Ein neues „Stadtmöbel“ für das kollektive Gedächtnis

Die Bürgermeisterin von Oranienburg Jennifer Collin-Feeder und viele weitere Gäste weihten gemeinsam mit uns eine Stele zur Geschichte der Waldsiedlung in Lehnitz ein.

Eine Gruppe von Menschen, die sich für die Einweihung der neuen Stele interessierten, versammelte sich am Nachmittag des 24. August 2026 an der Ecke Friedrich-Wolf-Straße/Alter Kiefernweg in Lehnitz. Auf einem kleinen Rasendreieck steht nun als neues „Ortsmöbel“ eine Stele, von beiden Seiten farbig bedruckt. Sie lenkt die Aufmerksamkeit auf die Geschichte der Waldsiedlung, die ein eingetragenes Flächendenkmal bildet. Ein Teil von Lehnitz und einer bewegten Geschichte, welche die Einwohner des Ortes, Besucher und Wanderer kennenlernen können.

Initiiert und hergestellt wurde dieser kleine Geschichtskurs von der Friedrich-Wolf-Gesellschaft, die in der Waldsiedlung das Friedrich-Wolf-Literaturhaus auf vielfältige Weise mit Leben füllt und darüber hinaus als Museum und Gedenkstätte fungiert.

Prominente Bewohner nach 1945

Die Siedlung wurde in den ersten Jahren des Zweiten Weltkriegs von Häftlingen des KZ Sachsenhausen für Wehrmachtsoffiziere erbaut. Zu den Bewohnern nach 1945 gehörten u. a. der Schriftsteller und Arzt Friedrich Wolf, die Reformpädagogin Marie Thorhorst, die Lyrikerin Inge Müller und ihr späterer Mann, der Dramatiker und Akademiepräsident Heiner Müller, sowie etliche Persönlichkeiten, die in der Geschichte der Kultur und Politik der DDR eine Rolle spielten.

Frank Jahnel, Vorsitzender der Friedrich-Wolf-Gesellschaft, hatte zu diesem Treffen eingeladen und führte in seiner kleinen Rede aus, dass die Stele der Geschichte der Siedlung und ihrer Bewohner gewidmet ist als Teil des kollektiven Gedächtnisses im öffentlichen Raum. Er bedankte sich bei der Stadt Oranienburg und dem Ortsbeirat von Lehnitz für die Genehmigung sowie die Teilnahme an der Einweihung.

Münzenberg-Forum unterstützt von Anfang an

Besonders hervorzuheben ist die Unterstützung durch das Münzenberg-Forum Berlin, das von Beginn an die von dem Grafiker Sebastian Köpcke wunderbar gestalteten Stelen auf dem Grundstück des Literaturhauses im Alten Kiefernweg 5 und nun an der Friedrich-Wolf-Straße materiell und vor allem finanziell unterstützt hat.

Dank ging auch an den Lehnitzer Handwerker Daniel Fritze, der zusätzlich einen neuen, schön gestalteten Wegweiser zum Literaturhaus aus Holz angefertigt hat.

Jennifer Collin-Feeder spricht von „Wir-Gefühl“

Die Oranienburger Bürgermeisterin Jennifer Collin-Feeder griff in ihren Worten den Gedanken Frank Jahnels auf, dass die Stele zur Identitätsstiftung und zur Stärkung des „Wir-Gefühls“ beitragen kann, da sie die Wurzeln der Waldsiedlung und ihren Wandel im Laufe der Zeiten sichtbar macht.

Matthias Hennig ist als Stadtverordneter Oranienburgs und Vorsteher des Ortsbeirates von Lehnitz schon seit langem ein guter Partner bei den Projekten und Veranstaltungen der Friedrich-Wolf-Gesellschaft. Er betonte, wie wichtig dieser kulturelle Beitrag für Lehnitz und Oranienburg ist. Er machte aber auch auf die Sorge aufmerksam, dass im Zuge der aktuell notwendigen Sparmaßnahmen die Förderung der Stadt für die Arbeit der Friedrich-Wolf-Gesellschaft akut gefährdet ist, und gab der Hoffnung Ausdruck, dass sich doch eine Mehrheit für eine weitere Unterstützung findet.

Interessierte Gäste bleiben zur anschließenden Führung

Im Anschluss trafen sich die Teilnehmer auf der Terrasse des Literaturhauses zu Kaffee und Kuchen und weiteren Gesprächen. Auch Gäste aus Hohen Neuendorf, Velten, Leegebruch, Berlin, Oranienburg und Lehnitz blieben gern, unterhielten sich und nahmen an einer Führung durch das ehemalige Wohnhaus von Else und Friedrich Wolf teil.

Es gibt eine Verabredung, die spannende Geschichte der Waldsiedlung und ihrer Bewohner weiter zu erforschen und Erinnerungen, Geschichten und Dokumente aufzuspüren, die in eine Dauerausstellung im Friedrich-Wolf-Literaturhaus münden sollen. Alle, die dazu etwas beitragen können und mittun wollen sind herzlich eingeladen. Wünschenswert wäre dafür eine enge Zusammenarbeit mit jungen Menschen, insbesondere mit Schülerinnen und Schülern der Frieda-Glücksmann-Oberschule Lehnitz.

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