Geschichte des Hauses
Ein Ort für Literatur, Erinnerung und Begegnung
Das Friedrich-Wolf-Museum in Lehnitz bei Berlin ist ein einzigartiger Ort, an dem Leben, Werk und Wirken des Schriftstellers, Arztes und Antifaschisten Friedrich Wolf (1888 bis 1953) lebendig bleiben. Die ehemalige Wohnstätte der Familie Wolf wurde liebevoll restauriert und ist heute Museum, Gedenkstätte und Kulturort zugleich. Besucherinnen und Besucher erwartet hier eine besondere Verbindung aus authentischer Alltagsgeschichte, politischem Engagement, im Stil der am Bauhaus orientierte klassische Moderne und einem vielfältigen Veranstaltungsprogramm.
Literaturgeschichte im Original erleben
Im Wohnhaus der Familie Wolf am Alten Kiefernweg 5 sind nicht nur die Arbeits- und Wohnräume erhalten geblieben – auch Möbel, Bücher, persönliche Gegenstände und Archivmaterialien geben Einblicke in das Leben eines der wichtigsten politischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Die Gedenkstätte wird von der Friedrich-Wolf-Gesellschaft e. V. betrieben und steht für offene Erinnerungskultur und intergenerationellen Dialog.
Veranstaltungen, Führungen und Bildungsangebote
Besuchen Sie ein Haus, das lebt: mit Literaturgesprächen, Lesungen, Schulprojekten, Ausstellungen und Gartenfesten. Besucher können an Führungen durch Haus und Bibliothek teilnehmen, sich über Friedrich Wolfs vielseitiges Werk informieren oder in der Atmosphäre seines ehemaligen Wohnzimmers aktuelle politische und kulturelle Themen diskutieren.
Die folgenden Abschnitte geben einen vertiefenden Einblick in die Baugeschichte der Waldsiedlung Lehnitz sowie in die besondere Einrichtung des Hauses, die bis heute im Stil des Bauhauses erhalten geblieben ist.
Bauhaus trifft Erinnerung: Das authentisch erhaltene Wohnhaus von Else und Friedrich Wolf
Ein Haus, das Geschichte atmet
Im ehemaligen Wohnhaus von Friedrich und Else Wolf in Lehnitz bei Berlin verschmelzen historische Authentizität und kulturelles Leben auf einzigartige Weise.
Dem Besucher präsentiert sich das Haus gastlich wie zu Lebzeiten des Schriftstellers und Arztes und seiner Frau inklusive der Möbel im bevorzugten Stil des Bauhauses, der persönlichen Gegenstände und der privaten Bibliothek.
Bauhaus-Design von Liv Falkenberg – ein kulturhistorisches Unikat
Nach dem Einzug im Jahr 1948 beauftragten Else und Friedrich Wolf die renommierte Innenarchitektin Liv Falkenberg (1901 bis 2006) mit der Einrichtung des Hauses. Die Schülerin der Moderne war zuvor im Büro von J. J. Oud tätig, hatte für die Weißenhofsiedlung Stuttgart entworfen, mit den Avantgarde-Vereinigungen De 8 und Opbouw gearbeitet und für die Deutschen Werkstätten Hellerau Möbel entworfen.
Das Ergebnis: eine bis heute vollständig erhaltene Original-Wohnausstattung im Stil des Bauhausdesigns. Für das Arbeitszimmer von Friedrich Wolf entwarf Falkenberg unter anderem einen raumgreifenden Schreibtisch, Regale sowie einen passenden Stuhl. Auch das Wohnzimmer mit großem Rundtisch, Anrichte, Bibliotheksregalen und Sitzmöbeln wurde von ihr gestaltet – alles klar in der Form, funktional und ästhetisch.
Literatur, Alltag und Erinnerung – Räume, die erzählen
Das Arbeitszimmer im Obergeschoss wirkt, als habe Friedrich Wolf es nur kurz verlassen: Schreibmaschine, Pfeifen, Manuskripte, Sportgeräte und Fotos sind an Ort und Stelle geblieben. Die Bibliothek, die 2005 neu geordnet und archiviert wurde, umfasst seltene Erstausgaben sowie Werke aus dem 18. und 19. Jahrhundert sowie zahlreiche Kinderbücher und Märchen von Friedrich Wolf.
Ein offenes Haus für Kinder, Jugendliche und Erwachsene
Die Gedenkstätte ist nicht nur ein Museum, sondern auch ein Ort lebendiger Begegnung. Regelmäßig finden Veranstaltungen für alle Generationen statt:
Schulklassen gestalten Projekttage oder nehmen an Führungen teil,
Autorinnen und Autoren stellen neue Bücher vor,
Vorträge widmen sich Friedrich Wolfs Schaffen,
Kinder lauschen seinen Märchen – besonders beliebt ist im Dezember die Erzählung „Die Weihnachtsgans Auguste“.
Frühlingsfest und Kultur im Garten
Im Frühjahr lädt die Friedrich-Wolf-Gesellschaft zum großen Frühlingsfest mit prominenten Gästen in den Garten der Gedenkstätte. Nicht nur bei Konzerten, Theatergastspielen, Lesungen und Gesprächen um Literatur und Gesellschaft strömen Besuchern auf die große Wiese mit zahlreichen Stuhlreihen, auch die Kreismusikschule und Theater-AGs, Schulklassen, Wander- und Fahrradtouristen nutzen die Gastlichkeit des Literaturgartens.
Baugeschichte des Friedrich-Wolf-Museums: Architektur, Zwangsarbeit und Erinnerung
Die Waldsiedlung in Lehnitz – eine Siedlung mit belasteter Vergangenheit
Das Friedrich-Wolf-Museum befindet sich im Norden von Lehnitz, einem Ortsteil von Oranienburg bei Berlin, inmitten einer historischen Waldsiedlung mit komplexer Geschichte. In den Jahren 1938 bis 1943 errichtete der Architekt Rolf Heese im Auftrag der Ernst Heinkel Flugzeugwerke AG eine Wohnsiedlung aus 20 baugleichen Häusern – ursprünglich für die Familien von Testpiloten vorgesehen.
Zwangsarbeit und KZ Sachsenhausen
An der Errichtung der Siedlung waren zur Zwangsarbeit verpflichtete Häftlinge des KZ Sachsenhausen beteiligt. Der verwendete Klinkerstein wurde im berüchtigten Klinkerwerk des KZ hergestellt – einem Ort, der für viele Häftlinge einem Todeskommando gleichkam. Diese historische Verbindung macht das Gelände der heutigen Gedenkstätte zu einem Ort der Erinnerung und Mahnung.
Befreiung und erste Nutzung nach 1945
Nach der Befreiung des Konzentrationslagers Sachsenhausen am 23. April 1945 durch die Rote Armee wurden die leerstehenden Häuser der Waldsiedlung durch die sowjetische Administration genutzt, um befreiten Häftlingen Erholung und medizinische Versorgung zu ermöglichen. Zum 1. Internationalen Gedenktag für die Opfer des Faschismus im Jahr 1946 wohnten Delegationen aus Ländern wie Frankreich, Norwegen, Polen, Österreich, Albanien und der Tschechoslowakei in der Siedlung – ein frühes Zeichen der internationalen Erinnerungskultur.
Friedrich und Else Wolf in der Waldsiedlung
Im Jahr 1948 zogen Else und Friedrich Wolf in eines der Häuser der Siedlung. In der Nachkriegszeit stellte das Land Brandenburg die Gebäude prominenten Künstlern und Wissenschaftlern zur Verfügung. Für Friedrich Wolf bedeutete das Haus Ruhe und Raum für seine schriftstellerische Arbeit – insbesondere an seinem letzten großen Stoff über Thomas Müntzer.
Denkmalgeschütztes Erbe
Seit 1996 steht die gesamte Waldsiedlung Lehnitz unter Denkmalschutz, das Wohnhaus von Friedrich Wolf ist heute als Einzeldenkmal eingetragen. Die Geschichte des Ortes, geprägt von Kunst, Widerstand, Zwangsarbeit und Neuanfang, bleibt im Rahmen von Führungen und Bildungsangeboten lebendig und erfahrbar.
Besuchen Sie das Haus der Familie Wolf – ein Denkmal gelebter Kulturgeschichte
Das Haus am Alten Kiefernweg 5 in Lehnitz ist ein einzigartiges Beispiel für den Erhalt von Alltags- und Arbeitskultur eines Schriftstellers der Moderne – eingebettet in ein engagiertes, vielfältiges Veranstaltungsprogramm.
Literatur, Geschichte und lebendige Erinnerung
Ein kultureller Ort mit Geschichte – nur wenige Kilometer von Berlin
In Lehnitz, einem Ortsteil von Oranienburg nahe Berlin, befindet sich das Friedrich-Wolf-Museum – das ehemalige Wohnhaus des Schriftstellers, Arztes und Antifaschisten Friedrich Wolf. Heute ist es nicht nur ein Museum, sondern auch ein lebendiger Ort für Literatur, politische Bildung und kulturelle Begegnung.
Lesungen, Diskussionen, Schulprojekte, Ausstellungen und Gartenfeste machen das Haus am Alten Kiefernweg 5 zu einem beliebten Treffpunkt für Gäste aus Kultur, Wissenschaft und Politik. Zu ihnen zählten unter anderem Günter Gaus, Egon Bahr, Volker Braun, Ursula Karusseit, Otto Mellies, Edzard Reuter und viele weitere Persönlichkeiten.
Ein Rundgang durch das Leben von Friedrich Wolf
Das Museum ist fast vollständig im Originalzustand erhalten. Besucher und Besucherinnen erleben beim Rundgang ein Haus, als sei die Familie nur kurz spazieren gegangen. Die Einrichtung wurde von der niederländischen Innenarchitektin Ida Liefrink-Falkenberg im Stil des Bauhauses gestaltet. Noch heute erzählen persönliche Gegenstände wie Familienfotos, Exilandenken, eine Schreibmaschine, homöopathische Arzneien und eine umfangreiche Bibliothek vom Leben und Wirken Friedrich Wolfs.
Am runden Esstisch der Familie kamen einst Künstler, Politiker, Schüler und Weggefährten zusammen. Dieses offene Hausprinzip prägt die Gedenkstätte bis heute.
Ein Denkmal mit doppelter Vergangenheit
Das Haus gehört zu einer denkmalgeschützten Siedlung, deren Geschichte ebenfalls Teil der Führung ist: Ursprünglich für Luftwaffenoffiziere erbaut, wurden die Häuser nach 1945 ehemaligen KZ-Häftlingen zur Genesung übergeben. Friedrich Wolf zog hierher, um in ruhiger Umgebung schreiben zu können. 1949 wurde er zum ersten Botschafter der DDR in Polen ernannt, kehrte aber bald zurück, um weiterhin literarisch zu arbeiten – unter anderem am geplanten Werk über Thomas Müntzer.
Das Vermächtnis lebt weiter
Nach Wolfs Tod 1953 richtete seine Frau Else Wolf gemeinsam mit der Akademie der Künste der DDR ein Archiv ein. Nach Ihrem Tod 1973 wurde das Haus von Else Wolf dem Volk der DDR zugeeignet, das Grundstück war als Volkseigentum eingetragen. In einem Vermächtnis war die Weiterführung der Gedenkstätte und des Friedrich-Wolf-Archivs durch die Akademie der Künste, sowie die Öffnung für Namensträger, Wissenschaftler und Schulklassen bestimmt. Die Söhne Konrad und Markus Wolf bekräftigten dieses Erbe und Dr. Emmi Wolf führte das Archiv in diesem Sinne bis zur Auflösung der Akademie der Künste der DDR weiter. Nach juristischen Unsicherheiten in der Nachwendezeit konnte schließlich die Friedrich-Wolf-Gesellschaft e. V. als offizielle Eigentümerin eingetragen werden. Sie betreibt die Gedenkstätte und das Vermächtnis der Wolfs bis heute mit großem Engagement.
Veranstaltungen, Literaturgespräche und offene Türen
Im Wohnzimmer und im Garten des Hauses finden regelmäßig Lesungen, Vorträge, die Lehnitzer Literaturgespräche, Filmabende und Gesprächsrunden statt. Besucher können das Haus und den Ausstellungsraum vor Beginn bei einer kundigen Führung erleben – bei Kaffee und Wein entsteht Raum für Austausch und Begegnung.
Auch Kinder sind willkommen: Figuren wie Bummi, Auguste oder Pit Pikus lassen Friedrich Wolfs Kinderliteratur lebendig werden. Besonders beliebt sind die jährlichen Frühlingsfeste, zu denen Besucher aus nah und fern kommen.
Treten Sie ein – und seien Sie unser Gast
Das Haus in Lehnitz war schon zu Zeiten von Friedrich und Else Wolf ein Ort der Offenheit, des Gesprächs und der kulturellen Neugier. Heute, über 30 Jahre nach der Gründung der Friedrich-Wolf-Gesellschaft, ist es das immer noch – und lädt Sie herzlich ein.
Anschrift
Alter Kiefernweg 5, Lehnitz
16515 Oranienburg
Öffnungszeiten
freitags von 12 bis 16 Uhr
für alle Besucher
Kurze Führungen sind im Vorfeld von Veranstaltungen mit Anmeldungen möglich.
Sonderführungen bieten wir nach Absprache für Gruppen auch an anderen Wochentagen an.
Eintritt Führungen:
5 Euro | ermäßigt 4 Euro
Gruppen: nach Vereinbarung
Kontakt
Telefon: (03301) 524480
E-Mail: anmeldung@friedrichwolf.de








