Bei herrlichem Wetter erlebten am Sonntag, dem 30. August, rund 50 Gäste des Friedrich-Wolf-Literaturhauses ein wahrliches Spektakel auf der Wolf-Bühne im Garten. Die wunderbare Inés Burdow brachte mit ihrem neunzigminütigen, sehr dynamischen Ein-Personen-Stück „Der Untertan spricht“ eine Persiflage des sicherlich nicht nur deutschen Typus Mensch auf die Bühne, der nach oben buckelt und nach unten tritt.
Das Stück basiert auf dem bekannten Roman von Heinrich Mann aus dem Jahr 1914, in dem dieser die Figur des Diederich Heßling in der geschichtlich brisanten Zeit vor dem 1. Weltkrieg unter Kaiser Wilhelm II. beschreibt. Das von Anna Tenti inszenierte Bühnenstück ist ein wortgewaltiger Monolog, bei dem die Schauspielerin Inés Burdow mit intensivem körperlichem Spiel die Zuschauer in ihren Bann zieht. Sie hat dies zuvor bereits auf mehreren Theaterbühnen erfolgreich aufgeführt, so auch an der Berliner Volksbühne.
Temporäre Ausstellung des Künstlers Bogomil Helm
Ergänzt wurde das Kulturerlebnis durch eine an einem langen Seil aufgehängte umfangreiche Zusammenstellung verschiedener Texte, viele in Postkartengröße, aber auch Plakatformate. Der Inhalt der von uns gemeinsam mit dem Künstler „friedens-süchtig“ genannten Ausstellung sind u. a. Zitate bekannter Schriftsteller zum Thema Krieg, aber auch zum Beispiel eine Rede des Kaisers Wilhelm II., die hervorragend zu dem Theaterstück „Der Untertan spricht“ passte.
Bogomil Helm beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dieser Kunstrichtung, druckt alle Ausstellungsstücke selbst und möchte die Menschen damit wachrütteln, die Gefahr eines menschheitsbedrohenden neuerlichen Krieges zu erkennen und zu bannen.

Im Anschluss an die Vorstellung blieben viele Gäste noch lange und genossen den lauen Sommerabend bei einem Glas Wein und Gesprächen mit den Aktiven der Friedrich-Wolf-Gesellschaft und den Protagonisten des Theaters „Die Andere Weltbühne“ aus Strausberg, das von Inés Burdow geleitet wird und in dem noch weitere ausgezeichnete Inszenierungen zu sehen sind.
