Veranstaltungen

Lesung und Gespräch
23.01. Dienstag | 18:30

Café Sibylle

Café Sibylle
Karl-Marx-Allee 72
10243 Berlin

(030) 29 35 22 03
info@cafe-sibylle.de

Deutschsein fünfmal anders

zum 30. Todestag von Rudolf Schottlaender
Gespräch mit Dr. Irene Selle und Moritz Reininghaus | Moderation: Paul Werner Wagner

Generationen von DDR-Schülern hatten mit ihm zu tun, als im Deutschunterricht Sophokles’ Antigone in seiner brillanten Neuübersetzung behandelt wurde: Rudolf Schottlaender (1900– 1988). Heute ist der Philosoph, Altphilologe, Übersetzer und Publizist weithin unbekannt – zu Unrecht, wie seine Erinnerungen zeigen: Sie erweisen sich als Kaleidoskop der deutschen Geistesgeschichte im „Zeitalter der Extreme“ (Hobsbawm), in dem Schottlaender eine vermittelnde Position einnahm, mit der er in Ost und West gleichermaßen aneckte. 1921 aus der jüdischen Gemeinde ausgetreten, studierte Schottlaender Philosophie in Heidelberg (bei Jaspers) und in Freiburg im Breisgau (bei Husserl, Heidegger und Hartmann), er hatte Kontakt zum George-Kreis, lernte Günther Stern (später: Günther Anders) kennen und heiratete dessen Schwester. Nach der Promotion in Heidelberg trat er als erster deutscher Proust-Übersetzer in Erscheinung. Nur mit Glück überstand er die NS-Zeit. Nach 1945 unterrichtete er in Berlin. 1947 auf einen Lehrstuhl für Philosophie in Dresden berufen, wurde er bereits zwei Jahre später aus politischen Gründen wieder entlassen. Er kehrte nach West-Berlin zurück, wo er erneut als Lehrer tätig war. Aus Sorge vor einer Verschärfung des Kalten Krieges versuchte er einen Brückenschlag zur DDR und wurde daraufhin suspendiert. Das bewog ihn, 1959 einem Ruf als Professor für römische Literatur an die Ost-Berliner Humboldt-Universität zu folgen.

Die Erinnerungen von Rudolf Schottlaender werden in unserer Neuausgabe u.a. erweitert um einen Text über Schottlaender als Proust-Übersetzer und ein ARD-Interview aus dem Jahr 1979, das Schottlaenders Resistenz gegenüber politischer Vereinnahmung zeigt und das dazu führte, dass er bis zu seinem Tod 1988 von der Staatssicherheit überwacht wurde.

Kooperation mit dem Verlag für Berlin-Brandenburg

Cover zum Buch
ISBN-13: 978-3945256398
Cover zum Buch
Im Gespräch
16.02. Freitag | 18:30

Café Sibylle
Karl-Marx-Allee 72
10243 Berlin

(030) 29 35 22 03
info@cafe-sibylle.de

Deutschlands schwieriges Verhältnis zur Autorität

Gespräch mit Dr. Michael Froese | Moderation: Paul Werner Wagner

Das Wiedererstarken rechter Parteien hat in Deutschland eine besondere Quelle. Aufgrund des Dritten Reichs ist die Instanz der Autorität historisch massiv beschädigt. Bereits 1918 hatte es eine Entwertung der Väter gegeben. Diese trug u.a. zur späteren Überhöhung des autoritären Prinzips unter den Nazis bei. Mit dem Kriegsende waren die Autoritäten in noch stärkerer Weise diskreditiert. So bildete sich in der BRD eine Hemmung heraus, in angemessener Form gesellschaftliche Autorität auszuüben. Sie zeigt sich u.a. in der Politik, der Justiz, dem Schulwesen. Ostdeutsche gelten als autoritärer geprägt. Während alle Deutschen 1945 eine Entwertung ihrer Autoritäten hinnehmen mussten, wiederholte sich diese Entwertung für die Ostdeutschen mit der deutschen Vereinigung. Sind die Wunden aus dieser Zeit schon verheilt? Oder schüren ihre Abkömmlinge noch defensive Wünsche nach überkommenen Formen von Autorität, die weder angemessen noch zeitgemäß sind? Wie kann angemessene Autorität heute aussehen? Viele Flüchtlinge mit ihren eigenen autoritären Erwartungen konfrontieren uns mit der Notwendigkeit, uns diesem Problem zu stellen.

Dr. Michael Froese, Jahrgang 1947, ist Sozialpsychologe und niedergelassener Psychoanalytiker in Potsdam. Er ist Mitbegründer und langjähriges Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Psychoanalyse und Psychotherapie (APB) Berlin, Lehranalytiker, Herausgeber und Autor diverser Beiträge zu klinischen und sozialpsychologischen Fragen der Ost-West-Transformation.

Foto: ©Privatarchiv der Familie Wolf: Dr. Michael Froese in Lehnitz
Dr. Michael Froese in Lehnitz
Lesung und Gespräch
20.03. Dienstag | 18:30
Café Sibylle
Karl-Marx-Allee 72
10243 Berlin
(030) 29 35 22 03

Die Erdorgel oder Wunderbare abgründige Welt

Siegfried Kühn
Anlässlich der Buchvorstellung lesen Christel Bodenstein, Inge Heym und Siegfried Kühn | Moderation: Paul Werner Wagner

Von den vierziger Jahren seiner schlesischen Kindheit bis ans Ende der DDR spannt sich die Geschichte des Protagonisten Friedrich. In komisch-satirischen Episoden erzählt Siegfried Kühn von dessen amourösen und skurrilen Abenteuern. Entstanden ist eine Collage aus Fiktion und Wirklichkeit bei der bildstarke Erinnerungen, augenzwinkernder Humor und der präzise Zugriff auf zeitgeschichtliche Ereignisse Hand in Hand gehen.

Siegfried Kühn, Jahrgang 1935, gilt als einer der eigenwilligsten deutschen Regisseure. „Im Film Das zweite Leben des Friedrich Wilhelm Georg Platow, der als groteske Komödie innerhalb des DEFA-Geschehens einzigartig dasteht, tritt die spezielle Begabung Kühns mit verblüffender Kraft und Originalität zutage“. (E. Richter) Aus dieser Schule kommend, beschreibt Kühn, der Wahrheit zuliebe, in seiner Erzählung Die Erdorgel, die Welt als groteskes Geschehen.

Foto: aus dem Cover zum Buch "Die Erdorgel oder Wunderbare abgründige Welt"
Siegfried Kühn: Die Erdorgel oder Wunderbare abgründige Welt. Verlag Neues Leben, 2018 ISBN-13: 978-3355018708
aus dem Cover zum Buch "Die Erdorgel oder Wunderbare abgründige Welt"
Premiere
14.04. Samstag | 19:30

Friedrich-Wolf-Theater
Neustrelitz
Karl-Marx-Allee 72
10243 Berlin

(03981) 277 0
info@landestheater-mecklenburg.de

Premiere in Neustrelitz

Die Matrosen von Cattaro

Schauspiel von Friedrich Wolf

„Kameraden, das nächste Mal besser!“
Friedrich Wolfs Antikriegsstück entstand 1930. Wolf stützte sich dabei auf die Dokumentationen über den realen Matrosenaufstand in Cattaro. Zum 100-jährigen Jubiläum des Endes des 1. Weltkriegs und 100. Jahrestag des Aufstands zeigt die Theater und Orchester GmbH am ehemaligen Friedrich- Wolf-Theater ein Stück dieses Autors. Franz Rasch, Held aus dem Stück Die Matrosen von Cattaro richtet sich an seine Kameraden den Satz, „das nächste Mal besser“ und appelliert an die Utopie einer erfolgreichen Revolution. An den Leutnant gewandt äußert Rasch vor seiner Erschießung die Überzeugung: „das ist nicht das Ende, das ist erst der Anfang!“ Wolf war mit seinen Dramen wie Der arme Konrad, Thomas Münzer oder auch Professor Mamlock auf Seiten derer, die sich gegen Unrecht erhoben und musste immer wieder Niederlagen verarbeiten, die blutige Opfer bedeuteten. Wann wird also eine Situation revolutionär und was könnte dieses „besser“ bedeuten. Spielleiter Dr. Wolfgand Bordel will mit seiner Inszenierung das Drama Wolfs nach Entscheidungssituationen für das Heute befragen.

Die Friedrich-Wolf-Gesellschaft organisiert für Mitglieder und Freunde einen gemein­schaftlichen Premierenbesuch am 14. April. Wir bitten Interessenten, sich bis zum 1. März anzumelden.

Foto: Friedrich-Wolf-Theater, Neustrelitz
Friedrich-Wolf-Theater, Neustrelitz
Im Gespräch
17.04. Dienstag | 18:30
Café Sibylle
Karl-Marx-Allee 72
10243 Berlin
(030) 29 35 22 03

Jürgen Walter

„Ich bestrafe meine Freunde mit Treue“
Gespräch mit Jürgen Walter | Einführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Jürgen Walter studierte Germanistik und Romanistik an der Humboldt-Universität zu Berlin.
Er war Mitbegründer des Hootenannyclub, aus dem der Oktoberklub wurde. 1967 trat er zum ersten Mal im DDR-Fernsehen auf. Ihn verband eine enge Zusammenarbeit mit Gisela Steineckert, Thomas Natschinski und Arndt Bause. Mit dem Titel Muss ich denn ein Clown sein belegte er 1972 den dritten Platz beim Schlagerfestival der Ostseeländer.  Zu seinen bekanntesten Titeln zählen Wär’ mir doch alles ganz egal, Schallala, schallali, Von dort kam sie her und Clown sein. Später wechselte er in das Genre des Chanson. In den Jahren 1988/89 hatte Jürgen Walter eine Filmrolle in den DEFA-Filmen  Mensch, mein Papa...! von Ulrich Thein und Der Bruch von Frank Beyer.

Gisela Steineckert schrieb einmal über Jürgen Walter: „Er ist in seiner Auswahl sehr kritisch, als Arbeitspartner anspruchsvoll und unbequem, aber das ist er auch mit sich selber. Er kann interpretieren, andeuten, erzählen, sich vorzüglich bewegen, fast artistisch, scheinbar mühelos.“

Foto: aus dem Cover der aktuellen CD "Alles Kehrt Wieder" von Jürgen Walter
aus dem Cover der aktuellen CD "Alles Kehrt Wieder" von Jürgen Walter
Im Gespräch
05.05. Samstag | 18:30
Café Sibylle
Karl-Marx-Allee 72
10243 Berlin
(030) 29 35 22 03

Vladimir Kotenev

Warum eine Verständigung von Russen und Deutschen so wichtig ist und warum wir Brückenbauer mehr denn je brauchen
Gespräch mit dem früheren russischen Botschafter in Deutschland Herrn Vladimir Kotenev | Moderation: Paul Werner Wagner

Unser Gast Vladimir Kotenev, Jahrgang 1957, ist keine unbekannte Größe in Deutschland. Bereits der Vater von Vladimir Kotenev war im diplomatischen Dienst tätig. Deshalb hat Vladimir als Kind drei Jahre in Neu Delhi gelebt. Nach dem Schulabschluss absolvierte er das Studium der Politik und Germanistik am Staatlichen  Moskauer Institut für Internationale Beziehungen. Von 1979 – 1984 arbeitete Kotenev im Sowjetischen Konsulat in den Westsektoren von Berlin und danach zwei Jahre bei der Sowjetischen Botschaft in der DDR – Unter den Linden. Nachdem er lange Jahre in verantwortungsvollen Positionen des russischen Außenministeriums tätig war, bekleidete er von 2004 – 2010 das Amt des Botschafters der Russischen Föderation in Deutschland. Auf der Trauerfeier für Markus Wolf hielt er eine bewegende Trauerrede. Er liebt die deutsche Sprache und Kultur, kennt die sprachlichen und kulturellen Unterschiede in Mitteleuropa und setzte sich vehement für die Verbesserung der deutsch-russischen Beziehungen ein.

Foto: ©Privatarchiv der Familie Wolf: Vladimir Kotenev, 2006
Vladimir Kotenev, 2006
Frühlingsfest
26.05. Samstag | 14:00
Friedrich-Wolf-Gedenkstätte
Alter Kiefernweg 5
16515 Lehnitz
(03301) 52 44 80

Frühlingsfest

Stargast: Renate Krößner | Moderation: Paul Werner Wagner

Wir laden Mitglieder, Freunde und Gäste zum traditionellen Frühlingsfest der Friedrich-Wolf-Gesellschaft in Haus und Garten von Else und Friedrich Wolf. Nutzen Sie die Gelegenheit für einen Frühlingsausflug mit Ihrer Familie, Freunden und Bekannten. Besonders freuen wir uns, die Schauspielerin Renate Krößner als prominente Gesprächspartnerin von Paul Werner Wagner begrüßen zu können. Begleitet wird der Nachmittag mit Musik und der bewährten Bewirtung durch das Team von Horst Niebel vom Lehnitzer Schweizerhaus.

Programm
14:00 Uhr    Eröffnung mit Kaffee und Kuchen, Bratwurst und Brätel, Bier und Wein und musikalischer Einstimmung
14:45 Uhr    Begrüßung durch Paul Werner Wagner, Vorsitzender der Friedrich-Wolf-Gesellschaft
15:00 Uhr    Gespräch Renate Krößner und Paul Werner Wagner
16:00 Uhr     Ausklang mit Musik, Zeit für Gespräche und Führung durch das Haus von Else und Friedrich Wolf

Foto: ©Privatarchiv der Familie Wolf: Renate Krößner im Gespräch mit Paul-Werner Wagner, 2014 in Wolfen
Renate Krößner im Gespräch mit Paul-Werner Wagner, 2014 in Wolfen
Im Gespräch
05.06. Dienstag | 18:30
Café Sibylle
Karl-Marx-Allee 72
10243 Berlin
(030) 29 35 22 03

Meinungsfreiheit oder die Macht der Medien

Lesung und Gespräch mit Dr. Dieter Korczak | Moderation: Paul Werner Wagner

Das von Dr. Korczak herausgegebene Buch Meinungsfreiheit oder die Macht der Medien setzt sich mit den Entwicklungen in der Medienwelt auseinander, die durch die digitalisierte Verbreitung von Nachrichten hervorgerufen worden sind. Erfahrene Journalisten aus Funk und Fernsehen, Online- und Printmedien sowie Wissenschaftler schildern anhand verschiedener Beispiele, wie die sogenannten Mainstream-Medien die öffentliche Diskussion prägen. Der Druck zur schnellen Verwertung und Verbreitung von Nachrichten steigt. Breaking News bestimmen das Tagesgeschehen. Die Macht suggestiver Bilder ersetzt häufig fundierte und ergebnisoffene Recherche. Investigativer Journalismus ist zum Luxus geworden. Zwar ist die Meinungs- und Pressefreiheit durch Artikel 5 des Grundgesetzes geschützt. Doch äußere Bedrohungen durch Terrorismus, aber auch staatliche Zensur nehmen ebenso zu wie die „Schere im Kopf“. Erschwert wird die individuelle Meinungsbildung auch durch den „Informationskrieg“, der von den Großmächten im Internet und in den sozialen Medien angezettelt worden ist. Der Band widmet sich intensiv der Frage, inwieweit Journalisten und Medien ihrer Aufklärungs- und Kontrollfunktion gerecht werden können.

Dr. Dieter Korczak (* 1948) ist Soziologe und war  u. a. bei Reemtsma, Infratest und Marplan tätig. Er lehrte als Dozent für Medizinsoziologie an der Fachschule Nordhessen. Korczak war Vorsitzender der Interdisziplinären Studiengesellschaft für Praktische Psychologie (ISG) in München. Korczak war als Gutachter am 1., 2. und 3. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung beteiligt. Am 2. November 2010 wurde er zum Präsidenten der European Society for Opinion and Marketing Research (EDOMAR) gewählt.