Carsten Gansel in Hohen Neuendorf

Das Plakat zur Lesung von Carsten Gansel in Hohen Neuendorf
Der Germanist stellt am Freitag, 6. November, sein viel diskutiertes Buch „Ausradiert? Wie die Literatur der DDR verschwand“ vor.

Am Freitag in zwei Wochen sind wir unterwegs. Nicht, dass unser Haus nicht trotzdem regulär geöffnet wäre, Abends aber findet man uns in Hohen Neuendorf. Unsere Freunde vom dortigen Kulturkreis (genauer gesagt von der AG Brot und Salz bzw. der AG Lebensart) haben spannenden Besuch. Carsten Gansel ist zu Gast. Für eine Lesung aus und ein Gespräch über sein 2026 erschienenes Buch, das wir mit Faszination gelesen haben.

Zwischen Zukunftshoffnung und Einschnitt

Mit „Ausradiert? Wie die Literatur der DDR verschwand“ bringt der aus Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern stammende Gansel die Zeit der Vereinigung vor 36 Jahren in Erinnerung. Eine Zeit, die zugleich von Diffamierung und Demontage der ostdeutschen Literatur gekennzeichnet war. Das hatte nicht nur für Bücher Folgen, die millionenfach vernichtet, und für Verlage, die für wenig Geld veräußert wurden, sondern auch für Bibliotheken, die geschlossen wurden. Autorinnen und Autoren wurden pauschal als „staatsnah“ und „-fern“ eingeteilt, ästhetische Fragen hingegen spielten keine Rolle.

Carsten Gansel beschreibt Zukunftshoffnungen und Einschnitte in der Geschichte der DDR-Literatur und benennt die Konfliktfelder zwischen Ost und West. In seinem Text zeigt er Gründe auf, warum der Westen bis heute als dominant und übergriffig empfunden wird und wirbt „für einen anderen Blick auf die DDR-Literatur und die Ostdeutschen, inklusive einer Rehabilitierung“.

Unikat und Geehrter

Gansel ist seit 1995 Professor für Neuere deutsche Literatur und Germanistische Literatur- und Mediendidaktik an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Über Jahrzehnte war er der einzige Ostdeutsche mit einer Professur für Deutsche Literatur an einer westdeutschen Universität. Er ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland, des VS (Verband deutscher Schriftsteller), Vorsitzender der Jury zur Verleihung des Uwe-Johnson-Preises und Vorsitzender der Christa-Wolf-Gesellschaft. Zuletzt erschien u. a. seine Brigitte-Reimann-Biografie: „Ich bin so gierig nach Leben“ und die Neuedition von Theodor Pleviers Roman „Stalingrad“. 2017 wurde Carsten Gansel mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.

Tickets für die Veranstaltung im Mehrzweckraum der Stadthalle, Rathausstr. 1, 16540 Hohen Neuendorf, gibt es im Vorverkauf in der Buchhandlung Havelbuch, Schönfließer Str. 9 in Hohen Neuendorf, und an der Abendkasse für zehn Euro, ermäßigt acht Euro.

Link zum Buch im Reclam-Verlag
Link zum Kulturkreis Hohen Neuendorf

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