Veranstaltungen

Lehnitzer Lesung und Gespräch
18.11. Sonntag | 15:00
Friedrich-Wolf-Gedenkstätte
Alter Kiefernweg 5
16515 Lehnitz
(03301) 52 44 80

Der Filmautor Friedrich Wolf im sowjetischen Exil

Vortrag mit Filmausschnitten von Christoph Hesse
Moderation: Paul Werner Wagner

Wenn man von einer Anti-Hitler-Koalition auch in der Filmgeschichte sprechen darf, dann ist Moskau ihre erste Station. Anders als in Hollywood, Paris oder London entstanden dort schon seit den frühen 1930er Jahren antifaschistische Filme, wie sie im Westen noch bis zum Beginn des Krieges aus diplomatischen und kommerziellen Rücksichten untersagt wurden. Von ihren vielen ambitionierten Vorhaben konnten die Emigranten in der Sowjetunion jedoch nur wenige verwirklichen, darunter Professor Mamlock(1938), der als der weltweit erste Spielfilm vom Schicksal eines Juden in Deutschland handelt, auch international Aufsehen erregte. Das Drehbuch zu diesem Film schrieb Friedrich Wolf. Die Adaption seines erfolgreichsten Stücks, das der österreichische Regisseur Herbert Rappaport in enger Zusammenarbeit mit dem Autor inszenierte, blieb auch Wolfs größter Erfolg in der sowjetischen Filmproduktion. Die meisten Pläne, die er dort entwarf, konnte er nie realisieren. Der Vortrag soll, konzentriert auf die Arbeit Friedrich Wolfs, einen Einblick in das weithin im Dunkeln liegende deutsche Filmexil in der Sowjetunion geben.

Dr. Christoph Hesse, Film- und Literaturwissenschaftler, arbeitet am Institut für Publizistik- und Kommunikations­wissenschaft der Freien Universität Berlin, aktuell an der Edition des Briefwechsels zwischen Hermann Borchardt und George Grosz. 2017 veröffentlichte er die Studie Filmexil Sowjetunion. Deutsche Emigranten in der sowjetischen Filmproduktion der 1930er und 1940er Jahre (München: edition text+kritik).

Foto: © Peter Ruben Privatarchiv
Christoph Hesse bei seinem Vortrag zum 125. Geburtstag von Friedrich Wolf
Russischer Filmabend
03.12. Montag | 18:30

Russisches Haus
der Wissenschaft
und Kultur Berlin
Friedrichstraße 176-179
10117 Berlin
(030) 20 30 22 52
info@russisches-haus.de

UdSSR 1938

Professor Mamlock

Russischer Filmabend zum 130. Geburtstag von Friedrich Wolf
Gespräch mit Dr. Christoph Hesse | Einführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Professor Mamlock ist ein der Prototyp des assimilierten deutschen Juden und Weltkriegs­teilnehmer. Als Chirurg und Klinikchef genießt er hohes Ansehen und wird von seinen Mitarbeitern sehr geschätzt. Wie so viele Deutsche hält er sich auf eine unpolitische Weise für liberal und lehnt die Kommunisten aus Widerwillen und Angst ab. Das führt zu Konfrontationen mit seinem Sohn Rolf, der sich den Kommunisten angeschlossen hat. Als die Nazis an die Macht kommen, bricht die scheinbar heile Welt des Juden Mamlock zusammen.

Die Adaption von Friedrich Wolfs Drama war die erste große Regie-Aufgabe von Herbert Rappaport (1908-1983) im sowjetischen Exil. Professor Mamlock war der einzige antifaschistische Film im SU-Kino jener Epoche, der international gefeiert wurde und filmhistorisch Bestand haben sollte, auch deshalb, weil er sich als Reflexion über totalitäre Systeme im Allgemeinen sehen lässt.

Regie: Herbert Rappaport, Adolf Minkin, Drehbuch: Friedrich Wolf, Adolf Minkin
Kamera: Georgi Filatow, Musik: Juri Kochurow, Nikolai Timofejew, Darsteller: Semjon Meschinski, Tatjana Guretzkaja, Pjotr Kirillow, Oleg Schakow, Wladimir Tschesnokow

Plakat Professor Mamlock
ND im CLUB
05.12. Mittwoch | 18:00

Münzenbergsaal im
ND-Gebäude
Franz-Mehring-Platz 1
10243 Berlin

zum 85. Geburtstag von Peter Ruben

Über die Wichtigkeit Sozialismus und Kommunismus gehörig voneinander zu unterscheiden!

Gespräch mit Dr. Camilla Warnke, Dr. Ulrich Hedtke, Dr. Erhard Crome | Moderation: Paul Werner Wagner

Der Philosoph Peter Ruben, Jahrgang 1933, gehörte zu den originärsten Denkern in der DDR. Da sein Philosophie-Konzept der SED-Staatsideologie mißfiel, wurde Anfang der 1980er Jahre versucht, ihn mit dem Revisionismus-Verdikt aus der Wissenschaft zu entfernen. Peter Ruben wurde aus der SED ausgeschlossen, bekam ein Publikations- und Lehrverbot und durfte nicht mehr öffentlich auftreten. In den Umbruchzeiten am Ende der DDR wurde er der erste frei gewählte Direktor des Zentralinstituts für Philosophie der Akademie der Wissenschaften.

Von 1990 bis 2010 war Peter Ruben Präsident des Vereins Berliner Debatte Initial. In seiner Forschung beschäftigte ihn immer wieder die Frage der Unterscheidung von Kommunismus und Sozialismus. Den untergegangenen „Realsozialismus“ charakterisierte er unter Bezug auf Karl Marx als „rohen Kommunismus“. Peter Ruben  fordert uns auf, den Blick dafür frei zu bekommen, was vernünftig ‚Sozialismus‘ genannt werden kann.

Foto: © Peter Ruben Privatarchiv
Portrait Peter Ruben