Werk

Hier finden Sie einen Überblick über Friedrich Wolfs literarisches Schaffen – von den frühen expressionistischen Stücken über die politischen und sozialkritischen Dramen bis zu den Werken der Nachkriegszeit. Erfahren Sie mehr über die Entstehung, Wirkung und Aktualität seiner Texte.

Das Schaffen von Friedrich Wolf

Friedrich Wolf (1888 bis 1953) gehört zu den bedeutendsten politischen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts in Deutschland. Er war engagierter Humanist, politischer Dramatiker und eine literarische Stimme seiner Zeit. Sein Werk umfasst über 60 Dramen, Romane, Novellen, Hörspiele, Filmszenarien und Märchen, die sich durch sozialen Realismus, humanistische Haltung und politisches Engagement auszeichnen. Er schrieb zudem unzählige Artikel, Beiträge und Gedichte. Wolfs Schaffen war stets eng mit den gesellschaftlichen Umbrüchen seiner Zeit verbunden: von der Weimarer Republik über das Exil im Nationalsozialismus bis zur frühen DDR.

Soziale Gerechtigkeit, Politik und Rechte der Frau

Mit Stücken wie Cyankali, Professor Mamlock oder Die Matrosen von Cattaro erregte Wolf große öffentliche Aufmerksamkeit und trug dazu bei, zentrale Themen wie soziale Gerechtigkeit, Antifaschismus, Frauenrechte und Friedenspolitik auf die Bühne zu bringen. Viele seiner Werke wurden im In- und Ausland erfolgreich aufgeführt, verfilmt oder übersetzt.

Die Welt verändern

Friedrich Wolf gilt als Wegbereiter des proletarischen und antifaschistischen Theaters und war zugleich ein Pionier des sozialkritischen Hörspiels und Films. Seine Arbeiten wurden vielfach zensiert, verboten oder gefeiert – doch stets verstanden als Beitrag zur Veränderung der Welt durch Literatur.

In seinem Drama „Mohammed“ verarbeitet Friedrich Wolf die islamische Geschichte als Gleichnis für Toleranz, Aufbruch und soziale Gerechtigkeit. Mit der Erzählung „Langemark“  nimmt er eindrucksvoll Stellung gegen Kriegsverherrlichung und den Mythos vom „Heldentod“. Beide Werke spiegeln Wolfs humanistische Haltung und seine kritische Auseinandersetzung mit Religion, Krieg und Ideologie wider – Themen, die bis heute relevant sind.

In „Das bist du“ thematisiert Friedrich Wolf die Zerrissenheit des modernen Individuums zwischen Ich-Verlust und Gesellschaftsdruck – ein psychologisches Drama mit expressionistischen Zügen. „Der Unbedingte“ beleuchtet den Fanatismus eines politischen Idealisten und zeigt die Gefahren blinder Ideologie. Beide Stücke spiegeln Wolfs kritischen Blick auf seine Zeit und seine Suche nach humanistischer Orientierung wider.

Viele tausend Jahre später als heute: Die Menschen leben wieder in der Urgesellschaft. Naiv, glücklich, der Natur ausgeliefert und dem Priester Wumm, der sie mit Hilfe der von ihm erfundenen Götter manipuliert. Bis aus einem Felsspalt der Abteilungsleiter eines Warenhauses aus dem Jahr 1920 kommt. Sofort erkennt Wumm die neue Chance: Er macht den Mann zum neuen Gott, zur „Schwarzen Sonne“. Auch er ist nur der Spielball Wumms, aber er spielt das Spiel nicht mit. Der nach so langem Schlaf Erwachte begreift sich als Relikt einer fragwürdigen Zivilisation: „…ich bin der tadellos konservierte, auferstandene Urmensch der parlamentarisch-konservativen, christlich-militärischen Revolutionsepoche.“ Gott zu sein, lehnt er ab. Schließlich findet man den Eingang in das Kaufhaus. Jetzt haben alle, was vorher nur die „Schwarze Sonne“ besaß, die Attribute seiner „Göttlichkeit“: Schuhe, Anzug, Hut etc. Aber die Menschen müssen die Erfahrung machen, daß sie der Besitz all dieser Dinge nicht glücklicher macht, im Gegenteil. Und die „Schwarze Sonne“ lehrt die Menschen nun, auf all den Zivilisationsplunder zu verzichten und ohne Gott zu leben. „Die Schwarze Sonne“ ist eine zivilisationskritische Komödie, kräftig und skurril in der Figurenzeichnung und überraschend heutig in ihrem szenischen Witz.
UA: Januar 1924 am  Oldenburger Landestheater, Regie Kurt Löffler

henschel SCHAUSPIEL Theaterverlag Berlin

In „Die schwarze Sonne“ setzt sich Friedrich Wolf mit den traumatischen Folgen des Ersten Weltkriegs auseinander. Das expressionistische Drama zeigt eindrucksvoll die seelischen und gesellschaftlichen Erschütterungen einer verlorenen Generation – und verweist auf die dunklen Schatten, die Krieg und Gewalt auf die Menschheit werfen.

In Tamar verarbeitet Friedrich Wolf ein biblisches Motiv zu einem Drama über Machtmissbrauch, patriarchale Gewalt und weiblichen Widerstand. Mit seiner modernen, sozialkritischen Interpretation stellt er Fragen nach Gerechtigkeit und Selbstbestimmung – Themen, die auch heute nichts an Relevanz verloren haben.

Die Schrankkomödie

In einer kleinen Stadt kämpfen Kreisarzt und andere Ärzte, einschließlich einiger Honoratioren der Stadt, gegen den „Heilpraktiker“ Forstrat a. D. Ohm Kay. Bestimmte Krankheiten heilt er mit vielen Heilkräutern wesentlich besser als die Ärzte und betreibt dazu eine ziemlich sichere Augendiagnostik. Die Ärzteschaft versucht, ihm alle möglichen Fallen zu stellen, geht sogar so weit, ihm vorzuwerfen, am Tod einer alten Frau nach ihrem dritten Schlaganfall schuldig zu sein. Insgeheim gehen aber auch die Gattinnen mit ihren diversen Leiden zu ihm. Nach einigen amüsanten Zwischenfällen kommt es am Schluß doch zu einer vergnügten allgemeinen Versöhnung. Ohm Kay hat die Ärzte überzeugt, daß nicht nur die wissenschaftliche Medizin allein sämtliche Leiden heilen kann.

Der arme Konrad

Schauspiel aus dem Deutschen Bauernkrieg 1514

Schon lange fühlen sich die Bauern des Remstals vom Fürsten ausgebeutet. Als man ihnen auch noch verbietet, ihr alljährliches ‚Spiel vom ehrsamen Narrengericht’ aufzuführen, beschließen sie den Aufstand. Mit einer List können sie die Ritter des Herzogs besiegen, und es gelingt ihnen, auch das herzogliche Schloss einzunehmen. Bauer Konz, den die Rebellen zu ihrem Anführer machen, verhandelt mit dem Herzog, der in alle Forderungen einwilligt. Doch er mißbraucht das Vertrauen der Bauern und greift sie wenig später heimtückisch an. Konz erkennt, dass er einen Fehler gemacht hat und rüstet die Bauern zum Gegenschlag. Die Bauern, inzwischen untereinander zerstritten, unterliegen den Truppen des Herzogs und Konz stellt sich schwer verwundet. Der Herzog fordert ihn auf zu widerrufen, doch Konz zieht es vor zu sterben, um die gerechte Sache der Bauern nicht für immer zu begraben. — Ein sozialkritisches Geschichtsdrama, das die Berechtigung revolutionärer Gewaltanwendung und das Verhältnis zwischen Machtposition und Volk hinterfragt. Heute besonders als Sommerspiel für die Freilichtbühne geeignet.

henschel SCHAUSPIEL Theaterverlag Berlin

Mit „Die Schrankkomödie“ schrieb Friedrich Wolf eine pointierte satirische Komödie über bürgerliche Moral, Heimlichkeit und soziale Doppelmoral. Das Kammerspiel entlarvt mit feinem Humor die Abgründe des kleinbürgerlichen Alltags – ein früher Beleg für Wolfs Gespür für gesellschaftliche Spannungen und menschliche Schwächen.

Mit „Das Heldenepos des alten Bundes“ schuf Friedrich Wolf ein literarisches Experiment, das zentrale Erzählungen des Alten Testaments in Form eines jüdischen Volksepos neu deutet. In kraftvoller Sprache und mit epischer Tiefe verbindet er religiöse Überlieferung mit moderner Weltanschauung – ein seltener und bedeutender Beitrag zur jüdischen Literatur der Weimarer Republik.

In seinem Roman „Kreatur“ schildert Friedrich Wolf das Schicksal einer Frau, die durch soziale Not, Schwangerschaftsabbruch und gesellschaftliche Ausgrenzung gezeichnet ist. Mit großer Eindringlichkeit prangert Wolf das Elend der unteren Schichten an und fordert Mitgefühl sowie soziale Reformen – ein Schlüsselwerk der linken Literatur der Weimarer Republik und ein früher Beitrag zur Debatte um das Selbstbestimmungsrecht der Frau.

Ein Schauspiel

Anfang der Zwanzigerjahre in Deutschland: Unter Führung von Jost Hund hat eine Gruppe von Frauen und Männern begonnen, an einem alternativen Siedlungsprojekt zu arbeiten. Ein Moorhof soll kultiviert werden. Aber die Probleme sind groß: harte Arbeit, Mangel an Geld und Geräten, unterschiedliche Vorstellungen über die innere Organisation der Kommune. Und schließlich ist da nebenan ein paramilitärisch arbeitender, kapitalistischer Landwirtschaftsbetrieb, der dem „Moorhof“ die Wasserader abgräbt und überhaupt alles unternimmt, das „Moorhof-Projekt“ zu sabotieren. Jost Hund arbeitet bis zum Umfallen. Sein Kind stirbt aus Entbehrung, seine Frau verlässt ihn. Vergeblich kämpft Jost Hund um die Unterstützung durch den Staat. Als schließlich einer aus seiner Gruppe auf dem Nachbargelände einen Sabotageakt unternimmt, eskaliert die Bedrohung: Jost Hund und seine Leute werden ins Gefängnis geworfen, kommen frei und kämpfen mit der Waffe in der Hand um ihren „Moorhof“. Sie werden sterben. Aber ihr Tod wird von der Vision begleitet, daß neue Arbeitertrupps mit Spaten, Fahnen und Gesang heranziehen, ihr Projekt zu Ende zu führen.

henschel SCHAUSPIEL Theaterverlag Berlin 

Kolonne Hund

In seinem Drama „Kolonne Hund“ schildert Friedrich Wolf den harten Alltag wandernder Bauarbeiterkolonnen im Nachkriegsdeutschland. Mit realistischer Sprache und starkem sozialen Engagement prangert er Ausbeutung, Elend und Entmenschlichung an – ein frühes Beispiel für proletarisches Theater der Weimarer Republik.

„Äther“  –  Eines der ersten sozialkritischen Hörspiele in Deutschland 

Mit dem Hörspiel „Äther“ gehörte Friedrich Wolf zu den Pionieren des neuen Mediums. Das Stück thematisiert die Ambivalenz moderner Medizin, Machtverhältnisse im Krankenhaus und das Arzt-Patient-Verhältnis. Als eines der ersten sozialkritischen Hörspiele in Deutschland verbindet es medizinisches Wissen mit politischer Haltung.

„Koritke“ ist ein sozialkritisches Drama von Friedrich Wolf, in dem die Lebenswirklichkeit der Arbeiterklasse in der Weimarer Republik im Mittelpunkt steht. Die Titelfigur steht exemplarisch für den einfachen, aufrechten Arbeiter, der mit den Widersprüchen von Armut, Ausbeutung und politischem Erwachen konfrontiert ist. Mit „Koritke“ setzt Wolf sein Engagement für das proletarische Theater fort und zeigt, wie politisches Bewusstsein aus sozialer Not entstehen kann.

Christa Uhlig: Gesundheitsratgeber als Erziehungshilfe?  >> PDF zum Lesen

In „Die Natur als Arzt und Helfer“ setzt sich Friedrich Wolf mit naturheilkundlichen Methoden auseinander und plädiert für eine ganzheitliche Medizin im Dienst des Menschen. Als Arzt und Schriftsteller verband er wissenschaftliche Erkenntnis mit sozialem Engagement – und stellte die Naturheilkunde in den Dienst von Prävention, Heilung und sozialer Gerechtigkeit. Das Werk zeigt Wolfs Überzeugung, dass Gesundheit mehr ist als reine Schulmedizin.

Die Weimarer Republik, kurz vor der Wirtschaftskrise. Hete erwartet ein Kind von ihrem Freund Paul. Beide verlieren ihre Arbeit durch Krise, Stellenabbau und brutal unterdrückten Streik. Die beiden wissen, daß sie ihr Kind nicht werden ernähren können. Hete entschließt sich zum Schwangerschaftsabbruch. Der Arzt, den sie aufsucht, liest ihr nur den § 218 des Strafgesetzbuches vor, der solche Eingriffe verbietet. In ihrer Verzweiflung unternimmt Hete den Eingriff selbst. Der Versuch geht schief, und sie steht nun zwischen der tödlichen Justiz und dem hilfreichen Gift Cyankali, das wohldosiert den Fötus abtöten soll. Hete hat keine Chance. Das Stück war eine der großen Theaterprovokationen der zwanziger Jahre.
Uraufführung: 6. September 1929 am Lessingthater Berlin, Regie Hans Hinrichs
Erfolgreichstes deutschsprachiges Schauspiel in der Spielzeit 1929/30
henschel SCHAUSPIEL Theaterverlag Berlin 
 

„Cyankali“ zählt zu Friedrich Wolfs bekanntesten und wirkungsvollsten Dramen. Das Stück thematisiert den damals illegalen Schwangerschaftsabbruch und stellt die dramatischen Folgen des Paragrafen 218 in den Mittelpunkt. Mit großer gesellschaftlicher Sprengkraft forderte Wolf das Selbstbestimmungsrecht der Frau und machte auf das Elend ungewollter Schwangerschaften aufmerksam. „Cyankali“ steht beispielhaft für Wolfs Engagement für soziale Gerechtigkeit, Reformen im Gesundheitswesen und sein Verständnis von Theater als politisches Werkzeug.

Cyankali wurde 1930 von Hans Tintner mit Grete Mosheim und 1977 vom Fernsehen der DDR mit Renate Krößner (Solo Sunny) in der Hauptrolle verfilmt:
 filmportal

Ein Schauspiel, Premiere 08.11.1930
Anfang 1918. Die Matrosen des Panzerkreuzers „St. Georg“ sind kriegsmüde. Da kommt der Bootsmannsmaat Franz Rasch mit Nachrichten über Streiks in verschiedenen Städten der österreichischen Monarchie. Unter dem Eindruck dieser Nachrichten entwerfen die Matrosen eine Resolution, in der sie Friedensverhandlungen, bessere Verpflegung, die Wahl von Vertrauensleuten u.a. verlangen. Gleichzeitig vereinbaren sie ein illegales Treffen mit Vertretern der anderen Schiffe, die in der Bucht von Cattaro liegen. Doch die Resolution gelangt in die Hände der Offiziere, und es kommt zu Auseinandersetzungen. Ein kraftvolles Theaterstück und eines der großen Werke der revolutionären Dramatik in Deutschland.
henschel SCHAUSPIEL Theaterverlag Berlin 

„Die Matrosen von Cattaro“ ist ein historisch-politisches Drama von Friedrich Wolf über den Matrosenaufstand in der k.u.k.-Marine im Jahr 1918. Das Stück erzählt vom mutigen Widerstand einfacher Soldaten gegen Militarismus, Unterdrückung und Krieg. Mit klarer Haltung und dokumentarischer Schärfe zeigt Wolf, wie sich politische Erkenntnis und Solidarität im Angesicht der Repression entwickeln. Das Drama ist ein Schlüsselwerk des antimilitaristischen Theaters der Weimarer Republik.

Ein Schauspiel, Premiere 15.01.1931
„Tai Yang erwacht“ thematisiert den Shanghaier Aufstand der Weberinnen im Jahr 1927. Im Mittelpunkt steht die junge Arbeiterin Tai Yang, die sich erst nach einigen Erfahrungen zur revolutionären Arbeiterbewegung bekennt. Als Geliebte eines brutalen Fabrikherrn gelingt es ihr, eine bessere Bezahlung und Behandlung der Arbeiter zu erlangen. Sie erlebt die Mißhandlung einer Arbeiterin. Der Fabrikherr fordert Tai Yang auf, ihm bei der Suche nach plötzlich auftretenden Flugblattverteilern zu helfen. Als dann der von Tai Yang heimlich geliebte Arbeiter Wan vor ihren Augen gefoltert wird, entscheidet sie sich für ihn und die Revolution. Mit ihrer Hilfe entkommt Wan, nachdem sie vorher ihren Bruder, der für den Fabrikherrn Tschu Fu arbeitet, getötet hat. Wan plant nun einen sofortigen Aufstand, der durch einen von Tai Yang in die Fabrik geschmuggelten Aufruf bekannt gegeben wird. Die Arbeiterinnen schützen Tai Yang vor den Gegenmaßnahmen Tschu Fus. Der Aufstand bricht aus. „Tai Yang erwacht“ wurde im Jahr 1931 als Eröffnungsvorstellung der „Jungen Volksbühne“ uraufgeführt. Diese Aufführung ist die einzige Inszenierung des Stückes vor 1933 in Deutschland und die letzte Arbeit von Piscator vor Hitlers Machtübernahme.
henschel SCHAUSPIEL Theaterverlag Berlin 

Mit „Tai Yang erwacht“ (1931) wandte sich Friedrich Wolf dem antikolonialen Befreiungskampf in Asien zu. Das Drama erzählt die fiktive Geschichte eines chinesischen Bauern, der sich gegen Unterdrückung, Ausbeutung und imperialistische Gewalt erhebt. Wolf verbindet darin seine marxistische Weltanschauung mit internationaler Solidarität und zeigt, dass der Kampf für Gerechtigkeit keine Grenzen kennt. „Tai Yang erwacht“ ist ein bedeutendes Beispiel für das politische Exiltheater der frühen 1930er-Jahre.

Ein Schauspiel
Berlin, Mai 1931 bis April 1933. Die Tragödie eines bürgerlichen deutschen Intellektuellen. Der weltberühmte jüdische Arzt Professor Mamlock erwartet Integrität auch vom skrupellosesten politischen Gegner. Er bemüht sich, seine Arbeit und seine Klinik von allen politischen Auseinandersetzungen freizuhalten. Seine Ideale: Hingabe an den Beruf, Korrektheit gegenüber dem Staat, Großzügigkeit gegenüber dem weltanschaulichen Gegner. Als die Faschisten die Macht übernehmen, beginnt der Terror. Die SA hat schon die Klinik besetzt. Dennoch verbietet Mamlock seinem Sohn Rolf, zusammen mit Kommunisten illegal gegen den Faschismus zu kämpfen. Rolf verläßt das Elternhaus. Aus Angst um das Erreichte, aus Blindheit gegenüber der Realität und im Vertrauen auf „das Gute“ im Menschen, arbeitet Mamlock unter den braunen Machthabern, bis er seine Loyalität nicht mehr erträgt und sich erschießt. Zu spät kommt seine Einsicht, daß der Weg des Widerstands, den sein Sohn Rolf gegangen ist, auch für ihn der richtige gewesen wäre.
henschel SCHAUSPIEL Theaterverlag Berlin
 

Mit „Professor Mamlock“ (1933) schrieb Friedrich Wolf eines der ersten deutschen Theaterstücke, das die Verfolgung jüdischer Bürger durch die Nationalsozialisten thematisierte. Im Mittelpunkt steht ein jüdischer Arzt, der die politischen Gefahren zunächst verkennt und schließlich selbst Opfer des NS-Regimes wird. Das Drama ist ein eindringlicher Appell gegen Faschismus und politische Blindheit – und gilt bis heute als Meilenstein des antifaschistischen Exiltheaters.

1961 verfilmte Friedrich Wolfs Sohn Konrad Wolf  das Drama seines Vaters bei der DEFA mit Wolfgang Heinz als Professor Mamlock.

DEFA-Stiftung

Filmportal

Ein Schauspiel von den Februarkämpfen der Wiener Arbeiter
Die Wiener Arbeiter des sozialdemokratischen „Schutzbundes“ bereiten sich auf den bewaffneten Kampf vor, da der österreichische Regierungschef Dollfuß für den 15. März 1933 den Zusammentritt des Parlaments verboten hat. Die Bewohner der Arbeitersiedlung Floridsdorf schicken eine Delegation zur Führung der sozialdemokratischen Partei mit den Forderungen, den Generalstreik auszurufen, die Regierung zum Rücktritt zu zwingen und die Arbeiter zu bewaffnen. Aber die Parteiführung, an ihrer Spitze OttoBauer, kneift. Es kommt zu Streiks in Wien. Jetzt fordern die Arbeiter die Waffen, die von Partei- und Schutzbundführung unter Verschluß gehalten werden. Die Regierung läßt den Angriff auf die Arbeitersiedlungen eröffnen. Die Arbeiter gelangen militärisch in die Defensive. Der schwerste Kampf tobt um das Gaswerk Floridsdorf. Ein Ultimatum der Regierungstruppen fordert die isolierten Verteidiger zur bedingungslosen Kapitulation. Die Arbeiter beschließen, sich bewaffnet zur tschechoslowakischen Grenze durchzuschlagen. Der Ausbruch gelingt. Wolf stellt in „Floridsdorf“ ein großes Spektrum von Haltungen zur Frage der militärischen Gewalt in einer revolutionären Situation zur Diskussion.
henschel SCHAUSPIEL Theaterverlag Berlin
 

„Floridsdorf“ ist ein antifaschistisches Drama von Friedrich Wolf, das sich mit dem gescheiterten Aufstand der österreichischen Arbeiter im Februar 1934 beschäftigt. Benannt nach dem gleichnamigen Wiener Stadtteil, schildert das Stück den mutigen, aber tragischen Widerstand gegen den autoritären Ständestaat. Wolf verleiht den Figuren eine klare politische Haltung und macht deutlich, wie gefährlich Gleichgültigkeit gegenüber Unrecht ist. „Floridsdorf“ steht exemplarisch für das engagierte Exiltheater der 1930er-Jahre.

Mit „Das trojanische Pferd“ (1937) schuf Friedrich Wolf ein politisches Lehrstück, das den antiken Mythos um die Eroberung Trojas neu interpretiert. In satirischer Form entlarvt das Stück die Mechanismen von Kriegstreiberei, Propaganda und Machtmissbrauch – mit direktem Bezug zur politischen Lage Europas in den 1930er-Jahren. „Das trojanische Pferd“ ist ein typisches Beispiel für Wolfs antifaschistisches Exiltheater, das klassische Stoffe nutzt, um aktuelle Warnungen auszusprechen.

„Zwei an der Grenze“ ist ein spannungsreiches Drama von Friedrich Wolf, das im Umfeld des antifaschistischen Widerstands spielt. Im Mittelpunkt stehen zwei Männer mit gegensätzlicher Vergangenheit, die an der Grenze zwischen zwei Staaten aufeinandertreffen – und sich in einer Situation wiederfinden, in der Menschlichkeit, Mut und Haltung auf die Probe gestellt werden. Das Stück vereint politische Botschaft mit psychologischer Tiefe und gehört zu Wolfs wichtigsten Werken aus dem Exil in der Sowjetunion.

Versailles und Paris, 1778 bis 1789. Der Schriftsteller und Spekulant Beaumarchais macht abenteuerliche Finanzaktionen, er gewinnt und verliert, schreibt seine weltberühmte Komödie „Der tolle Tag oder Die Hochzeit des Figaro“ und wird von der Königin geliebt. Wegen antifeudaler Tendenzen wird er eingesperrt, kommt aber durch Volksbegehren wieder frei. Durch zweifelhafte Geschäfte zu Geld gekommen, baut sich Beaumarchais gegenüber der berüchtigten Bastille ein Palais. Er sinkt in der Gunst des Volkes. Man wirft ihm sogar vor, Gewehre gegen das Volk an den König geliefert zu haben. Als am 14. Juli 1789 Paris zu den Waffen greift und die Bastille stürmt, flieht Beaumarchais aus der Stadt. Der Dichter ist hinter seinem Werk zurückgeblieben, aber sein Werk lebt fort auf den Straßen und Märkten von Paris, wo eine der großen Revolutionen der Weltgeschichte ihren Anfang nimmt.
henschel SCHAUSPIEL Theaterverlag Berlin

Mit „Beaumarchais“ widmet sich Friedrich Wolf dem Leben des französischen Aufklärers, Dramatikers und Revolutionärs Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais. In seinem historischen Drama zeigt Wolf Beaumarchais als geistreiches, kämpferisches Vorbild für Freiheit, Gerechtigkeit und zivilen Widerstand. Geschrieben im sowjetischen Exil, spiegelt das Stück Wolfs Überzeugung, dass Kunst und politisches Engagement untrennbar miteinander verbunden sind. „Beaumarchais“ ist ein leidenschaftliches Plädoyer für Aufklärung und Humanismus im Angesicht von Tyrannei.

In der Novelle „Der Russenpelz“ erzählt Friedrich Wolf eine bewegende Geschichte über Mitgefühl, Menschlichkeit und die Widersprüche des Kriegsalltags. Im Zentrum steht ein sowjetischer Soldatenmantel, der symbolisch für Solidarität, Schuld und Versöhnung steht. Mit feiner psychologischer Beobachtung und humanistischer Tiefe thematisiert Wolf die moralischen Herausforderungen im Zweiten Weltkrieg. „Der Russenpelz“ ist ein eindrucksvolles Beispiel für Wolfs Erzählprosa im Exil, geprägt von Hoffnung und Widerstand.

„Heimkehr der Söhne“ (1947) ist Friedrich Wolfs großer Nachkriegsroman über Rückkehr, Schuld und Neuanfang im zerstörten Deutschland. Im Mittelpunkt stehen deutsche Emigranten, die aus dem Exil zurückkehren und beim Wiederaufbau eines antifaschistischen Deutschlands mitwirken wollen. Der Roman thematisiert innere und äußere Konflikte einer Generation zwischen Verantwortung und Hoffnung – und gilt als Schlüsselwerk der frühen DDR-Literatur.

„Dr. Lilli Wanner“ ist ein Drama von Friedrich Wolf über eine engagierte Ärztin, die im Nachkriegsdeutschland für eine gerechtere, sozial orientierte Medizin kämpft. Die Titelfigur steht für den humanistischen Anspruch eines neuen Gesundheitswesens in der jungen DDR und verkörpert Wolfs Ideal einer Ärztin im Dienst der Gemeinschaft. Mit diesem Stück verbindet Wolf seine politischen Überzeugungen mit seinem ärztlichen Berufsethos – ein Plädoyer für Verantwortung, Empathie und gesellschaftlichen Wandel.

Mit „Was der Mensch säet“  schließt Friedrich Wolf sein dramatisches Werk mit einem Stück über Verantwortung, Gerechtigkeit und den Aufbau einer neuen Gesellschaft ab. Das Drama spielt im Nachkriegsdeutschland und zeigt Menschen im Spannungsfeld zwischen Vergangenheit und Neuanfang. Wolf thematisiert Schuld, Versöhnung und die Möglichkeit, aus Fehlern zu lernen – ganz im Sinne seines humanistischen Weltbildes. „Was der Mensch säet“ ist ein eindrucksvoller Abschluss seines literarischen Engagements für Frieden und soziale Gerechtigkeit.

„Die letzte Probe“ ist das letzte vollendete Drama von Friedrich Wolf und thematisiert den Neubeginn im geteilten Nachkriegsdeutschland. Im Mittelpunkt steht ein Theaterensemble, das kurz vor der Premiere eines politisch brisanten Stücks steht – ein Gleichnis für die gesellschaftliche Bewährungsprobe in einer Zeit des Umbruchs. Mit „Die letzte Probe“ reflektiert Wolf die Rolle der Kunst im sozialen Wandel und bleibt seiner Überzeugung treu: Theater als Ort der Aufklärung, Verantwortung und Hoffnung.

Mit den „Märchen für große und kleine Kinder“ zeigt Friedrich Wolf eine andere, verspielte Seite seines Schaffens. Die zwischen 1946 und 1953 entstandenen Erzählungen verbinden klassische Märchenmotive mit sozialer Botschaft, Witz und Fantasie. Ob Tiere, Könige oder Arbeiter – Wolf’s Märchen regen zum Nachdenken an und sprechen Kinder wie Erwachsene gleichermaßen an. Sie sind Teil seines humanistischen Erbes und ein liebevoller Beitrag zur sozialkritischen Kinderliteratur der Nachkriegszeit.

„Wie Tiere des Waldes“ (1951) ist ein antifaschistisches Drama von Friedrich Wolf, das den Überlebenskampf einer Gruppe Verfolgter im Wald während des Nationalsozialismus erzählt. In eindringlichen Szenen schildert Wolf die Bedrohung durch das faschistische Regime ebenso wie die Kraft von Solidarität, Mut und Menschlichkeit. Das Stück ist eine Parabel über Entmenschlichung und Widerstand – und ein spätes Beispiel für Wolfs engagiertes Nachkriegstheater.

„Der Rat der Götter“ (1949) ist ein von Friedrich Wolf verfasstes Filmszenarium, das auf realen Ereignissen basiert und die Verstrickung deutscher Großkonzerne in Krieg und Faschismus offenlegt. Der gleichnamige DEFA-Film, für den Wolf das Drehbuch schrieb, kritisiert die skrupellose Profitgier der Rüstungsindustrie und wurde zu einem Schlüsselwerk des politischen Nachkriegsfilms in der DDR. Mit dokumentarischer Schärfe und dramaturgischer Wucht schuf Wolf ein Werk, das Kunst, Aufklärung und Anklage vereint.

DEFA-Stiftung

Nach dem Ende des Krieges ist die 23jährige Anna Drews zum Bürgermeister eines Dorfes im Osten Deutschlands gewählt worden. Unter ihrer Leitung bringen die Bauern Ordnung in die chaotischen Verhältnisse, die der Krieg hinterlassen hat. Friedrichs Wolfs Komödie beschreibt mit der Emanzipation des Mädchens Anna den Aufbau der neuen Gesellschaft im Osten Deutschlands. Pralle und manchmal skurrile Volksfiguren beherrschen die Szene; der Dialog ist ebenso handgreiflich wie witzig und substantiell.
henschel SCHAUSPIEL Theaterverlag Berlin
 

„Bürgermeister Anna“ ist eine komödiantische Gesellschaftssatire von Friedrich Wolf über eine Frau, die sich in der jungen DDR als Bürgermeisterin behauptet. Mit Witz und Charme erzählt das Stück vom Wandel traditioneller Geschlechterrollen, dem Aufbruch ins Neue und dem alltäglichen Kampf um Gerechtigkeit und Anerkennung. „Bürgermeister Anna“ verbindet politische Botschaft mit humorvollem Realismus – ein Plädoyer für Gleichberechtigung und Engagement im sozialistischen Aufbau.

Das Stück wurde 1949/50 von der DEFA verfilmt:

Filmportal

„Menetekel“ ist der letzte Roman von Friedrich Wolf und ein eindringlicher literarischer Beitrag zur Aufarbeitung der faschistischen Vergangenheit. Im Mittelpunkt steht der Düsseldorfer Prozess gegen die IG Farben, bei dem die Verantwortung der Großindustrie für Krieg und Holocaust verhandelt wird. Mit dokumentarischer Präzision und moralischer Klarheit prangert Wolf das Zusammenspiel von Kapital und Verbrechen an. „Menetekel“ ist ein politischer Schlüsselroman der frühen DDR und ein Vermächtnis gegen das Vergessen.

Die Uraufführung erfolgte zu Wolfs 65. Geburtstag am 23. Dezember 1953 am Deutschen Theater Berlin in der Regie von Wolfgang Langhoff.

Das Drama wurde 1955/56 von Martin Hellberg bei der DEFA monumental verfilmt: 

Filmportal

Mit seinem Romanprojekt, Drama und Filmexposé „Thomas Münzer“ widmete sich Friedrich Wolf ab 1950 einer zentralen Figur der deutschen Frühreformation und Bauernbewegung. Er zeichnete Thomas Müntzer als revolutionären Theologen, der für soziale Gerechtigkeit und die Rechte der Unterdrückten kämpfte. Wolfs Annäherung an Müntzer war nicht nur historisch, sondern auch hochaktuell – ein literarisches und filmisches Projekt, das religiösen Eifer, Klassenkampf und politisches Handeln miteinander verknüpfte. Der Stoff wurde postum für Bühne und Film weiterentwickelt.

Die Uraufführung erfolgte zu Wolfs 65. Geburtstag am 23. Dezember 1953 am Deutschen Theater Berlin in der Regie von Wolfgang Langhoff.

Das Drama wurde 1955/56 von Martin Hellberg bei der DEFA
monumental verfilmt. Filmportal

Ausgaben

Zahlreiche Werke von Friedrich Wolf sind veröffentlicht worden. Es gibt keine eindeutige Gesamtzahl aller veröffentlichten Werke, die sich in einer einzigen, allgemein anerkannten Zahl zusammenfassen lässt, da viele seiner Werke während seines Exils erschienen oder in Zeitungen und Anthologien veröffentlicht wurden. Dazu kommen Theaterstücke, Agitprop-Texte, Reden, Hörspiele und Filmstoffe, die kaum vollständig als einzelne Werke erfasst werden.

Friedrich Wolfs literarisches Gesamtwerk wurde von 1960–1968 in 16 Bänden in der DDR herausgegeben, was auf ein umfangreiches Schaffen mit Dutzenden einzelner Texte hinweist.

Hier sehen Sie einige Abbildungen von Veröffentlichungen und Theateraufführungen.

Verlage

Heutige Verlage (aktuelle Nachdrucke/Rechteverwaltung):

  • Aufbau Verlag (Berlin) verwaltet weiterhin einen Großteil der Rechte und publiziert Neuauflagen, beispielsweise in der Aufbau Taschenbuch-Reihe.

  • Reclam Verlag (nun Reclam Stuttgart) bietet nach wie vor Schulausgaben klassischer Texte wie Professor Mamlock.

  • Einige Werke erscheinen im Print-on-Demand-Verfahren oder bei spezialisierten wissenschaftlichen Verlagen (z. B. Weidler, Peter Lang) im Kontext germanistischer Forschung.

Hinweis zur Rechtewahrnehmung:

Seit dem 1. Januar 2024 sind Friedrich Wolfs Werke in Deutschland (und in allen Staaten mit derselben Schutzfrist) gemeinfrei (public domain).

Sein Sohn Markus Wolf sowie die Familie waren und sind an der Bewahrung des Erbes beteiligt.

Friedrich Wolf wurde im Laufe seines Lebens und posthum in verschiedenen Verlagen publiziert – teils abhängig von politischer Lage, Exil und späterer DDR-Kulturpolitik. Hier ist ein Überblick über die wichtigsten Verlage, in denen Friedrich Wolfs Werke erschienen sind bzw. erscheinen:

Malik-Verlag (Berlin)

Frühe Veröffentlichungen in der Weimarer Republik (z. B. Cyankali, Kreatur). Politisch links, bekannt für Arbeiterliteratur und expressionistische Werke. Verlegt von Wieland Herzfelde, nah an der KPD. Der Malik-Verlag bestand von 1916 bis 1947.

Verlag der Kommunistischen Internationale/Verlage im sowjetischen Exil

Während seines Exils in der Sowjetunion (1933–1945) erschienen Werke teils als Broschüren oder Manuskriptdrucke im Umfeld kommunistischer Organisationen.

Aufbau Verlag (Berlin, DDR)

Hauptverlag für Friedrich Wolfs Werke in der DDR. Veröffentlichte zahlreiche Einzelausgaben, Gesamtausgaben und Nachdrucke (z. B. Gesammelte Werke, Romane, Dramen, Hörspiele). Wichtiger Partner für Erst- und Neuveröffentlichungen nach 1945.

Volk und Welt (DDR)

Teilweise Lizenzdrucke und Sonderausgaben, insbesondere für ein breiteres Publikum.
Volk und Welt war bis 2000 tätig.

Reclam Leipzig

Ausgaben im Rahmen der Reclam-Bibliothek, vor allem Schulausgaben oder für den Literaturunterricht (z. B. Professor Mamlock).

Verlag Das Neue Berlin

Einzelne Werke und Biografisches, auch später über Wolfs Familie.