Zitate
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Friedrich Wolf an Ole Grepp
Gjösanger/Norwegen 08.06.1948 (Auszüge)
Liebes „Söhnchenlein“ Ole,
da hast Du ja ein wunderbares neues deutsches Wort erfunden – Du großartiger Novator „Söhnchenlein“ – in Deinem Brief vom 3. Juni, der schon heute bei mir ankam. (…) Dass Eure kulturellen Verhältnisse droben im Nordland nicht anders sind, als in ganz Europa wundert mich nicht. Es wird immer deutlicher – gerade in Mitteleuropa – dass der Krieg nicht nur eine bestimmte Phase in dem Gesamtprozess war und als Weltkrise noch lange nicht beendet ist. Die Kolonialfrage, die soziale Frage der Absatzmärkte, des Öls = Palästina usw. – diese dreimal verfluchten Kriege können nur aufhören, wenn man den Gesamtkomplex der Gesellschaft löst und in Ordnung bringt.
(…)
Gewiss, Ole-Söhnchenlein, man muss große Geduld haben; manches, von dem wir träumten, werden wir nur noch aus Wallhalla oder einem Wurmloch ansehen können; schadet nichts! Aber trotz allem müssen wir so handeln, als würden wir es erleben. Viele sagen mir heute: Was du willst, alles schön und gut, aber das ist ja Utopie und unmöglich. Dennoch wurden manche „Utopien“ Wirklichkeit, und selbst der alte Goethe schrieb: In der Idee leben heißt, das Unmögliche behandeln, als wenn es möglich wäre.“