Am 12. Juni 2026 wäre Anne Frank 97 Jahre alt geworden. Doch die Autorin des weltberühmten Tagebuchs wurde 1945 im Alter von 15 Jahren von den Nationalsozialisten im Konzentrationslager Bergen-Belsen umgebracht. Der 2017 ins Leben gerufene jährliche Anne-Frank-Gedenktag hält die Erinnerung an Anne Frank wach. Er setzt ein Zeichen gegen Rassismus, Antisemitismus und Faschismus – ein Zeichen, das ganz im Sinne Friedrich Wolfs gewesen wäre.
Antifaschismus, Antirassismus und das Aufstehen gegen Antisemitismus sind Kernanliegen der Friedrich-Wolf-Gesellschaft. Zum vierten Mal luden wir gemeinsam mit der Linken Oranienburg zum Anne-Frank-Gedenktag ein, in diesem Jahr unter der Überschrift „Die Geflüchteten“ und damit ein Feld beleuchtend, das für die Zeit des Nationalsozialismus genauso steht wie fürs Jetzt.
Mahnung und Verpflichtung
In seiner Eröffnungsrede brachte der Vorsitzende der Friedrich-Wolf-Gesellschaft, Frank Jahnel, Geflüchtete von damals und von jetzt zueinander. Er wies auf die umfangreiche nationale und internationale Literatur zum Thema Flucht und Geflüchte hin – oft entstanden aus eigenem Erleben. Er kritisierte das Vorhaben der EU, Abschiebezentren in Drittstaaten einzuführen. Und er schauderte angesichts der „Remigration“-Rufe von rechts und der wachenden Feindseligkeit und Ablehnung, die Geflüchteten oder Menschen mit Migrationshintergrund generell in unserem Land entgegengebracht wird. An Anne Frank zu erinnern, sei für ihn Mahnung und Verpflichtung.
„Wir müssen menschenverachtender Politik eine starke politische Bewegung der Vernunft und Solidarität entgegensetzen. Sonst kann es passieren, dass wir eines Tages vor der Entscheidung stehen: flüchten oder bleiben?“
Es folgte ein bewegendes Lese-, Hör- und Seherlebnis. Gerrit Große (Foto oben) las Stellen aus Anne Franks Tagebuch und zwei Gedichte von Mascha Kaléko, Frank Jahnel präsentierte Auszüge aus Briefen von Friedrich Wolf, Candy Boldt-Händel teilte seine Gedanken zu Schalom Ben-Chorins Gedicht „Freunde, dass der Mandelzweig“, Tanja Manthey-Gutenberger stellte die Graphic Novel „Wo ist Anne Frank“ vor, Jana Weinert las ein eigenes Gedicht und Stephanie Bothe präsentierte einen Ausschnitt aus Charlotte Beradts Bericht „Das dritte Reich des Traums“. Stefan Händel begleitete die Lesungen musikalisch auf dem Piano.
Emotionaler Abschluss per Video
Der bewegende Mitschnitt des Poetry-Slam-Beitrags „Hinter mir mein Land“ von Babak Ghassim und Usama Elyas bildete den emotionalen Abschluss des Abends. Die Vortragenden und ihr Publikum blieben mit dem Gefühl zurück, dass Menschlichkeit ein universelles Recht ist.
Weitere Tipps zum Thema
- „Sie emigrierten nicht, fliehen mussten sie“ – Buch über das Exil vieler deutscher Schriftsteller in Sanary-sur-Mer während der Nazidiktatur
- „Adressat unbekannt“ – Briefroman aus dem Jahr 1938 über die Freundschaft zweier Männer, die gemeinsam ein Handelsgeschäft zwischen Deutschland und den USA betreiben. Einer von beiden ist Jude, der andere ein strammer Deutscher. Aus Freundschaft wird innerhalb kürzester Zeit nach der Machtübernahme Feindschaft und Hass.
- Die Dauerausstellung „Das Jahrhundert der Fluchten – Eine europäische Geschichte der Zwangsmigrationen vom 20. Jahrhundert bis in unsere Zeit“ im Dokumentationszentrum der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung
- „Tapetenwechsel – Migration und Mobiliar seit 1960″ im Museum Ephraim Palais des Stadtmuseums Berlin. Die Ausstellung widmet sich dem Wohnen in der Einwanderungsstadt, der „Arrival City“. Sie behandelt dabei sowohl ästhetische als auch soziale Fragen. Wie richten sich Menschen im Provisorium ein? Und wie zeigt sich anhand von Einrichtung und Geschmack der Prozess des Sich-Niederlassens?





