Rund sechs Jahre lang, von 1927 bis 1933, verbrachte Friedrich Wolf in Stuttgart und wirkte dort als Arzt, engagierter Kommunalpolitiker und Schriftsteller bzw. Dramaturg. Dann musste er vor den Nationalsozialisten fliehen.
Im Mai 1946 kehrte er noch einmal in sein geliebtes Stuttgart zurück, um eine viel beachtete Rede mit dem Titel „Mut zum Leben“ zu halten. In ihr ermutigte Wolf die von Faschismus und Krieg geprägten Deutschen zu einem Neuanfang. Der Saal im Furtbachhaus musste polizeilich gesperrt werden. Hunderte fanden keinen Einlass. So riesig war damals das Interesse an der Rede.
Hier ein kurzer Auszug:
Mut zur Wahrheit und Mut zur Verantwortung! Das ist das Erste!
Und dann Vertrauen zu uns selbst und zu den andern Völkern, denen wir großes Unrecht zugefügt haben! Das ist das Zweite.
Und das Dritte: Leben wir endlich ein bewusstes friedfertiges, menschliches Leben, ein gelebtes Leben!
Dann wird wie vor über 400 Jahren wieder der alte Ruf Ulrich von Huttens an die deutsche Jugend durch die Lande schallen:
Floreant litterae, floreant artes – juvat vivere! Blühen mögen die Wissenschaften, blühen mögen die Künste – es ist eine Lust zu leben!
Das Stuttgarter Stadtmuseum StadtPalais und die Stiftung Geißstraße nehmen den 80. Jahrestag zum Anlass, um mit einem „Spaziergang im Sitzen“ mit unserem Stuttgarter (Gründungs-)Mitglied Waldemar Grytz am 19. Mai sowie einem Vortrag mit Diskussion am 20. Mai an die Rede und an Wolf zu erinnern.
