutsche und Japaner. 1945 bis 1947 stand er im Dienst der SMAD im Regierungsbezirk Halle-Merseburg. Danach setzte er sein Medizinstudium in Moskau fort. Ab 1958 lebte und arbeitete er in der DDR. Moritz Mebel, ein enger Freund der Familie Wolf, hat sein Leben lang für eine sozial gerechtere Welt gekämpft.

Foto: Privatarchiv der Familie Wol
Portrait von Moritz Mebel

Luther im Spiegel: von Lessing bis Thomas Mann

Lesung und Gespräch mit Friedrich Dieckmann
Einführung und Moderation: Paul Werner Wagner

In Luthers Namen nimmt der renommierte Publizist Friedrich Dieckmann seine Leser mit auf Streifzüge durch die deutsche Literatur, schließlich geht er der Frage nach, welche Rolle Luther und dessen Schriften in Leben und Werk der deutschen Dichter und Denker spielt. Ein wirkungsgeschichtliches Kaleidoskop ersteht, das viele Facetten des Lutherschen Wirkens – literarische, politische, philosophische und theologische – in Sicht bringt.

Friedrich Dieckmann, geboren am 25. Mai 1937, wuchs in Dresden auf, übersiedelte 1951 mit seinen Eltern nach Birkenwerder und besuchte die Oberschule in Oranienburg. Dieckmann studierte in Leipzig Germanistik, Philosophie und Physik. Seit 1963 ist er freischaffend als Kritiker und Essayist tätig. Friedrich Dieckmann ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt, der Sächsischen Akademie der Künste und der Berliner Akademie der Künste.

Friedrich Dieckmann: Luther im Spiegel. Von Lessing bis Thomas Mann. Quintus-Verlag, 2016

ISBN-10: 3945256763
Buchcover "Luther im Spiegel: von Lessing bis Thomas Mann"
DEFA 1990 ; 97 min

Die Architekten

Gespräch mit Peter Kahane und Rita Feldmeier (angefragt)
Filmeinführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Der Film erzählt die Geschichte eines Projekts: Junge Architekten sollen für ein riesiges Neubaugebiet ein gesellschaftliches Zentrum entwerfen. Für alle ist es nach Jahren der Routine die erste wirkliche Chance. Daniel hat sich diese Truppe, ehemalige Studienfreunde, selbst zusammensuchen dürfen – wie die glorreichen Sieben. Kino, vietnamesisches Restaurant, Eisdiele, Ecken zum Rumlungern, begrünte Dächer, Zusammenspiel von Natur und Kunst – sie denken sich eine menschenfreundliche Gegend aus. Die wird so nie ausprobiert werden. Nur ein Torso bleibt übrig – ohne die fröhliche Phantasie. Aus runden und achteckigen Entwürfen werden wieder Vierecke, die Kastration betrifft Wesentliches. Ein Film über den nahenden Untergang der DDR.

Regie: Peter Kahane; Szenarium: Thomas Knauf; Kamera: Andreas Höfer; Darsteller: Kurt Naumann, Rita Feldmeier, Jürgen Watzke, Ute Lubosch, Christoph Engel u. a.

Bild: Filmszene mit Kurt Naumann DEFA-Stiftung | Christa Köfer
D 1984

Kolp

Gespräch mit Frank Röth und Katja Flint (angefragt)
Filmeinführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Ein Dorf im Odenwald, kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Eine Gruppe von Gymnasiasten macht bis zur Währungsreform glänzende Geschäfte mit gestohlenem Material der US-Armee. Dann aber tappen sie in eine Falle der Behörden – mit der Folge, dass der Anführer der Clique aus Verzweiflung Selbstmord begeht. 
Der Film basiert auf einer wahren Begebenheit, die sich in der unmittelbaren Nachkriegszeit in der Odenwälder Heimat des Produzenten und Drehbuchautors Frank Röth zugetragen hat. Der junge Schauspieler Frank Röth entschließt sich, den Film, „mangels interessanter Angebote für Schauspieler“ selbst zu inszenieren. Von seinem Großvater erhielt er einen Kredit, welcher hierfür sein Haus mit einer Hypothek belastete. Die übrigen Rollen besetzte er mit seinen damals noch unbekannten Münchner Schauspielkollegen Katja Flint, Heiner Lauterbach und Ottfried Fischer

Regie: Roland Suso Richter; Drehbuch: Frank Röth; Darsteller: Frank Röth, Ottfried Fischer, Heiner Lauterbach, Katja Flint, Charles M. Huber

zum 90. Geburtstag von Konrad Wolf

STERNE (DEFA 1959; s/w; 92 min)

Begrüßung durch den Direktor des Russischen Hauses für Wissenschaft und Kultur, Botschaftsrat Oleg Ksenofontov
Gespräch mit Angel Wagensteimn | Filmeinführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Drei Tage im Jahr 1943: Wehrmachtsunteroffizier Walter, früher als Künstler tätig und nun in einer bulgarischen Stadt stationiert, trifft auf die griechische Jüdin Ruth. Zusammen mit anderen Juden soll sie nach Auschwitz deportiert werden. Aus Desinteresse entwickelt sich bei Walter eine Einsicht über die deutschen Verbrechen, denen er dient und deren Opfer Ruth zu werden droht. Zwischen beiden entsteht eine leise, aber hoffnungslose Liebe... Konrad Wolfs Film wurde auf den Filmfestivals in Edinburgh, Wien und Cannes ausgezeichnet. Das in Co-Produktion mit Bulgarien entstandene Werk, eine aufrüttelnde Darstellung individueller Verantwortung in einem menschenverachtenden Krieg, konnte in Cannes aufgrund bundesdeutscher Proteste nur als bulgarischer Beitrag gezeigt werden. Ein Film über individuelle Verantwortung, die auch zur politischen Haltung führt.

Regie: Konrad Wolf, Drehbuch: Angel Wagenstein; Kamera: Werner Bergmann; Darsteller: Jürgen Frohriep, Erik S. Klein, Sascha Kruscharska, Hanjo Hasse 

 

Bild zeigt: Logo GAZPROM Germania GmbH
Mit freundlicher Unterstützung der GAZPROM Germania GmbH

Foto: ©DEFA-Stiftung
Szenenfoto aus dem Film "Sterne"
DEFA 1972, fa, 111 min

Der Dritte

Gespräch mit Jutta Hoffmann und Regine Sylvester | Einführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Margit ist 36 Jahre, war zweimal verheiratet, hat aus jeder Ehe ein Kind. Sie hat studiert, arbeitet als Mathematikerin, sorgt für ihre beiden Kinder. In Rückblenden wird ihre Lebensgeschichte erzählt: Diakonissenschule, Arbeiter- und Bauern-Fakultät, Liebesverhältnis zu ihrem Dozenten, erste Schwangerschaft, gescheiterte Beziehung. Ihr zweiter Mann, ein blinder Musiker, kommt weder mit sich noch mit nun zwei Kindern zurecht. Margit entdeckt schließlich einen Dritten, Hrdlitschka, der sie aber nicht bemerkt. Da beschließt Margit, offensiv zu werden und, gegen alle Konvention, Hrdlitschka anzusprechen und nicht mehr loszulassen. 

Der Film führte zu einer regen öffentlichen Diskussion um die Lage und Rolle der Frau in der DDR. Die Offenheit einzelner Szenen wurde kritisiert, so ein Abtreibungsversuch und eine Szene mit „latent lesbischen Liebkosungen“. Jutta Hoffmann erhielt 1972 in Venedig den Preis Venezia Critica, der Film in Karlovy Vary  den Hauptpreis. 

Drehbuch und Regie: Egon Günther, Szenarium: Günther Rücker nach „Unter den Bäumen regnet es zweimal“ von Eberhard Panitz, Kamera: Erich Gusko, Musik: Karl-Ernst Sasse, Darsteller: Jutta Hoffmann, Rolf Ludwig, Barbara Dittus, Armin Mueller-Stahl, Peter Köhnke, Christine Schorn, Erika Pelikowsky

Foto: ©DEFA-Stiftung | Ingo Raatzke, Heinz Wenzel
Szenenfoto aus "Der Dritte"
DEFA 1960, s /w, 87 min

Fünf Patronenhülsen

Zum 80. Jahrestag des Spanischen Bürgerkrieges
Gespräch mit Ernst-Georg Schwill (Darsteller) und Dr. Werner Abel (Historiker) | Begrüßung und Moderation: Paul Werner Wagner

Spanischer Bürgerkrieg 1936. Der deutsche Kommandeur Wittig von den Internationalen Brigaden soll den Rückzug seines Bataillons durch die feindlichen Linien decken. Schwer verwundet übergibt er seinen fünf Kameraden eine wichtige Meldung, die er zur Sicherheit in fünf Patronenhülsen aufteilt. Einzig Pierre, der Franzose, kann die sengende Hitze der Sierra nicht mehr ertragen. Als er die Deckung verlässt, um an einem Brunnen zu trinken, wird er von einer feindlichen Kugel tödlich getroffen. Die anderen erreichen ihr Ziel. Die wichtige Meldung ihres Kommandeurs lautete: „Haltet zusammen!“ 

Meisterregisseur Frank Beyer wartet mit Stars auf, die sich am Anfang ihrer Karriere befanden. Nicht die politische Gesinnung seiner Figuren ist ihm wichtig, sondern die Bewährungssituation, in die Menschen unter extremen Bedingungen geraten. Alfred Hirschmeier, renommierter Bühnenbildner der DEFA, entwarf für Fünf Patronenhülsen ein optisches Drehbuch. 

Regie: Frank Beyer, Drehbuch: Walter Gorrish, Kamera: Günter Marczinkowsky, 
Musik: Joachim Werzlau, Gesang: Ernst Busch, Darsteller: Erwin Geschonneck, Manfred Krug, Ulrich Thein, Armin Mueller-Stahl, Ernst-Georg Schwill, Edwin Marian, Günter Naumann

Foto: ©DEFA-Stiftung / Eberhard Dassdorf
Szenenbild aus FÜNF PATRONEN

Kulturwissenschaft in der DDR

Gespräch mit Prof. Dr. Dietrich Mühlberg | Moderation: Paul Werner Wagner

1963 eröffnete die Humboldt-Universität zu Berlin am Institut für Philosophie den Diplomstudiengang Kulturwissenschaft. Er vereinte Studien in Philosophie, Ästhetik und Kulturpolitik mit einer Ausbildung in einem kunstwissenschaftlichen Fach wie Theater-, Literatur-, Musik- oder Kunstwissenschaft.

Zu wichtigen Vertretern der Berliner Kulturwissenschaft und Ästhetik zählen die Professoren Wolfgang Heise, Karin Hirdina, Norbert Krenzlin, Günter Mayer, Michael Franz, Irene Dölling und Dietrich Mühlberg. Kultur­wissenschaft ist an der Humboldt-Universität immer noch ein begehrtes Studium. Einer der Gründungs­väter der Kultur­wissenschaft in der DDR ist Prof. Dr. Dietrich Mühlberg. Der 1936 geborene Berliner studierte Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte. Seit 1962 wirkte er aktiv am Aufbau des Studiengangs Kultur­wissenschaft mit. Seit 1974 hatte er eine Professur für Kultur­geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin inne. Er forschte und lehrte zur Kulturtheorie und vor allem zur Kultur­geschichte des Alltags, der „kleinen Leute“ und ihrer sozialen Bewegungen. Nach 1990 widmete er sich verstärkt Forschungen zur jüngsten deutschen Kulturgeschichte und wurde Vorsitzender der Kulturinitiative ´89.  

Dietrich Mühlberg
UdSSR 1983, fa, 107 min

Abschied von Matjora

Gespräch mit Prof. Dr. Oksana Bulgakowa | Einführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Im Morgengrauen und von den Dorfbewohnern Matjoras unbemerkt beginnen fremde Arbeiter mit der Planierung des alten Friedhofs auf der Insel, die nach staatlichem Willen in den Fluten eines Stausees verschwinden soll. Für die Dorfbewohner wird eine Betonsiedlung flussaufwärts errichtet und als das fortschrittliche und gute Leben gepriesen – kein Platz für die Kuh, dafür aber konstante Stromversorgung, fließend Wasser und dergleichen. Der Spielfilm erzählt die Geschichte einer missglückten Umsiedlung und durfte lange nicht im Ausland gezeigt werden. Erst Glasnost und Perestroika ermöglichten die Präsentation des Films auf der Berlinale 1987. Das Thema der Zwangsumsiedlung setzt Klimow in stark symbolische, teils mythische Bilder um.  

Regie: Larissa Schepitko und Elem Klimow nach dem Roman von Valentin Rasputin, Kamera: Wladimir Chukhnow, Alexei Rodionow, Juri Skhirtladze, Sergei Taraskin, Musik: Wjatscheslaw Artjomow, Alfred Schnittke, Darsteller: Stefanja Stanjuta, Lew Durow, Alexej Petrenko, Leonid Krjuk, Wadim Jakowenko, Juri Katin-Jarzew

Eine Veranstaltung der Friedrich-Wolf-Gesellschaft in Kooperation mit RUSSISCHES HAUS der Wissenschaft und Kultur, neues deutschland sowie dem Go East Generationen e. V.

Wege zu einer sozial gerechteren Welt

Helmuth Markov

mit Dr. Helmuth Markov (stellv. Ministerpräsident Land Brandenburg)
Moderation: Paul Werner Wagner

Dr. Helmuth Markov, Jahrgang 1952, ist der Sohn des bekannten deutschen Historikers Walter Markov (1909–1993). Das Ingenieur-Studium am Polytechnischen Institut in Kiew schloss er 1976 als Diplom-Ingenieur ab. Danach arbeitete er in der Abteilung Internationale Zusammenarbeit und von 1978 bis 1990 als Abteilungsleiter für Forschung und Entwicklung im VEB Lokomotivbau Elektrotechnische Werke Hennigsdorf. 1984 erfolgte seine Promotion zum Doktor-Ingenieur. Dr. Markov war von 1990 bis 2004 in der Wirtschaft als Geschäftsführer tätig. Von 1990 bis 1999 gehörte er dem Landtag von Brandenburg und von 1999 bis 2009 dem Europäischen Parlament an. Im November 2009 wurde er zum Minister der Finanzen und zum stellvertretenden Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg ernannt. Dr. Markov war damit der erste Finanzminister in Deutschland, der Mitglied der Partei DIE LINKE ist. Seit Januar 2014 ist Dr. Markov Justizminister des Landes Brandenburg.

Foto: Dr. Helmuth Markov
zum 100. Geburtstag von Stephan Hermlin

Symposion

Stephan Hermlin und die Berliner Begegnung zur Friedensförderung
Leitung des Symposions: Dr. Therese Hörnigk (Christa-Wolf-Gesellschaft) und Prof. Dr. Frank Hörnigk und Paul Werner Wagner (Friedrich-Wolf-Gesellschaft) Eine Gemeinschaftsveranstaltung der Christa-Wolf-Gesellschaft und der Friedrich-Wolf-Gesellschaft i

Auf Einladung von Stephan Hermlin trafen sich am 13. und 14. Dezember 1981 fast einhundert Schriftsteller, Künstler und Wissenschaftler aus beiden deutschen Staaten und europäischen Nachbarländern in (Ost-) Berlin, um über die Bedrohung des Friedens in Ost und West zu sprechen. 

Die Zusammensetzung der Runde war für damalige Verhältnisse außergewöhnlich: die Präsidenten der Schriftstellerverbände der Bundesrepublik und der DDR Bernt Engelmann und Hermann Kant, der Präsident der Akademie der Künste der DDR Konrad Wolf; Wissenschaftler wie Klaus Fuchs, Jürgen Kuczynski, Friedhart Klix, Heinrich Scheel, Robert Weimann, Robert Jungk, Klaus Scherpe, Hans Heinz Holz und Klaus Holzkamp; Autoren wie Günter Grass, Ernst Jandl, Adolf Muschg, Erich Fried, Peter Härtling, Ingeborg Drewitz, Peter Schneider, Heiner Müller, Stefan Heym, Franz Fühmann, Christa und Gerhard Wolf, Volker Braun, Günter de Bruyn, Rolf Schneider, Jurek Becker, Wolfgang Kohlhaase und Thomas Brasch, Theaterregisseure wie Manfred Wekwerth und Ruth Berghaus; Bildende Künstler wie Wieland Förster und Fritz Cremer.
Das Treffen fiel mit der Ausrufung des Kriegsrechts in Polen zusammen. Auch diese akute Krise spiegelte sich in der oft kontrovers geführten Diskussion wider. Staatsinteressen meldeten sich hörbar. Und trotzdem gelang etwas Seltenes, nämlich „Herstellung von Vertrauen“.

Anfragen an: 
Volker Braun, Wolfgang Kohlhaase,  Klaus Scherpe und Gerhard Wolf.

Foto: privat
Stephan Hermlin
zum 90. Geburtstag von Konrad Wolf

Konrad Wolf (DFF 1977; s/w; 63 min)

Die Dokumentarfilmerin Gitta Nickel porträtierte Konrad Wolf während seiner Dreharbeiten in der Sowjetunion zu „Mama, ich lebe“.

Mama, ich lebe  (DEFA 1977; 103 min) 
Gespräch mit Doris Borkmann, Gitta Nickel und Wolfgang Kohlhaase 
Filmeinführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Vier junge deutsche Kriegsgefangene kämpfen in sowjetischer Uniform gegen die deutsche Wehrmacht. An der Front müssen sie sich entscheiden, ob sie einen Auftrag hinter den deutschen Linien übernehmen. Drei sagen Ja dazu. Es zeigt sich aber, dass sie nicht in der Lage sind, auf die Deutschen zu schießen, was einen sowjetischen Soldaten das Leben kostet. Auch der vierte Deutsche geht schließlich an die Front. Nur einer der Vier überlebt. Der Film macht deutlich, wie schwierig es ist, sich für die richtige Seite zu entscheiden und das Richtige zu tun. 

Regie: Konrad Wolf; Drehbuch: Wolfgang Kohlhaase und Konrad Wolf; Kamera: Werner Bergmann;
Darsteller: Peter Prager, Uwe Zerbe, Eberhard Kirchberg, Detlef Gieß, Margarita Terechowa, Jewgeni Kidinow 

 


Mit freundlicher Unterstützung der GAZPROM Germania GmbH

Foto: ©DEFA-Stiftung
Szenenfoto aus dem Film "Mama, ich lebe"

Und das ist erst der Anfang.

Deutschland und die Flüchtlinge
Lesung mit Daniela Dahn | Einführung und Moderation: Paul Werner Wagner

In dem Buch beschäftigen sich mehr als 20 Experten und Expertinnen mit den verschiedenen Aspekten von Flucht und Migration. Unter ihnen die Publizistin Daniela Dahn, die sich in ihrem Beitrag den Ursachen der massenhaften Flucht widmet: Vom Westen geschürte oder gar angezettelte Kriege, zahlreiche Putsche gegen unliebsame Regierungen, koloniale und postkoloniale Ausbeutung, Landgrabbing und Handelsschranken, Deregulierung, unterlassene Hilfeleistungen für die großen Flüchtlingslager. Die militärische und neoliberale Herrschaft eines kleinen über den größten Teil der Welt hat Folgen.

Anja Reschke (Hrsg.): Und das ist erst der Anfang: Deutschland und die Flüchtlinge. Rowohlt Taschenbuch Verlag (2015). ISBN-13: 978-3499631849
Daniela Dahn

Linkes Denken soll lebendig bleiben  

Gespräch mit Prof. Dr. Christa Luft | Begrüßung und Moderation: Paul Werner Wagner

„Ich hatte aber auch das Glück, auf den verschiedenen beruflichen Stationen mit Menschen zusammenarbeiten zu können, von denen ich mindestens so viel geistige Anregung und menschliche Zuwendung bekommen habe, wie ich sie meinerseits zu geben bemüht war. Das war besonders an der Hochschule für Ökonomie der Fall, im Internationalen Forschungsinstitut in Moskau, in der PDS-Bundestagsfraktion und während meines Intermezzos in der Modrow-Regierung. Zu diesem Abschnitt sage ich immer noch: Ich möchte ihn nicht missen, aber auch nicht wiederholen, weil es physisch und psychisch außerordentlich anspannt zu erleben, wie der frühere Bruder Sowjetunion zusehends seine Hand wegzieht von der DDR als seinem einstigen Faustpfand in der Systemauseinandersetzung, wie von der Westseite, besonders der Bundesrepublik, eine mit viel Geld gespeiste Einmischungskampagne läuft und die Erwartungshaltung der Bürgerinnen und Bürger an schnelle Veränderungen im Lande täglich wächst.“ Zitat Christa Luft: In gesellschaftlicher Verantwortung. Symposium zu Ehren von Prof. Dr. Christa Luft, Rosa-Luxemburg-Stiftung 2013. 

Christa Luft war Professorin und von 1988 bis 1990 Rektorin der Hochschule für Ökonomie Berlin. Sie war stellvertretende Vorsitzende des Ministerrates und Wirtschaftsministerin der DDR in der Modrow-Regierung, von 1994 bis 2002 Mitglied des Deutschen Bundestages für die PDS, Vorstandsmitglied der Rosa-Luxemburg-Stiftung und ist Mitglied der Leibniz-Sozietät.

Dok 2008, 95 min

Ich will da sein – Jenny Gröllmann

Im Gedenken an den 70. Geburtstag von Jenny Gröllmann
Gespräch mit Petra Weisenburger und Anna Mühe (angefragt) | Einführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Dokumentarfilm über Jenny Gröllmann, die zu den prominentesten Schauspielerinnen der DDR gehörte und auch nach der „Wende“ im gesamtdeutschen Film- und Fernseh­geschäft mit unvermindertem Erfolg arbeitete. 2006 verstarb Gröllmann, die zwischenzeitlich mit Ulrich Mühe verheiratet war, im Alter von nur 59 Jahren an Krebs. Die Filme­macherin Petra Weisenburger begleitete die Schauspielerin während ihrer drei letzten Lebens­jahre mit der Kamera.  

Drehbuch und Regie: Petra Weisenburger, Kamera: Thomas Mauch, Martin Gressmann, Wojciech Szepel und Max Zaher

Jenny Gröllmann

Werner Hecht

Die Mühen der Ebenen: Brecht und die DDR
Moderation: Prof. Dr. Frank Hörnigk

Das Buch erzählt, welche Konfl ikte um Pässe, Inszenierungen oder Druckgenehmigungen Bertolt Brecht und Helene Weigel nach der Rückkehr aus dem Exil ausfechten mussten und von Brechts listigem Widerstand gegen die SED-Bürokratie. Werner Hecht war von 1959 bis 1974 Mitarbeiter des Berliner Ensembles, leitete von 1976 bis 1991 das Brecht-Zentrum der DDR und gehört zu den maßgeblichen Herausgebern der Werke Brechts. Bei seinen jüngsten Archivrecherchen hat er zahlreiche bisher unbekannte Quellen entdeckt, die Brechts listigen Kampf gegen Parteidogmen, bornierte Kritiker und Konkurrenten illustrieren. Der Band zeichnet das Porträt eines großen und eigensinnigen Künstlers, der in der DDR weder Staatsdichter noch Dissident gewesen ist.

Werner Hecht: Die Mühen der Ebenen: Brecht und die DDR. Aufbau Verlag, 2014

Foto: Werner Hecht bei seiner Buchpräsentation am 17.03.2014 / Bundesstiftung Aufarbeitung
zum 70. Jahrestag der Befreiung

Die Russen kommen

Gespräch mit Jürgen Brauer und Dr. Ralf Schenk
Filmeinführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Frühjahr 1945 in einem kleinen Ostseebad. Die Bewohner befürchten den Einmarsch der Russen. Der 15-jährige Günter glaubt noch fanatisch an den Endsieg. Er jagt einen geflüchteten Fremdarbeiter, den der Dorfpolizist erschießt. Als die Sowjetarmee kurz darauf den Ort besetzt, wird Günter wegen Mordes an dem Fremdarbeiter verhaftet. Er beteuert zwar seine Unschuld, will aber nicht zum „Verräter“ werden. Der schuldige Dorfpolizist versucht Günter unter Druck zu setzen. Doch der Junge will den feigen Mörder nicht länger decken.
Erstmals stellte ein DEFA-Film einen Mitläufer als Opfer in den Mittelpunkt einer Handlung. Der Film, 1968 fertiggestellt, verschwand für 20 Jahre im Giftschrank. Ihm wurde eine „Psychologisierung des Faschismus“ vorgeworfen und die mögliche Assoziation des Titels mit der Niederschlagung des Prager Frühlings. Eine Arbeitskopie befand sich in Evelyn Carows Besitz und wurde Mitte der 1980er-Jahre bearbeitet und spielfähig gemacht. Der Film erlebte am 3. Dezember 1987 im Berliner Kino International seine Premiere und kam am folgenden Tag in die Kinos. Im Februar 1989 lief er auch in der BRD an.

Regie: Heiner Carow; Buch: Claus Küchenmeister und Heiner Carow; Darsteller: Gert Krause-Melzer, Viktor Perewalow, Dorothea Meissner, Norbert Christian, Karla Runkehl, Rolf Ludwig, Lissy Tempelhof, Hans Hardt-Hardtloff

Foto: ©DEFA-Stiftung/Eberhard Dassdorf
zum 90. Geburtstag von Konrad Wolf

Die Zeit, die bleibt

(DFF-Dokumentarfilm 1985; s/w und fa; 107 min)
Gespräch mit Regine Sylvester und Christiane Mückenberger | Filmeinführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Der Film folgt den Stationen des Lebensweges von Konrad Wolf und vermittelt eine ungewöhnliche Biografie in einer bewegten Zeit. Leitgedanke ist die Troika: die Geschichte dreier Jungen aus Moskau, die Konrad Wolf nicht mehr verfilmen konnte. Regie: Lew Hohmann; Drehbuch: Lew Hohmann, Wolfgang Kohlhaase, Christiane Mückenberger, Regine Sylvester; Kamera: Christian Lehmann 

Solo Sunny  (DEFA 1980; 102 min) Beginn: 19:30 Uhr
Gespräch mit Renate Krössner und Eberhard Geick
Filmeinführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Die Arbeiterin Ingrid „Sunny“ tourt als Sängerin über die Dörfer. Das befriedigt sie nicht. Auch ihre Beziehung zu einem Philosophen scheitert. Als die unangepasste Sunny aus der Band fliegt, gibt sie nicht auf und beginnt, mit einer neuen, jungen Band zu proben.
Der mehrfach preisgekrönte Film war Konrad Wolfs letzter Spielfilm. 

Regie: Konrad Wolf, Drehbuch: Wolfgang Kohlhaase, Kamera: Eberhard Geick, Musik: Günther Fischer, Darsteller: Renate Krößner, Alexander Lang, Dieter Montag, Heide Kipp, Peter Brasch, Harald Warmbrunn 

 

 
Mit freundlicher Unterstützung der GAZPROM Germania GmbH

Foto: ©DEFA-Stiftung | Dieter Lück
Szenenfoto aus dem Film "Solo Sunny"
DEFA 1984, fa, 105 min

Eine sonderbare Liebe

Gespräch mit Christine Schorn und Jörg Gudzuhn | Filmeinführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Sibylle, resolute Küchenchefin einer Fabrik, lernt auf dem Betriebsfest Harald, Reparaturschlosser und Witwer mit zwei Söhnen, kennen. Sibylle möchte endlich ihrem Leben über den Berufsalltag hinaus einen Sinn geben, und Harald wächst mitunter die Rolle des alleinerziehenden Vaters über den Kopf. Eine Beziehung beginnt und scheint gleich wieder beendet, denn sie ist nicht unbedingt auf Liebe gegründet. Doch dann beschließt Sibylle, von nun an alles ganz anders zu machen. Man will zusammen leben. Beide sind fast erstaunt über ihre eigene Courage und hoffnungsvoll genug, zu glauben, dass es gut gehen wird.

Für den „film-dienst“ war „Eine sonderbare Liebe“ ein „einfühlsames Porträt, das das Arbeitsleben und private Glücksvorstellungen in der DDR beleuchtet. Intensiv gespielt und unaufdringlich inszeniert, spiegelt der Film den Alltag in der DDR und verweist auf Gemeinsamkeiten in den beiden deutschen Staaten.“ 

Drehbuch und Regie: Lothar Warneke, Szenarium: Wolfram Witt, Kamera: Thomas Plenert, Musik: Jürgen Ecke, 
Darsteller: Christine Schorn, Jörg Gudzuhn, Christa Lehmann, Annemone Haase, Peter Sodann, Franz Viehmann, Wilfried Pucher

Foto: ©DEFA-Stiftung | Michael Jüttersonke
Szenenfoto aus "Eine sonderbare Liebe"
DEFA 1978, fa, 91 min

Sabine Wulff

Gespräch mit Karin Düwel (Hauptdarstellerin) und Peter Brand (Kameramann) | Einführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Weil ihr Freund Jimmy sie zum Zigarettenklauen verleitet hat, muss Sabine in den Jugendwerkhof. Mit 18 wird sie entlassen und beginnt eine Arbeit in einer Schuhfabrik. Sie ist aber unsicher, weil sie Jimmy immer noch liebt. Ihre Kolleginnen reagieren misstrauisch und ablehnend auf sie. Sabine vertritt offen ihre Meinung und kann durch ihr Engagement einen Betrug aufdecken, was dann die Arbeitsbedingungen in der Fabrik verbessert. Schließlich versöhnt sie sich wieder mit Jimmy. Sabine ist ein aktiver Mensch, der gebraucht werden will und seinen Platz im Leben sucht. Manches Mal ist sie fast so weit, alles hinzuschmeißen und wegzulaufen. Aber dann sind doch immer wieder Menschen da, die ihr helfen und gerade auch ihrer Offenheit mit Sympathie begegnen. Sabine wird ihren Weg im Leben finden … 

Regie: Erwin Stranka, Drehbuch: Erwin Stranka, Literarische Vorlage ist der  Roman von Heinz Kruschel: Gesucht wird die freundliche Welt
Kamera: Peter Brand, Musik: Karl-Ernst Sasse, Darsteller: Karin Düwel, Manfred Ernst, Jürgen Heinrich, Hans-Joachim Frank, Lars Jung, Jutta Wachowiak  

Foto: ©DEFA-Stiftung / Dieter Jäger
Szenenfoto aus SABINE WULFF

Judith, Ruth und Esther – Heldinnen der Bibel

mit Musik und Texten
Vortrag von Prof. Dr. Thomas Naumann | Moderation: Paul Werner Wagner

Viele Frauen der Bibel handeln mutig und unabhängig. Ihnen sind mehrere Bücher der Bibel gewidmet. Sie tun das, um ihr Volk zu retten wie Judith und Esther oder um ihrer selbst willen wie Tamar, Salome und Ruth. In einer Welt voller Gewalt sind ihre Waffen Sex und Erotik, Mord und Gewalt, aber auch Klugheit und List. Über Tamar schrieb Friedrich Wolf eins der ersten Stücke.

Der promovierte Physiker Thomas Naumann, geboren 1953 in Dresden, ist das jüngste Kind des Schriftstellers Friedrich Wolf. Thomas Naumann ist Elementarteilchenphysiker und arbeitet am Teilchenbeschleuniger LHC des Europäischen Zentrums für Kernforschung CERN in Genf. Professor Thomas Naumann betreut neben seinen Aufgaben als Physiker beim DESY (nahe Berlin) und am CERN (in Genf) auch die deutsche Öffentlichkeitsarbeit für eines der größten Forschungsprojekte der Menschheitsgeschichte. Er interessiert sich für philosophisch-naturwissenschaftliche Fragen und ist ein anregender und inspirierender Redner.

Foto: www.arthermitage.org/Giorgione/Judith.htm
Gemälde mit Judith
DEFA 1988; s/w; 116 min

Winter adé

mit Helke Misselwitz und Gudrun Plenert
Filmeinführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Eine Bahnreise quer durch die DDR, im letzten Jahr ihres Bestehens: Auf ihrer Fahrt von der Industrie- und Bergarbeiterstadt Zwickau in Sachsen, aus deren Nähe Helke Misselwitz stammt, in den Norden, bis an die Ostsee, trifft die Regisseurin Frauen verschiedenen Alters und unterschiedlicher sozialer Prägung. Die Landschaften und Architekturen Ostdeutschlands, gefilmt in strengem Schwarzweiß, bilden den Hintergrund. Die Frauen erzählen von ihrem Alltag, ihren Nöten und Hoffnungen: zwei junge Punkerinnen, eine Arbeiterin aus einer Brikettfabrik, eine Berliner Ökonomin und eine 85-jährige Dame, die gerade ihre diamantene Hochzeit feiert. Die unverstellten Aussagen und Beobachtungen der Frauen fügen sich zu einem vielgestaltigen Kaleidoskop aus Erinnerungen, Sehnsüchten und Enttäuschungen. Der Film beschreibt auf plastische Weise Leben und Stimmung in der DDR ein Jahr vor deren Zusammenbruch.

Regie: Helke Misselwitz; Drehbuch: Gudrun Plenert, Helke Misselwitz; Kamera: Thomas Plenert

Bild: Filmszene DEFA-Stiftung | Thomas Plenert

Frühlingsfest

Paul Werner Wagner im Gespräch mit Peter Sodann

Mitglieder, Freunde und Gäste der Friedrich-Wolf-Gesellschaft sind herzlich eingeladen zum traditionellen Frühlingsfest in Haus und Garten von Else und Friedrich Wolf. Besuchen Sie uns mit ihrer Familie, Freunden und Bekannten. Wir freuen uns besonders auf Peter Sodann als prominenten Gesprächspartner, Ohrwurm-Jazz und Kulinarisches mit Horst Niebel und seiner freundlichen Crew vom Lehnitzer „Schweizerhaus“.

Programm
14.00 Uhr    Eröffnung mit Kaffee und Kuchen, Bratwurst, Brätel,
    Bier und Wein
14.30 Uhr     Musikalische Einstimmung und Begrüßung
15.00 Uhr    Schauspieler, Regisseur und Kulturbewahrer Peter Sodann
    im Gespräch mit Paul Werner Wagner

Tatort-Kommissar Ehrlicher war nicht zuletzt so beliebt, weil er diese hintergründige Widerständigkeit transportierte, der Text unter dem Text hervorschien, wie es Peter Sodann einem guten Schauspieler mit einer ordentlichen Ausbildung abverlangt. Mit seinen zahlreichen Bühnenrollen und Regiearbeiten ist er diesem Anspruch treu geblieben. Sein kultureller Fußabdruck in Halle mit Theater, Bibliothek, Galerie und Kneipe hat Übergröße. Ehrenkommissar ist Sodann in Sachsen geworden, Bundespräsident in Deutschland nicht. Mit Georg Schramm und Dieter Hildebrandt hätte er sich Berater geholt, mit denen keine Soldaten in die Welt zu schicken wären. Sein Herz schlägt links von Geburt an, daran haben auch Knast und Kulturbürokratie in der DDR nichts geändert. Peter Sodann versucht sich nach wie vor zäh und widerständig der Verwahrlosung von Kultur entgegenzustellen. Mit der Sammlung von DDR-Literatur, für die er nach anstrengendem Suchen in Staucha eine Heimstatt fand, überflutet ihn mit den Bücherspenden „in den Bananenkisten des Westens das Wissen des Ostens“. In langen Reihen sind Autoren versammelt, deren literarischer Schatz den kommenden Generationen an Herz und Verstand gelegt werden soll. Eine kleine, feine Bühne ist auch wieder dabei.

16.00 Uhr    Musik der 50er Jahre – Chanson bis Rock ‚n‘ Roll,  
    mit der Lehrerband des Mosaik-Gymnasiums
Im Anschluss Führung durch die Gedenkstätte und
Zeit für Gespräche und Freude am Frühling

 

Foto links: Peter Sodann | Foto rechts: Chanson bis Rock ‚n‘ Roll mit der Lehrerband des Mosaik-Gymnasiums
Peter Sodann und Lehrerband
(DEFA 1965/90; s/w; 95 min)

Der Frühling braucht Zeit

Gespräch mit Günter Stahnke und Eberhard Mellies
Filmeinführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Der parteilose Ingenieur Solter wird fristlos entlassen und kommt vor den Untersuchungsrichter. Solter hatte eine Ferngasleitung vorzeitig freigegeben und damit die Betriebsprämie gesichert. Aber während der winterlichen Kältewelle kommt es zu einer Havarie. Solter hatte davor gewarnt, Gas aus der eigenen Produktion in die Leitung einzuspeisen. Dennoch macht der Betrieb ihn für den Schaden verantwortlich. Als sich immer mehr Mitarbeiter auf seine Seite stellen, muss die Anklage zurück genommen werden. 

Regie: Günter Stahnke; Drehbuch: Hermann O. Lauterbach, Konrad Schwabe, Günter Stahnke; Kamera: Hans-Jürgen Sasse; Darsteller: Eberhard Mellies, Günther Simon, Doris Abeßer, Rolf Hoppe, Karla Runkehl, Hans-Hardt-Hardtloff, Erik S. Klein, Agnes Kraus, Friedrich Richter

Foto: ©DEFA-Stiftung | Kurt Schütt
Szenenfoto aus dem Film "Der Frühling braucht Zeit"

Mordshochhaus

Lesung und Gespräch mit Prof. Dr. Richard Grosse | Einführung und Moderation: Paul Werner Wagner

1975, Ost-Berlin. Im „Haus des Kindes“ am Strausberger Platz treibt ein Serienmörder sein raffiniertes Spiel. Dort wohnen verdienstvolle Bürger der Republik in geradezu herrschaftlichen Verhältnissen. Ausgerechnet hier werden Frauen erdrosselt, die es mit der „sozialistischen Moral“ nicht so genau nehmen. Major Bircher, ein zum Polizisten umgeschulter Biologielehrer, ermittelt mit Unterstützung seiner Frau, einer Wissenschaftlerin, die sich mit Spieltheorien beschäftigt. Im Verlauf der Ermittlungen müssen sich Bircher und seine zwei Mitarbeiter mit Erpressung, Selbstmord, einem Giftmordanschlag, mit amourösen Abenteuern, einer merkwürdigen Vaterschaft, den Schrullen mancher Mieter, aber auch der politischen Brisanz ihres Falls auseinandersetzen. Bircher und seine Frau entwerfen eine Hypothese, um scheinbar zufällige Ereignisse mit den Morden im Hochhaus zu verknüpfen. Sie entschlüsseln den Code, dem der Täter folgt, und der sie plötzlich in das Wesen und die Motive des Mörders blicken lässt. Ein spannender und lesenswerter Kriminalroman.

Richard Grosse: Mordshochhaus: Ein Berlin-Krimi. Bild und Heimat Verlag (2015). ISBN-13: 978-3959580144
Buchcover "Mordshochhaus"
Lesung

Der Flüchtling Friedrich Wolf

Heidemarie Wenzel liest aus Briefen und Erzählungen aus den Jahren 1933 - 1942

Heidemarie Wenzel spielte schon in ihrer Jugend im Kindertheater und im Bewegungschor der Deutschen Staatsoper. 1963 bis 1966 studierte sie an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin. Nach dem Studium bekam sie erste Engagements in Rostock und Greifswald. Sehr bald begann sie als freischaffende Darstellerin beim Film und im Fernsehen zu arbeiten. Ihre erste größere Rolle spielte sie als Fanny in der Verfilmung von Johannes R. Bechers Roman Abschied. Der Film von Egon Günther wurde von offizieller Seite in der DDR aufgrund der ungewöhnlichen Erzählweise stark kritisiert. Ihren Durchbruch hatte Wenzel in der Rolle der selbstbewussten Lehrerin Susanne in Zeit der Störche. In Die Taube auf dem Dach (1973) konnte sie ihr schauspielerisches Talent erstmals richtig ausspielen, jedoch wurde der Film noch vor seiner Premiere verboten. Die hübsche, große, schlanke und blonde Schauspielerin, die sowohl offen und intelligent wie auch introvertiert wirken konnte, wurde oft für zeitgenössische Rollen besetzt. Sie spielte bis Mitte der 1970er Jahre noch mehrere Hauptrollen, bekam anschließend jedoch immer weniger gute Angebote, da sie als politisch unzuverlässig galt. 1986 stellte sie einen Ausreiseantrag und wurde in der Folgezeit nicht mehr besetzt. Deshalb musste sie in dieser Zeit als Bürohilfskraft bei der Kirche arbeiten. 1988 wurde sie ausgebürgert.

In der Bundesrepublik wurde sie ab 1991 zum gesamtdeutschen Star in der Serie Unsere Hagenbecks. Als ihre Filmrolle bei einem Unfall starb, kam es zu Publikumsprotesten. In den 1990er Jahren trat Wenzel auch wieder häufiger im Theater auf.

In erster Ehe war sie verheiratet mit dem Regisseur Kurt Veth, weshalb sie sich auch zeitweise Heidemarie Wenzel-Veth nannte. In zweiter Ehe ist sie mit dem Regisseur und Autor Helmut Nitzschke verheiratet.

Heidemarie Wenzel
DEFA 1991, fa, 97 min

Farßmann oder Zu Fuß in die Sackgasse

Gespräch mit Roland Oehme | Einführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Der geschiedene Buchhalter Farßmann hat in der Stargarder Straße eine Wohnung bekommen. Er wird wider Willen zum Lust­objekt dreier Frauen und muss darüber hinaus noch einen heiklen Geheim­auftrag übernehmen, der ihn nicht nur an die Grenzen seiner Leistungs­fähigkeit bringt, sondern auch in seinem volks­eigenen Betrieb für einige Unruhe sorgt.

Die Filmkomödie nach einer Erzählung von Hermann Kant durfte von Roland Oehme erst nach längerer Wartezeit gedreht werden. Die Außen­aufnahmen fanden zum Teil in der Stargarder Straße (Berlin-Prenzlauer Berg) statt.

Regie: Roland Oehme, Drehbuch: Rudi Strahl und Roland Oehme, Kamera: Jürgen Lenz, Musik: Günther Fischer, Darsteller: Michael Gwisdek, Angelika Waller, Käthe Reichel, Peter Sodann, Horst Schulze, Michèle Marian, Chris Howland, Annemone Haase

Foto: ©DEFA-Stiftung / Jürgen Lenz
Szenenfoto aus dem Film Farßmann oder Zu Fuß in die Sackgasse

Weihnachtsgans-Auguste-Markt

in Oranienburg

Zum sechsten Mal lädt Auguste, die Titelheldin der vielgelesenen Weihnachtsgeschichte von Friedrich Wolf, am 2. Advent auf den Oranienburger Weihnachtsgans-Auguste-Markt. Das Buch zum Vorlesen, CD´s zum Hörgenuss und der unvergessene DEFA-Film sind unter vielen anderen Buch- und Filmangeboten dazu am Stand der Friedrich-Wolf-Gesellschaft zu erwerben. Schauen sie beim Bummeln durch die verlockenden Angebote des regionalen Handwerks und zwischen Glühwein und Schmalzgebäck an unserem Stand vorbei. Es grüßt nicht nur die strahlende Auguste vom Balkon des Barockschlosses – eine echte sympathische Gans ist ebenfalls auf dem Markt unterwegs und lässt den Appetit auf Gänsebraten vergessen.

Wir würden uns freuen, wenn Sie uns am Stand der Friedrich-Wolf-Gesellschaft besuchen würden.

Bild: Lat mie in Ruh!
zum 70. Jahrestag der Befreiung

Das Jahr 1945

Gespräch mit Prof. Dr. Laurenz Demps und Dr. Torsten Diedrich
Filmeinführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Der Dokumentarfilmklassiker von Meisterregisseur Karl Gass präsentiert eine Zusammenstellung von überwiegend bis dahin unveröffentlichtem Dokumentarfilmmaterial über die letzten 128 Kriegstage bis hin zum Aufruf der KPD im Juni 1945. Der Film verdeutlicht die Sinnlosigkeit der Zerstörung deutscher Städte, obwohl der Krieg längst entschieden war. Er zeigt die Menschen vor den Trümmern ihrer Häuser, demoralisiert, orientierungslos. Antifaschisten, zurückgekehrt aus der Illegalität, aus dem Exil und aus den Konzentrationslagern beginnen mit dem Aufbau eines neuen Deutschland.
„Ein Film um 1945 kann nur ein Film für den Frieden sein. Und ein Film gegen die antikommunistischen Lügen und die antisowjetische Hetze, die damals den Krieg in Gang hielten und heute, in Worten, Begriffen und Gefühlen nahezu identisch, zu neuem Krieg bereit machen sollen. Es konnte kein Film werden, der deutsches Selbstmitleid pflegt, das in die politische Manipulation westlicher Medien frisch und reichlich integriert wird. Es mußte hingegen ein Film werden, der den Geist der Antihitlerkoalition beschwört und bewußt macht, die, wie in Jalta im Februar 1945 bekräftigt wird, „in Krieg und Frieden“ für das Schicksal der Völker verantwortlich sein sollte.“ (Klaus Wischnewski)

Szenarium und Regie: Karl Gass; Kommentar: Klaus Wischnewski; Kamera: Dieter Kühne; Berater: Prof. Dr. Olaf Groehler, Prof. Dr. Walter Bartel, Dr. Laurenz Demps; Sprecher: Peter Hladik

Foto: Nach dem Abschluss der Konferenz von Jalta, 4.-11. Februar 1945; von links: Winston Churchill, Franklin D. Roosevelt und Josef Stalin
Nach dem Abschluss der Konferenz von Jalta, 4.-11. Februar 1945; von links: Winston Churchill, Franklin D. Roosevelt und Josef Stalin

Selbstbehauptung

Leben in drei Gesellschaften
Gespräch mit Dr. Bruno Flierl | Moderation: Paul Werner Wagner

Bruno Flierl (geb. 1927 in Schlesien) gilt als bekanntester Architekturkritiker der DDR, studiert nach französischer Gefangenschaft an der Hochschule für bildende Künste in Berlin (West), wechselt aufgrund seiner Überzeugungen nach Berlin-Ost, ist Chefredakteur der Zeitschrift „Deutsche Architektur“, Dozent an der Humboldt-Universität, begleitet die moderne sozialistische Architektur mit Zustimmung und kritischem Blick. Als freischaffender Publizist ab 1984 studiert er aktuelle und historische Beispiele der Architektur weltweit, um Anregungen für sozialistische Denkvorstellungen zu geben. Nach 1990 ist er Gutachter für die Gestaltungen Pariser Platz, Holocaust-Denkmal, Spreeinsel. Er mischt sich immer wieder in aktuelle Debatten um den weiteren Ausbau der Mitte Berlins ein.

Bruno Fliers „Selbstbehauptungen in drei Gesellschaften“- im ungeteilten, geteilten und neu vereinten Deutschland – liegen jetzt vor. Ein außerordentliches Leben in außerordentlichen Zeiten. Richtschnur ist ihm immer: „Kritisch denken in Gesellschaft und Architektur.“     

Bruno Flierl: Selbstbehauptung – Leben in drei Gesellschaften. Verlag Theater der Zeit. 2015
Portrait von Bruno Flierl

Wolfgang Langhoff

– ein Künstlerleben im 20. Jahrhundert
Lesung und Gespräch mit Esther Slevogt | Moderation: Paul Werner Wagner

Esther Slevogt hat die Biografie des deutschen Schauspielers, Regisseurs und Theater–direktors Wolfgang Langhoff geschrieben, der 1901 geboren wurde und 1966 starb, Kommunist war und zuletzt in der DDR gearbeitet hat. Esther Slevogt beschreibt Langhoff als einen Mann, der eine Schlüsselfigur zum Verständnis des vergangenen Jahrhunderts sein könnte.

 

Esther Slevogt: Den Kommunismus mit der Seele suchen: Wolfgang Langhoff – ein deutsches Künstlerleben im 20. Jahrhundert. Verlag: Kiepenheuer&Witsch (2011). ISBN-13: 978-3462040791
Buchcover "Wolfgang Langhoff – ein Künstlerleben im 20. Jahrhundert "
DEFA 1982, fa, 90 min

Das Fahrrad

Gespräch mit Evelyn Schmidt (Regisseurin) und Roland Dressel (Kameramann) | Einführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Susanne, allein erziehende Mutter und ungelernte Arbeiterin, schlägt sich recht und schlecht durchs Leben. Auf einer Betriebsfeier lernt sie den strebsamen Ingenieur Thomas kennen, der sich für sie zu interessieren scheint. Ihr sind die krassen sozialen Unterschiede bewusst. Frustriert kündigt sie ihre monotone Arbeit, ohne eine Alternative zu haben. Als sie in finanzielle Schwierigkeiten gerät, meldet sie ihr Fahrrad als gestohlen, um die Versicherungssumme zu kassieren. Thomas kümmert sich zwar um sie, als es zu einem Strafverfahren kommt, vermag aber ihre Lebensweise nicht zu akzeptieren. Susanne trennt sich von ihm – nun mit konkreten Plänen, ihrem Leben eine neue Richtung zu geben.

Der Film gehört zu den Frauenfilmen der DDR, in denen das Thema Selbstfindung und Emanzipation der Frau in der Gesellschaft des real existierenden Sozialismus ziemlich unumwunden in Erscheinung tritt. Das Fahrrad gehörte zu den elf DEFA-Spielfilmen, die 2005 im Museum of Modern Art gezeigt wurden.

Drehbuch und Regie: Evelyn Schmidt, Szenarium: Ernst Wenig, Kamera: Roland Dressel, Musik: Peter Rabenalt, Darsteller: Heidemarie Schmidt, Roman Kaminski 

Foto: ©DEFA-Stiftung / Dietram Kleist
Szenenbild aus DAS FAHRRAD

Eine Frage der Haltung

Gespräch mit Dr. Helmut Recknagel | Moderation: Paul Werner Wagner

Helmut Recknagel war der erste nichtskandinavische Skispringer, der auf dem Holmenkollen siegte. Der 1937 in Steinbach-Hallenberg geborene Thüringer gewann dreimal die Vierschanzentournee, holte Weltmeister-Titel und Olympiagold. Über ein halbes Jahrzehnt bestimmte Helmut Recknagel das Niveau des Skispringens, war einer der ersten großen DDR-Sport-Stars. Nach dem Ende seiner Sportkarriere holte er die Hochschulreife nach, studierte Veterinärmedizin und promovierte. Nach 1990 war er auch als Unternehmer erfolgreich. Seinem Auftreten, bei dem er stets Augenmaß und Charakter bewies, zollte man in beiden deutschen Staaten Respekt. Mit allem, was er tat, bewies er Haltung. Auf der Schanze wie im Leben. 2011 wurde Helmut Recknagel in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen.

Eine Veranstaltung von Friedrich-Wolf-Gesellschaft, Edition Die Möwe und Café Sibylle.

Foto: Bundesarchiv
Helmut Recknagel beim Skispringen