Ingar Solty: Diagnose und Hoffnung

Ingar Solty in der Bibliothek im Friedrich-Wolf-Literaturhaus bei seinem Vortrag
Rückblick auf das Lehnitzer Gespräch „Der neue postliberale Kapitalismus und wie er die Welt und Deutschland im Innern verändert“ am 19. April 2026 im Friedrich-Wolf-Literaturhaus

Ein grauer Sonntagnachmittag. Wichtige parallele Termine in Oranienburg und Berlin: die Gedenkveranstaltung Sachsenhausen anlässlich des 81. Jahrestages der Befreiung des KZ, eine Veranstaltung der OMAS GEGEN RECHTS, eine Aufführung im Theaterschüff Oranienburg sowie der Jahreshöhepunkt des Ernst-Busch-Chors in Berlin, ein Konzert unter dem Motto „Frieden gemeinsam schaffen“ (zu dem der Vortragende und der FWG-Vorsitzende ebenfalls eingeladen sind). Trotzdem kommen um die 60 Zuhörende und Mitdenkende ins Friedrich-Wolf-Literaturhaus. Ingar Solty beginnt mit einem Brecht-Zitat: Die Widersprüche sind unsere Hoffnung.

Kapitalismus in der Krise

Solty hält einen analytisch starken Vortrag – Zeitdiagnose: zu den vier systemischen Krisen des Kapitalismus in der Geschichte. Zur aktuellen Neoliberalismus-Krise. Zu ihren sechs Dimensionen auf globaler Ebene. Zur Schwächung der Demokratie. Zur Systemfrage und der Weltordnung. Nach der Analyse führt er die Begriffe postliberaler Kapitalismus und innere Zeitenwende ein. Zu beiden veröffentlicht Solty im Laufe des Jahres jeweils ein Sachbuch. Nach einer Pause, in der die Köpfe sich lüften und beregnen lassen können, folgt eine intensive Fragerunde, in der auch kritische Fragen gestellt werden. Von Lachen begleitet: Wie soll denn aus dieser Diagnose Hoffnung wachsen? Für Solty liegt sie im Wiederaufbau und der Mobilisierung der Arbeiterbewegung – darin, für materielle Interessen anstatt für Ideologien zu kämpfen.

Diskussionen zu China, Krieg und gesellschaftlichem Fortschritt

Der FWG-Vorsitzende Frank Jahnel muss nach drei Stunden Veranstaltung die Fragerunde beenden, die sonst noch lange hätte weitergehen können. Das Versprechen, dass Ingar Solty einen Essay zum 140. Geburtstag von Friedrich Wolf im Jahr 2028 schreibt, hat er ihm schon vorher abgenommen. Nicht nur an dem Nachmittag ist zu spüren, wie angeregt die Zuhörenden sind, auch am Montag danach erreicht die FWG positives Feedback:

Was für ein Glück für Lehnitz, solche Gesellschaft wie die namens Friedrich Wolf in den Mauern unseres doch relativ kleinen Ortes zu wissen. Gestern, bei dem Vortrag und der sich anschließenden Diskussionsrunde zeigte sich erneut, welchen Gewinn man aus solchen Veranstaltungen mit nach Hause nimmt. […] Drei Stunden, eine längere Pause mit kleiner „Gastronomie“ inbegriffen, vergingen wie im Fluge, zumal eine Diskussionsrunde wie üblich dort die Komplexität des Themenfeldes auch aus Sichten der zahlreichen Zuhörer abbildete. (Tina + Peter Möller)

Nachtrag, Mai 2026: Ingar Soltys Buch Innere Zeitenwende ist inzwischen im Handel verfügbar.

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