Ein Medizinschränkchen in Wolfs Arbeitszimmer erinnert an viele Geschichten, die mit dem „arztenden“ Schriftsteller Friedrich Wolf verbunden sind. Ein kleines hölzernes Hörrohr mag so manchen leisen Herzschlag neuen Lebens übertragen haben. Wahrscheinlich ging es mit auf Wanderschaft, wenn Wolf in der Schwäbischen Alb den Bauern in ihren Katen Arztbesuche machte. Da es recht klein ist, hat es ihn wohl bis zu seinem Lebensende begleitet.
1920 richtet Friedrich Wolf nach seinem Aufenthalt in dem Reformprojekt in Worpswede seine erste eigene Praxis in zwei kleinen Zimmern im „Hotel zur Linde“ ein. Er lernte in der Künstlerkolonie Else, seine spätere Ehefrau, kennen. Bis zur Scheidung seiner ersten Ehe leben beide getrennt. Es gibt bis zur Hochzeit einen regen Briefwechsel, in dem Wolf auch über die Mühen berichtet, gegen den Widerstand der ansässigen Kassenärzte selbst eine Praxis aufzubauen.
… Ich will nun versuchen, in aller Geduld und Werktätigkeit anzufangen; es ist wirklich jeder Mühe wert, daß wir zusammenkommen. Glaubst du, daß ichs schaffen werd, Eltzefrau? Wenn ich nur keine Rechnungen zu schreiben brauche; ich hab einen genialen Einfall: ich bring vor dem Haus eine große blecherne Sparbüchse an und schreib drauf: für den Doktor! Darein kann jeder was werfen, wenn er hinausgeht; und dann sammeln wir jeden Abend die Münzen und kaufen Schokolade, Rollmöpse und Erdnüssle mehr als wir haben wollen! Liebste! Liebste! …
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… Inzwischen ist hier mancherlei Umtrieb. Der Kampf der Ärzte gegen mein Hiersein ist auf der ganzen Linie entbrannt. Zugleich streikt die Arbeiterschaft der hiesigen Webereien; heut mittag ist Versammlung; anschließend soll meine Zulassung zu den Kassen beantragt werden, durch die Arbeiterschaft selbst. Gewiß, ich gehe meinen Gang und meine 120 Patienten kommen, weil sie hören, daß ich helfen kann. Aber viele haben eine sündhafte Angst vor den Schwarzröcken. Wenn man uns den Kampf aufzwingt, so sollen sie erfahren, daß auch wir eine scharfe Klinge schlagen können. Mir ist seither erst wieder wohl, seit der Gegner sichtbar. …
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… Ich muß mir morgen für wieder 1000 Mark die allernotwendigsten Instrumente in Tübingen besorgen, da meine Zulassung bevorsteht und ich dann zur Geburtshilfe verpflichtet bin. Mein ganzes kommendes Leben wird darin bestehen, Geld zu beschaffen, eine Angelegenheit, zu der ich so unbegabt wie nur möglich bin. …
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… Ich sende dir vom Universitätsprofessor Hugo Schütz eine verständliche Darlegung des homöopath. Prinzips. Gleiches durch Gleiches zu heilen. Du mußt sie lesen, bevor du eintriffst. Bei schwersten Zweifeln, die ich noch bis vor kurzem hegte, jetzt bin ich ganz von der Wahrheit und Kraft dieser echten Wissenschaft, die zugleich erfühlt sein will, durchdrungen. Ich freu mich schon, wenn wir im Sommer botanisieren. Denn auf meine Tees und Kräuter halte ich besonders viel. …


